Ein Ziel der Notenbanken seit einigen Jahren eindeutig: das Bargeld abschaffen. Das hat sogar einen einfachen Grund. Münzen und Scheine tun der Umwelt gar nicht gut, weil sie viel mehr CO2 ausstoßen als EC- und Kreditkarten. Außerdem seien Karten und bargeldloses Zahlen smarter und bequemer. Schon in ein paar Jahren soll deshalb ein Szenario Wirklichkeit werden: eine Welt ohne Cash. Das hat jedoch drastischere Folgen für Verbraucher als gedacht.

Banking, Paypal und Co
Banking, Paypal und Co

Bargeld abschaffen: Wie ein Kreuzzug

Der Deutschen Bundesbank zufolge sind knapp 1,2 Billionen Euro Bargeld in der Eurozone im Umlauf. Deutschland belegt davon 274 Milliarden Euro. Das Ergebnis eines kontinuierlichen Anstiegs seit 2009. Das passt so gar nicht in die Pläne des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank. Sie wollen das Bargeld abschaffen und arbeiten bereits mit Hochdruck daran.

So wurde 2016 beschlossen, den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr zu ziehen. Seit April 2019 werden die Banknoten nicht mehr gedruckt, bisher noch mit der offiziellen Begründung, damit Kriminalität, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit vorzubeugen. Damit aber nicht genug. Ein Blogbeitrag des IWF legte offen, dass es sich um eine Art Kreuzzug gegen das Bargeld handelt – der dazu führen könnte, dass niemand mehr sicher vor Minuszinsen ist, wie Focus nun berichtet.

„In einer bargeldlosen Welt gäbe es keine Untergrenze mehr für den Zins. Eine Zentralbank könnte den Leitzins von beispielsweise zwei Prozent auf minus vier Prozent senken, um einer schweren Rezession entgegenzuwirken“, schreiben die Ökonomen des IWF. „Ohne Bargeld müssten die Menschen den negativen Zinssatz zahlen, um ihr Geld von der Bank verwahren zu lassen.“

Ende des Bargelds: Abschaffung birgt große Gefahren

Minuszinsen plus kein Bargeld, das würde Deutschland besonders hart treffen. Denn die Situation ist so: Die Deutschen haben also so viel auf der hohen Kante wie noch nie. Gleichzeitig ist jedoch der Anteil der Anlagen auf dem Kapitalmarkt nicht mitgestiegen. Wird das Bargeld nun abgeschafft, bleibt als einzige Möglichkeit das Sparen – und damit kommen die Minuszinsen. Dann heißt es entweder der Auflösung der Ersparnisse auf dem Konto zuschauen oder alles direkt verprassen.

IWF-Experten planen deshalb Folgendes: Statt eines Verbots soll das Bargeld wie eine eigene Währung behandelt werden. Dann gäbe es Umtauschkurse nicht nur zwischen Euro, Dollar und Co., sondern auch zwischen „E-Geld“ und „Cash“. Das ist aber genau das Vorgehen, vor dem andere Experten warnen. Als „Repression durch die Hintertür“ bezeichnet auch Focus die Strategie der Bargeldabschaffung.

Die offensichtliche Gefahr einer Zweiklassengesellschaft mit Bargeld und E-Geld wirft diese viele Fragen auf: Werden Händler, beispielsweise auch Supermärkte, es schaffen, für jedes Produkt im Regal zwei Preise anzubieten, die dem gerecht werden? Würden sie dies schaffen, wäre schon einmal viel gewonnen. Der IWF jedenfalls glaubt dran, andere aber weniger. Rahim Taghizadegan zum Beispiel, Co-Autor des Buches „Die Nullzinsfalle“ mahnt: „Dieses Rezept aus der Mottenkiste des Absolutismus führt zu einer Spaltung der Wirtschaft in eine weiße mit offiziellen Wechselkursen und eine schwarze mit inoffiziellen Wechselkursen.“

500 Euro und dann das ganze Bargeld

Schon in den 2020ern könnte sich dann das bewahrheiten, was viele Deutschen fürchten: eine Geldautomatensuche ins Leere, weil es die Bankomaten dann nicht mehr geben wird, und eben das Ende des Bargelds. Abschaffen wollen die Notenbanken es und werden es sehr wahrscheinlich eher durchsetzen, als viele gehofft haben. Was mit dem 500-Euro-Schein begonnen hat, wird wahrscheinlich in ein paar Jahren schon alle Münzen und Scheine betreffen.

Es wird sich zeigen, wie und wann das Szenario am Ende eintritt. Dass das bargeldlose Bezahlen auf dem Vormarsch ist und das Bargeld abgeschafft wird, scheint jedoch unvermeidlich. Das sind die Zahlungsmethoden der Zukunft. Aber per Handy bezahlen? Das ist für Deutsche nicht denkbar. Währenddessen lohnt sich das Bargeldabheben an der Kasse für Supermärkte enorm. Auch dieser Vorteil dürfte in Zukunft wegfallen.

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