Digital Life 

Ranga Yogeshwar: "Digitalisierung und Technologie verändern Prozesse und Menschen"

Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sorgte auf der republica 18 für informatives Entertainment.
Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sorgte auf der republica 18 für informatives Entertainment.
Foto: Jan Zappner/ republica
Auf der re:publica wurde er sehnlichst erwartet – der Vortrag des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar. futurezone hat ihn zum Gespräch getroffen.

"Mensch und Maschine – wer programmiert wen?" war das Thema, zu dem Ranga Yogeshwar, Physiker und mehrfach ausgezeichneter Wissenschaftsjournalist, auf der re:publica 18 bestes Infotainment lieferte.

Ranga Yogeshwar: "Technologie verändert Menschen"

Dabei ging er zunächst auf die rasante Geschwindigkeit ein, mit der sich digitale, technologische Evolution heute im Gegensatz zu früher vollziehe. Ein Beispiel: Während das Telefon ganze 75 Jahre gebraucht habe, um sich global auszubreiten und die magische Grenze von hundert Millionen Nutzern zu durchbrechen, habe es das Spiel Candy Crush in nur 1,3 Jahren geschafft.

"Digitalisierung und Technologie verändern Prozesse und Menschen", so Yogeshwar. Selbst die Grundtopologie sei nicht mehr dieselbe. Menschen, die früher nur Empfänger von Informationen waren, würden heute selbst zum Sender werden, und das zum Teil sehr erfolgreich, wie YouTube beweise. Eine solche Umkehr der Fließrichtung, wie es Yogeshwar nennt, führe dazu, dass mittlerweile einzelne Twitter-Posts Schlagzeilen provozieren, und nicht umgekehrt.

futurezone hat mit Ranga Yogeshwar gesprochen und ihn gefragt, ob wir uns vor intelligenter Technologie in Acht nehmen sollten.

futurezone: Wer programmiert denn nun wen? Hat der Mensch noch die Oberhand?

Ranga Yogeshwar: Wir haben eine Oberhand, aber es geht darum, sehr scharf zu schauen, was uns von Maschinen trennt. Wenn wir uns darauf einlassen, uns nach den Kategorien der Maschinen zu richten – wenn wir also zulassen, dass die Welt demnächst nur aus Parametern und Optimierungsfunktionen besteht – dann verlieren wir nicht nur uns selbst, wir verlieren vielleicht auch das, was das Leben ausmacht.

Die Highlights der re:publica 2018
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Müssen wir also Angst haben vor intelligenter Technologie?

Ich bin keiner der Angst hat, im Gegenteil. Wir leben in einer unglaublich spannenden Zeit, in der sich viel verändert. Es geht nicht darum, Angst zu haben. Das ist nichts, was uns gut leitet. Sondern eher darum, Chancen zu sehen, aber gleichermaßen auch Risiken zu erkennen. Ich spreche mich dafür aus, was ich immer den reflektierten Fortschritt nenne. Offen zu sein, aber trotzdem zu wissen, wo Grenzen sind, was wir wollen, was wir nicht wollen. Wenn wir diese Haltung haben, gestalten wir, und nicht die Maschinen.

Und gehen Sie denn in ihrem Privatleben trotzdem in gewisser Weise vorsichtig mit Technologie um?

Ich gehe so gut ich es kann reflektiert mit Technologie um. Dazu ein sehr konkretes Beispiel: Wenn Sie mich im Sommer anmailen, werden Sie keine Antwort bekommen. Sie kriegen eine Auto-Reply und da steht: "Ich lese keine Mails, ich bin offline. Ich werde sie später nicht lesen, ich lösche sie." Dann und dann ist mein Postamt auf. Es geht um den Umgang mit dem Neuen und den müssen wir an ganz vielen Stellen lernen. Ich auch.

Vielen Dank für das Interview, Herr Yogeshwar.

Disclaimer: futurezone ist Medienpartner der re:publica 18.

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