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Unheimlich: Orwells „1984“ wird immer mehr zur Realität

George Orwells „1984“ ist dem Jahr 2019 erschreckend ähnlich. Wir verraten, inwieweit der dystopische Roman unserer Gegenwart ähnelt.

Nahaufnahme vom Roman 1984 von George Orwell © imago images/U. J. Alexander

Im Juni 2019 feierte George Orwells „1984“ seinen 70. Geburtstag, doch der Roman ist bis heute beklemmend aktuell. Der Autor verfasste eine Erzählung über eine Zukunft, in der ein totalitäres Regime die Kontrolle über den Körper und Geist eines jeden Individuums erlangt hat. Orwells jahrealte Warnung trifft einen Nerv, denn heute wir leben in einer Welt, in der die Privatsphäre des Einzelnen und die Wahrheit permanent gefährdet scheinen – und wir haben uns mit dieser Art zu leben angefreundet.

Erschreckend ähnlich: George Orwells „1984“ vs. heute

Im Jahr 1949 erschien George Orwells „1984“, in dem der Autor eine totalüberwachte Gesellschaft beschreibt. Bis heute gilt der Roman als eine der bedeutendsten literarischen Dystopien des 20. Jahrhunderts.

Im Riesenreich Ozeanien hat die alleinherrschende Partei ein System errichtet, in dem es keine Freiheit mehr für das Individuum gibt. Die Gedankenpolizei sorgt für totale Kontrolle und permanenten Terror. Gefühle, vor allem Liebe, sind in Ozeanien verboten. Mit dem Slogan „Big brother is watching you“ werden die Menschen außerdem permanent an die Überwachung des Regimes erinnert.

Und doch: Heutzutage teilen wir scheinbar freiwillig unsere Daten mit Google, Facebook und Co. und lassen uns gezielt überwachen. Inwieweit ähnelt Orwells Roman also der heutigen Zeit?

„Big Brother is watching you“

Im Jahr 2016 erlebte Orwells Roman erneut einen unheimlichen Aufschwung in seinen Verkaufszahlen, besonders in den USA. Der „Große Bruder“(„Big Brother“) oder auch das „Wahrheitsministerium“, das in Orwells Roman beschrieben wird, erinnert stark an Donald Trumps Präsidentschaft. Zahlreiche Menschen wiesen auf Twitter und weiteren Kanälen auf die Parallelen im Auftreten Trumps und seiner Berater und der düsteren Zukunftswelt von George Orwell hin.

Beispielweise auf den Personenkult um den „Großen Bruder“, den möglicherweise fiktiven Diktator des Überwachungsstaates, oder auch „Neusprech“, einer vom Regime propagierten vereinfachten Sprache, die das kritische Denken der Bürger unterbinden soll, weisen enorme Parallelen zum Wahlkampf Trumps auf.

Auch das „Wahrheitsministerium“, dessen Aufgabe es ist, im Dienste der Propaganda des Regimes die Geschichte umzuschreiben und Fakten in seinem Sinne zu verändern, erinnern an die Formulierung der „alternativen Fakten“, die von Trumps Beraterin Kellyanne Conway geäußert wurde. Ebendiese Formulierung fand weltweit Anklang als Synonym für die Beschönigung einer Lüge.

Der Spion in deinem Schlafzimmer

George Orwell beschreibt in „1984“ sogenannte „Televisoren“, nicht abschaltbare Geräte, die alle Wohnungen kontrollieren und ständig abhören. In Form von smarten Sprachassistenten kommen diese Televisoren als Siri, Alexa oder Google Assistent daher – und wir lassen die Geräte sogar freiwillig an unserem Leben teilhaben. Da diese wie ein Hund oder ein Mensch auf ihren Namen reagieren, liegt auf der Hand, dass sie jederzeit zuhören.

Höchstwahrscheinlich ist das der Grund, warum Amazon es mittlerweile ermöglicht, Alexa zu befehlen, dass sie vergessen soll, was du gesagt hast. Die permanente Überwachung mag besorgniserregend sein. Zwar schlagen Datenschützer Alarm, doch aus Bequemlichkeit bitten wir Siri dann doch, eine Pizza zu bestellen.

Die selbstgewählte Überwachung ist eine Sache. Doch was geschieht, wenn du das Haus verlässt? Zahlreiche öffentlich zugängliche Plätze sind mittlerweile mit Überwachungskameras ausgestattet, die unser Leben sicherer machen sollen und beispielsweise die Verbrechensverfolgung präzisieren. Auch die Technik der Gesichtserkennung ist auf dem Vormarsch und könnte missbraucht werden. Selbst Hersteller Apple wurde schon beschuldigt, heimlich Gesichtsscans seiner Kunden durchzuführen.

Überwachung und Freiheiten in der Pandemie: Zusammenhang zu Orwells „1984“?

Neben dem immensen Fortschritt der Technik und den daraus folgenden Überwachungsmöglichkeiten, ist von Orwells „1984“ nun auch oft im Kontext zum Coronavirus zu hören. Aufgrund der Warn-Apps, Apps wie „Luca“, die anonymes Einkaufen unmöglich machen, dem gewünschten Verzicht auf Bargeld und den Kontaktbeschränkungen, empfinden einige das Leben nun wie in Orwells Roman beschrieben. Der Unterschied ist jedoch, dass die Überwachung und Einschränkungen in „1984“ keinen gesundheitlichen Grund hatten und um ein vielfaches strenger waren.

Dass es im Jahre 2021/2022 aufgrund vieler Wandelungen Parallelen zu Orwells „1984“ gibt, liegt auf der Hand. Dennoch ist der Roman seit Beginn der weltweiten Pandemie nicht zur Realität geworden.

„1984“: Wurde George Orwells Vision bereits übertroffen?

Genannt wurden folglich nur einige wenige Beispiele der Parallelen zwischen der heutigen Zeit und George Orwells „1984“. Gehirnwäsche und Gedankenkontrolle wurden in Orwells Roman von einem diktatorischen Regime durchgesetzt, heutzutage verläuft diese Art von Überwachung jedoch weitaus geschickter, da sie mit unserem modernen Leben eng verknüpft ist. Bis 2050 erwarten uns außerdem noch einige verstörenden technologischen Entwicklungen.

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