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Künstliche Intelligenz macht es möglich: Der Podcast „Sheldon County“ erzählt nie die gleiche Geschichte

Eine Geschichte, die niemals so verläuft, wie sie ein anderer zuvor bereits gehört hat. Was klingt wie aus einem Science Fiction Film ist (fast) Realität.

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Podcasts sind sehr beliebt – bald könnte es Geschichten geben

Podcasts haben in den letzten Jahren massiv an Beliebtheit gewonnen. Im Jahr 2016 gab es in Deutschland einer Erhebung von Statista zufolge rund 7,5 Millionen Hörer oder Zuschauer. Besonders beliebt bei den Deutschen: die Podcast-Version des Tatort.

Wäre es nicht spannend, wenn jeder, der sich die aktuelle Tatort-Episode anhört, eine eigene Geschichte auf die Ohren bekommt? Einen eigenen Plot mit anderen Charakteren, neuen Beweisen und einem Mörder, der in der vergangenen Episode gar nicht auftauchte? Was nach ferner Zukunftsmusik klingt, funktioniert schon jetzt ganz gut.

Künstlich generierter Podcast

Wie „The Verge“ berichtet, versucht der Podcast „Sheldon County“ seinen Nutzern nämlich genau dieses Erlebnis zu bieten. Jeder Nutzer beginnt, indem er eine beliebige Nummer auf einer Webseite eingibt. Diese Nummer setzt dann eine Art Zufallsgenerator in Gang, der den Verlauf der Geschichte, die Handlung und die Charaktere verändert. Diese Merkmale werden von einer KI zu einem Text geformt und im Anschluss von einer synthetischen Stimme in einer Audiodatei gespeichert und dann dem Nutzer zum Download zur Verfügung gestellt.

Software benötigt noch Arbeit

Zwar gibt der Entwickler, ein Student namens James Ryan zu, dass sein Projekt noch ein wenig Arbeit benötige. Die Software sei weitestgehend fertig, benötige jedoch noch einigen Feinschliff, wie die Möglichkeit, jeder Episode automatisch die passende musikalische Untermalung hinzuzufügen. Es könnte also noch eine ganze Weile dauern, bis jedem von uns der maßgeschneiderte Podcast zur Verfügung steht.

Wie die Seite weiter schreibt, sei Content, der sich nutzerspezifisch ändere zwar generell nichts neues, habe sich in den vergangenen Jahren jedoch stark verbessert. So hätten beispielsweise die Computerspiele „No Man’s Sky“ und „Middle-earth: Shadow of War“ auf Welten und Charaktere gesetzt, die sich von Spieler zu Spieler veränderten und so für Faszination bei Gamern weltweit sorgten.

Computer, die Geschichten erzählen

Der Macher hinter dem Podcast war dem Bericht zufolge schon immer von der Idee begeistert, Computer Geschichten erzählen zu lassen. Eine seiner ersten Entwicklungen war ein simples Programm, das Namen generierte. Um seinen Podcast zu realisieren, musste Ryan aber weiter gehen. Er entwickelte das Programm „Hennepin“. Diese Software ist dafür verantwortlich, dass die Welt des Podcasts von Personen bevölkert wird, die „echte“ soziale Kontakte haben und in einer „realen“ Welt agieren können.

Der Entwickler selbst vergleicht „Hennepin“ mit einem riesigen Excel-Datenblatt, gefüllt mit einer Menge an Daten. Geben Nutzer dann ihre gewählte Zahl auf der Webseite ein, erwacht diese Tabelle sozusagen zum Leben und entwickelt eine neue Welt mit neuen Charakteren etc.

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Ironischerweise würden die aktuellen Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz dem jungen Forscher bei seiner Arbeit nicht helfen. Bei Ryans Ansatz geht es weniger darum, durch neuronale Netzwerke „selbstständig“ zu lernen, sondern viel mehr darum, der Software durch bestimmte Rahmenbedingungen und logische Anweisungen dabei zu helfen, Inhalt zu kreieren.

Außerdem, so zitiert die Seite einen anderen Forscher, sei diese althergebrachte Form der künstlichen Intelligenz wesentlich einfacher zu kontrollieren als all die neuen Ansätze, die aktuell entwickelt werden.

Einige der Episoden gibt es zum Reinhören auf Soundcloud.

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