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Heimwegtelefon: Das steckt hinter der Hotline

Kennst du das Heimwegtelefon? So kann es dir helfen, wenn du dich auf dem Heimweg unsicher fühlst.
Kennst du das Heimwegtelefon? So kann es dir helfen, wenn du dich auf dem Heimweg unsicher fühlst.
Foto: Getty Images/urbazon
Hast du schon einmal von dem Heimwegtelefon gehört? Dahinter steckt ein starkes Konzept, das dir helfen kann, wenn du dich auf deinem Heimweg im Dunkeln unwohl fühlst. Das passiert bei einem Anruf.

"Ich bin gut zuhause angekommen", das dürften viele Menschen schon oft erleichtert in den eigenen vier Wänden ins Handy getippt und besorgten Freundinnen und Freunden gesendet haben. Zahlreiche Fälle, zuletzt der Fall einer Britin, die auf dem Heimweg zu ihrer Wohnung verschwand und schließlich tot aufgefunden wurde, zeigen, dass die nächtlichen Straßen vor allem für Frauen gefährlich sein können. Damit du dich auf deinem Nachhauseweg sicher fühlen kannst, gibt es in Deutschland eine extra eingerichtete Hotline: Das Heimwegtelefon. Doch was genau passiert, wenn du dort anrufst? Und wie wird dir im Fall der Fälle geholfen?

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Das ist das Heimtelefon

Die Straße wechseln, helle meist belebte Wege raussuchen, zur Sicherheit die Hand am Pfefferspray oder Schlüssel – vor allem Frauen haben mehrere solcher Vorgehensweisen oder treffen Sicherheitsvorkehrungen, wenn sie alleine auf dem Heimweg sind und es dunkel ist. Damit du dich in solchen Fällen sicherer fühlst, gibt es das deutschlandweite Heimwegtelefon.

"Das Heimwegtelefon ist ein Service bei dem Du nachts anrufen kannst, wenn Du Dich auf dem Heimweg unwohl fühlst. Du wirst dann von einem* einer Ehrenamtlichen am Telefon bis nach Hause begleitet", heißt es auf der offiziellen Webseite von Heimtelefon. Egal, ob du von einer Party, von einer einem privaten Treffen oder von einer Spätschicht nach Hause gehst – du kannst bei dem Heimtelefon anrufen, wenn du dich unwohl fühlst oder das Gefühl brauchst, nicht alleine zu sein.

  • 030/12074182 ist deutschlandweit die Telefonnummer
  • Sonntag – Donnerstag: 18-00 Uhr, Freitag & Samstag 18-03 Uhr

Etwa 100 Ehrenamtliche arbeiten bei Heimtelefon neben ihren eigentlichen Jobs. Eine davon ist Conny Vogt, die erste Vorsitzende des eingetragenen Vereins. Sie sprach mit dem Spiegel über ihre Arbeit als Telefonistin bei Heimtelefon und erklärt in dem Interview unter anderem, was passiert, wenn du bei der Hotline anrufst und wie sie dich schützen kann.

Heimtelefon: Das passiert bei einem Anruf

Auf die Frage, was passiert, wenn du bei Heimtelefon anrufst, antwortet Conny Vogt wie folgt: "Ich würde Sie zuerst fragen, ob Sie zum ersten Mal anrufen. Falls ja, würde ich Sie kurz über den Datenschutz aufklären. Dann möchte ich wissen: Wo sind Sie, wo wollen Sie hin? Ich rufe mir Ihren Standort auf einem Navigationssystem auf – und wir beginnen ein lockeres Gespräch. Immer, wenn Sie die Straße wechseln, geben Sie mir einen kurzen Hinweis, wo Sie als Nächstes langgehen. Ich gehe Ihre Route auf meinem Bildschirm mit und weiß immer, wo Sie gerade sind."

Am Telefon wird laut Conny Vogt versucht, von Angst oder Panik auf dem Nachhauseweg wegzulenken. So sprichst du dann beispielsweise über dein Lieblingsessen und könntest auf diese Weise entspannter wirken. Potentiell angreifende Personen sehen das und sehen auch, dass du mit jemandem im Kontakt stehst.

Das passiert im Fall der Fälle

Laut Conny Vorgt werden 99 Prozent der Anrufenden sicher nach Hause gebracht. Sollte jedoch jemand einmal ersthaft in Gefahr sein, wird er oder sie nicht alleine gelassen:

"Es kam schon vor, dass eine Frau tatsächlich verfolgt wurde und wir die Polizei rufen mussten. In einem solchen Fall bleibe ich am Telefon, rufe mit einem zweiten die Polizei, die Frau bleibt nicht allein. Ich habe Frauen auch schon zu Straßen oder Plätzen navigiert, die kameraüberwacht sind, wenn Gefahr in Verzug war. Ich rufe auch häufiger mal Krankenwagen, wenn Anrufende so betrunken wirken, dass ich das Gefühl habe, die schaffen auch mit mir am Hörer den Weg nicht mehr."

Das kannst du tun, um dich sicherer zu fühlen

In erster Linie sollte in einer Gesellschaft daran gearbeitet werden, dass sich alle Menschen sicher auf der (dunklen) Straßen fühlen. Daher ist es in erster Linie wichtig und elementar Menschen beizubringen, anderen Personen keinen Schaden zuzufügen. Daher sollte der Tipp Nummer eins heißen: Mache keiner anderen Person Angst und verletzte sie nicht.

Und selbst wenn du keine bösen Absichten hast, jemanden jedoch alleine auf der Straße siehst, kannst du beispielsweise Folgendes tun: Wechsle gegebenenfalls die Straßenseite, wenn du das Gefühl hast, jemand fühlt sich von dir bedroht oder verlangsame deinen Gang.

Was du laut Conny Vogt selbst tun kannst, um dich sicher zu fühlen:

  • Nimm eine aufrechte Haltung ein
  • Gehe auf dem Bürgersteig, nicht an der Häuserwand entlang
  • Spricht dich jemand blöd an, mache sofort klar, dass es hier nicht weitergeht. "Es kann, so simpel das klingt, helfen, die Hand auszustrecken, und zu sagen: 'Sofort aufhören.'"
  • Knicke stimmlich nicht ein, sondern habe Mut wirklich sehr laut um Hilfe zu schreien
  • Mache gegebenenfalls einen Selbstverteidigungskurs und frische die Bewegungsabläufe immer wieder auf

Fazit: Fühlst du dich unwohl, musst du nicht alleine sein

Conny Vogt schätzt aufgrund der Stimme, dass etwa 70 Prozent der Anrufenden weiblich und 30 Prozent männlich sind. Egal, ob du beispielsweise eine Frau oder ein Mann bist – zögere nicht, dich bei dem Heimwegtelefon melden, wenn du dich aus unterschiedlichen Gründen unsicher fühlst.

Brauchst du einmal Hilfe, beispielsweise bei einem Sturz oder Autounfall, können dir diese Notfall-Apps im Fall der Fälle helfen. Behalte außerdem im Hinterkopf, dass du etwa Obdachlosen mit der kostenlosen App der Kältehilfe helfen kannst, wenn die Temperaturen eisig sind.

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