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Ungenierte Überwachung beim Kindle: Amazon nutzt E-Reader als fleißige Datensammelmaschinen

Jeder Klick auf dem Amazon Kindle erscheint verwerflich – denn das Unternehmen beobachtet seine E-Reader-Nutzer eingehend.
Jeder Klick auf dem Amazon Kindle erscheint verwerflich – denn das Unternehmen beobachtet seine E-Reader-Nutzer eingehend.
Foto: iStock/KathyDewar
Selbst für Leseratten gibt es kein Entkommen aus der allumfassenden Dauer-Beschattung unserer digitalisierten Welt – denn wirklich jede Aktivität auf dem Amazon Kindle wird gespeichert.

Amazon beobachtet dich mit Argusaugen: Eine bekannte Journalistin enthüllte nun auf der Plattform Twitter, dass das Unternehmen scheinbar detaillierte Informationen zum Verhalten der Nutzer seiner E-Reader auf seinen Servern speichert. Jeder einzelne Klick, den du auf dem Bildschirm deines Amazon Kindle tätigst, wird festgehalten. Das bedeutet: Keine deiner Eingaben bleibt ein Geheimnis.

Überwachung beim Amazon Kindle: Jede Aktivität wird festgehalten

Die Journalistin Adrianne Jeffries von The Markup offenbarte kürzlich via Twitter, dass sich ihr E-Reader, ein Amazon Kindle, als unerwartet fleißige Datensammelmaschine entpuppte:

Jeffries Aussage beruft sich auf Dateien, die der Tech-Gigant Amazon der Journalistin als Datenauskunft zum Download bereitstellte. Demnach finden sich in einer Datei namens "Devices.Kindle.Reading.Actions" rund 90.000 Zeilen an Informationen, die ihre gesamten Kindle-Aktivitäten festhalten. Beispielsweise ist vermerkt, in welchem Menü eine Eingabe erfolgt ist, welches Buch aktuell gelesen und welche Aktion ausgelöst wurde. Ebenfalls vermerkt wird, ob ein gespeichertes Buch von Amazon selbst stammt oder nicht.

Besonders seltsam: Jeffries Auszug zeigt Daten aus dem Januar 2018 – diese liegen somit seit zwei Jahren auf Amazons Servern, berichtet der Standard.

Berechnung der Lesezeit sollte lediglich lokal erfolgen

Generell erfasst der Amazon Kindle Aktivitäten und Klicks, um die Lesegeschwindigkeit seiner Nutzer zu errechnen und somit eine Prognose über den Zeitaufwand für ein aktuelles Buch zu erstellen. Dennoch: Eine solche Berechnung wäre auch lokal am Gerät möglich, somit verwundert eine Speicherung auf den Amazon-Servern enorm.

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Allerdings erscheint eine Datenübertragung an Amazon in einigen Fällen definitiv sinnvoll. Nutzt man etwa den E-Book-Aboservice Kindle Unlimited, so können durch die Aktivitäten-Überwachung die Erlöse einzelner Autoren korrekt errechnet werden, sodass eine gerechte Entlohnung für gelesene Seiten garantiert wird. Unklar bleibt jedoch, warum die Klickdaten von Nutzern über einen so langen Zeitraum gespeichert werden.

Dass Amazon Alexa und andere Smart Home-Geräte perfekte Spione abgeben, ist allgemein bekannt – dass Amazons E-Reader dich ebenfalls überwacht,überrascht allerdings definitv. Apropos Amazon: Geleakte Dokumente zeigten kürzlich, dass Amazons Zulieferer Foxconn Minderjährige anwirbt, um Geräte wie das Amazon Echo zu produzieren.