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Nachgeforscht: Wie seriös ist die Shopping-App Wish wirklich?

Die Wish-App-Erfahrungen haben gezeigt: Ihr könnt die Plattform verwenden. Achtet jedoch auf einige Dinge.
Die Wish-App-Erfahrungen haben gezeigt: Ihr könnt die Plattform verwenden. Achtet jedoch auf einige Dinge.
Foto: imago/Photothek
Bestimmt ist sie euch bei Facebook auch schon einmal untergekommen: die Wish-App. Die Erfahrungsberichte sind durchwachsen, die Angebote kaum zu glauben. Wir klären über die Schnäppchen auf.

Seid ihr beim Durchscrollen eures Facebook-Newsfeeds auch an einer Bildergalerie mit kuriosen Produkten hängengeblieben? Von futuristischen Indoor-Zelten über flauschige Schwänze bis zu vibrierenden Smartphone-Cases ist alles dabei. Doch wie kann es sein, dass ein Artikel von 40 auf sieben Euro reduziert ist? Ist das Produktqualität, die überzeugt? Wir zeigen euch die Wish-App-Erfahrungen andere User, und ob ihr der Seite vertrauen könnt.

Wish-App-Erfahrungen: Das ist die Geschichte der Plattform

Das Ziel: Amazon und Co. überholen

Wish ist eine Plattform, auf der Online-Shops weltweit ihre Waren aus den Bereichen Technik, Mode und mehr anbieten. Die meisten Produkte kommen aus China. Wish selbst verkauft nichts, erhält für die Vermittlung zwischen Verkäufer und Käufer aber eine Provision pro verkauftem Artikel.

Video: Die App Wish stellt sich vor

Laut eigenen Angaben sind 500 Millionen User auf Website und Web der Plattform Wish aktiv. Die jüngsten offiziellen Zahlen stammen von 2016. Ihr Ziel, die weltgrößte eCommerce-Plattform zu werden, hat sich seitdem nicht verändert. Momentan liegen sie aber noch auf Platz sechs in diesem Ranking.

Mehr als nur Website und App

2010 wurde Wish zunächst als App zum Erstellen von Wunschlisten gegründet – von Googles früherem Programmierer Pater Szulczewski und dem Ex-Yahoo-Programmierer Danny Zhang. Die Nutzer konnten sich ähnliche Produkte auf verschiedenen Websites anschauen. Im Jahr 2013 wurde Wish zu einer eCommerce-Website mit Hauptsitz in San Francisco. Wish ist als Website und als App für iOS und Android verfügbar. Daneben betreibt das Unternehmen eine lokale Marktplatz-App namens Wish Local, die ähnlich wie eBay-Kleinanzeigen funktioniert. Zudem gibt es vier spezialisierte Apps des Unternehmens:

  • Geek (fokussiert auf Elektronik-Artikel),
  • Mama (fokussiert auf Familie und Kinder),
  • Cute (Kosmetikartikel) und
  • Home (Dekorationen und Haus)

Smartphones für 25 Euro

Hinter der App stehen Geldgeber wie der Staatsfonds Temasek aus Singapur, Founders Fund und Yahoo-Gründer Jerry Yang, die zusammen mehr als 1,25 Milliarden Dollar investiert haben. Allerdings ist Wish umstritten. Die Produkte, die auf der Plattform vertrieben werden, sind teilweise extrem günstig zu haben. Als Nutzer lässt das einen an ihrer Authentizität und Seriosität zweifel: Turnschuhe für vier Euro, Smartphones für 25 Euro oder Smartwatches für acht Euro. Laut eigenen Angaben von Wish sind die Waren teils 60 bis 90 Prozent günstiger als im Einzelhandel.

Geiz ist geil

Beim durchschnittlichen Wish-Kunden stehe auch nicht das Einkaufserlebnis, sondern der Preis klar im Vordergrund – das berichtete Szulczewski im manager magazin vom Juni 2018. Er räumte auch lange Wartezeiten ein, unter denen Kunden leiden. Ihm zufolge wären sie jedoch auch "bereit, zwei oder drei Wochen zu warten, um zwei, drei Euro zu sparen".

Eine Geschäftsentscheidung aus dem Jahr 2017 kommt wohl nicht von ungefähr: In einem Express-Programm verpflichten sich teilnehmende Händler, die Ware innerhalb von sechs Tagen an den Kunden zu liefern. Ob das seither klappt, ist unklar. Das Unternehmen arbeitet an europäischen Warenlagern und Drehkreuzen, um den Versand zu beschleunigen – und damit irgendwann vielleicht wirklich Amazon zu überholen und die eCommerce-Plattform Nummer eins zu werden.

Kritik: Was Experten von der Wish-App halten

  • Problem 1: Warten, Qualität und Fälschungen

Als "Milliarden-Schrottschleuder" bezeichnete jüngst t3n die Wish-App. Chip.de berichtete bereits, dass die Qualität der Waren sowie die Versandzeit von circa 30 Tagen zu wünschen übrig lässt. Eine wirkliche Garantie darauf, dass das Bestellte wirklich geliefert wird und qualitativ annehmbar ist, gebe es bei Wish nicht – auch wenn die Zahlungsmethoden per Sofortüberweisung oder Klarna grundsätzlich vertrauenswürdig sind.

Mehrere Testbestellungen des Magazins c't ergaben zudem, dass gefälschte USB-Sticks und Speicherkarten bei Wish im Umlauf sind. Kein Wunder, dass die Verbraucherzentrale mittlerweile vor der App warnt. Immer wieder erreichten sie Beschwerden über Wish. Die Produkte seien zwar billig, der Einkauf selbst aber teuer.

  • Problem 2: Zusätzliche Kosten

Wish vermittelt vor allem an Händler im Ausland. Bei Einkäufen ab 150 Euro (inklusive Versandkosten) werden daher Zollgebühren erhoben. Diese müssen laut Wish vom Kunden selbst gezahlt werden. Das gilt auch für Retoure-Sendungen. Das führt zu zusätzlichen Kosten. Der Kunde geht außerdem einen Vertrag mit dem Vertragspartner ein, nicht mit Wish. Und Kontakt zum Vertragspartner aufzubauen, ist definitiv schwieriger.

  • Problem 3: Der Datenschutz

Laut Medienberichten haben die Wish-App-Erfahrungen der Kunden eines gezeigt: Die Applikation fordert Berechtigungen für Datenzugriffe, die fürs Online-Shopping gar nicht nötig sind:

  • Wish hat Zugriff auf eure Kontakte und kann sie auslesen.
  • Als Kunde erlaubt ihr der Plattform USB-Speicherinhalte zu lesen, zu ändern oder gar zu löschen.
  • Wish kann nicht nur Daten aus dem Internet, sondern von allen Netzwerken und Netzwerkverbindungen aufrufen.
  • Als Kunde erlaubt ihr der Plattform das Aufnehmen von Bildern und Videos.

Keine allzu guten Voraussetzungen, um Kunden einen soliden Datenschutz zu gewähren.

Nach Erfahrungen mit der Wish-App: Das solltet ihr beim Shoppen beachten

Die Verbraucherzentrale hat die Wish-App-Erfahrungen der Kunden ausgewertet und gibt euch einige Tipps mit auf den Weg:

  • Prüft vor jedem Kauf, woher das gewünscht Produkt kommt. Besonders Verkäufer aus Asien schlagen Steuern, Versand- und Zollgebühren auf den Gesamtbestelltwert. Das kann teuer werden.
  • Beachtet in diesem Zusammenhang, dass generell hohe Versandkosten auf euch zukommen.
  • Informiert euch über die Zollbedingungen, wenn ihr von einem Händler außerhalb der EU bestellt.
  • Geht nach Möglichkeit nicht in Vorkasse. Zahlt erst, wenn ihr die Ware erhalten habt und mit ihr zufrieden seid. Ignoriert zu frühe Zahlungsaufforderungen nicht, sondern meldet sie dem Kundenservice von Wish beziehungsweise Klarna. Erklärt dort, dass ihr noch nichts erhalten habt.
  • Rechnet mit langen Lieferzeiten, besonders bei Lieferungen aus Asien.

Fazit: Was die Wish-App-Erfahrungen uns lehren

Natürlich könnt ihr Wish nutzen, wenn euch die niedrige Qualität der Produkte egal ist und ihr ein weniger länger auf ein Produkt warten könnt. Immerhin ist der Kaufpreis dafür günstiger. Beachtet, dass das Unternehmen es nicht so streng mit dem Datenschutz nimmt. Die Wish-App-Erfahrungen zeigen uns außerdem, dass es keine Garantie auf Lieferung und Qualität gibt. Für günstige Produkte könnt ihr alternativ auch AliExpress, Crowdfox oder Rakuten ausprobieren.

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