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Bezos-Erpressung: Saudi-Minister bestreitet Beteiligung an Leaks

Statt den Forderungen seiner Erpresser nachzukommen, machte Amazon-CEO Jeff Bezos sie ganz einfach öffentlich.
Statt den Forderungen seiner Erpresser nachzukommen, machte Amazon-CEO Jeff Bezos sie ganz einfach öffentlich.
Foto: imago/UPI Photo
Die Erpresser verlangten nicht etwa Geld, sondern ein Statement. Wir verraten dir alles rund um die versuchte Erpressung des Amazon CEOs Jeff Bezos.

Jeff Bezos hat schwere Vorwürfe gegen den Chef des US-Verlags American Media Inc. (AMI), David Pecker, erhoben. „[Seine Mittelsmänner] sagten, sie hätten mehr Textnachrichten und Fotos, die sie veröffentlichen würden, wenn wir unsere Untersuchung nicht einstellen würden“, erklärte der Amazon-CEO und Eigentümer der Washington Post in einem öffentlichen Brief. Auch eine Beteiligung Saudi Arabiens schließe er dabei nicht aus.

Jeff Bezos: "Nein danke, Mr. Pecker"

Unter dem Betreff "No thank you, Mr. Pecker" (zu Deutsch: "Nein danke, Mr. Pecker") wendete sich Jeff Bezos am Donnerstag mit einem wichtigen Anliegen an die Öffentlichkeit. Er sei, so sagt er, vom Chef des US-amerikanischen Boulevardblattes National Enquirer erpresst worden – zumindest habe es dieser versucht. Im konkreten ging es dabei um "intime Fotos", die veröffentlicht werden sollen, sofern Bezos die Untersuchungen gegen den Enquirer nicht einstelle.

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Hintergrund der vom Amazon-CEO initiierten Untersuchungen war die Trennung von seiner Ehefrau McKanzie, beziehungsweise seine mitunter dafür verantwortliche Affäre. Denn der National Enquirer hatte bereits kurz darauf mit der Veröffentlichung kompromittierender Textnachrichten begonnen. Wesentlicher Bestandteil der eingeleiteten Untersuchungen ist also die Methode und Quelle, durch die das Blatt an diese Informationen gelangt ist.

Erpressungsversuch gegen Bezos: Statement gegen Fotos

Blöd nur, dass Bezos scheinbar keinerlei Interesse daran zeigte, sich auf den Deal der AMI-Mittelsmänner einzulassen und sich stattdessen über einen Beitrag auf der Plattform Medium direkt an die Öffentlichkeit wendete: "Mir wurde ein Angebot gemacht, das ich nicht ausschlagen konnte", schreibt Bezos. "Oder zumindest ist es das, was die Top-Leute beim National Enquirer dachten."

Nachdem Amazon gerade erst seine Jahresgewinne vervielfacht hat, dürfte der CEO genügend Selbstbewusstsein haben, um mit einer solchen Situation umzugehen.

Jeff Bezos gibt dir 10 Regeln für Erfolg

Der Deal, um der Veröffentlichung der Bilder und weiterer Nachrichten zu entgehen, habe darin bestanden, eine öffentliche Stellungnahme an die Presse abzugeben. Darin hätte gestanden, dass "wir 'kein Wissen oder keine Basis haben, um anzunehmen, dass die Berichterstattung von AMI politisch motiviert war oder durch politische Kräfte beeinflusst wurde.'"

Minister bestreitet Beteiligung Saudi Arabiens

Im weiteren wies Bezos im Rahmen seiner Anschuldigungen indirekt auf eine Beteiligung Saudi Arabiens an den Veröffentlichungen hin, die jedoch mittlerweile klar bestritten wurde. So erklärte Außenminister Adel al-Jubeir im Interview bei der CBS-Nachrichtensendung "Face the Nation", Saudi Arabien habe nichts mit den Veröffentlichungen AMIs zu tun.

Der Verdacht des Amazon-CEOs entstand offenbar durch seine Kritik an der Berichterstattung über den Tod des saudi-arabischen Journalisten Jamal Ahmad Khashoggi. Im Bezug auf das Leak erkläre al-Jubeir jedoch: "Das klingt für mich wie eine Seifenoper. Ich habe es im Fernsehen gesehen und in der Zeitung darüber gelesen. Dies ist etwas zwischen den beiden Parteien. Wir haben nichts damit zu tun."

Video: Adel al-Jubeir im Interview bei "Face the Nation"

"Catch and Kill" durch Trump-Sympathisanten

In der Vergangenheit hatten AMI sowie Verlagschef Pecker mitunter durch den Schweigegeldskandal rund um den US-Präsidenten Donald Trump für aufsehen gesorgt. Den US-Behörden zufolge zahlte die American Media Inc. dem ehemaligen Fotomodel Karen McDougal rund 150.000 US-Dollar für ihre Geschichte, denn sie hatte zuvor behauptet, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben. Statt die Story jedoch zu veröffentlichen, wie es sich für ein Skandalblatt wie den Enquirer gehört, hielt der Verlag sie unter Verschluss.

Im englischsprachigen Raum ist diese Taktik weitestgehend als “Catch and Kill” (zu Deutsch etwa: "Fangen und Einstampfen") bekannt. Der Grund für dieses Verhalten scheint offensichtlich, denn bereits im Rahmen des US-Wahlkampfes hatte sich die Zeitschrift für den heutigen Präsidenten ausgesprochen und klar Stellung gegen seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton bezogen. David Pecker gehört nach wie vor zum engsten Vertrautenkreis Trumps.

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