Der selbst ernannte Lord Miles Routledge sucht offensichtlich Aufmerksamkeit im Leben. Nach einer Tschernobyl-Reise vor zwei Jahren flog er am vergangenen Freitag (13. August 2021) nach Kabul, Afghanistan. Da er auf dem Image Board 4chan, Facebook und gegenüber der Presse freizügig von seiner Reise berichtet, kann sie nun jede:r mitverfolgen. Doch aus seinen scherzhaften Posts könnte schnell tödlicher Ernst werden.

Aus Spaß von 4chan nach Afghanistan

In Zeiten von Image Boards, Memes und günstigen Fliegern scheint alles möglich zu sein. Routledge buchte laut Heavy im Mai verschiedene Flieger von London über Moskau, Istanbul und Neu-Delhi zu seinem Ziel Kabul. Er musste nicht in den Flieger einsteigen, nachdem vor wenigen Wochen die Taliban begannen, Afghanistan zu übernehmen – doch der 21-Jährige tat genau das.

Das vergangene Wochenende verbrachte er deswegen zeitweise in einem „Safe House“ der Vereinten Nationen, wie er auf dem Board „travel“ von 4chan berichtete. Auf dem Image Board haben Einträge eine Lebenszeit von manchmal nur ein paar Stunden bis hin zu mehreren Wochen. Die nun gelöschten Posts von Routledge zeigen, wie er langsam verzweifelte und nicht einmal mehr an Wasser kam.

Zuvor scherzte der junge Erwachsene: Er hätte mit einer ausgiebigen „Poo Session“ rund eine Stunde seiner Zeit verloren, die er noch zu Leben habe. Gegenüber London Times sagte er, dass er Bänker sei und das Risiko liebe. Auf die Idee für seine Reise, sei er durch Werbevideos auf YouTube gekommen.

Geisel sein oder tot?

Doch welche Auswirkungen kann diese Reise letztendlich haben? Der junge Brite erhoffte sich aufgrund seines – nach Eigenaussage erschlichenen – Adelstitels, dass er bei einem Treffen auf die Taliban als Geisel genommen und nicht etwa getötet wird. Somit wäre ein Freikaufen durch die britischen Behörden und damit eine weitere Finanzierung der islamistischen Terroristen möglich. Die Taliban möchten ein Emirat errichten, in dem ein Emir über alles entscheidet.

Miles Routledge stammt aus Birmingham in England, bertreibt eine Meme-Seite auf Facebook und fängt nach eigenen Angaben bald ein Studium an der Harvard Business School an. Die derzeitige Situation von ihm bleibt unklar: Man hörte schon mehrere Stunden nicht mehr von ihm. Sollte er vom Militär befreit werden müssen, könnte das nicht nur sein Leben aufs Spiel setzen.

Der Hintergrund

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und vorangegangenen Terrorcamps in Afghanistan besetzten die USA zuerst das Land, später entstand eine Regierung, die von westlichen Alliierten gestützt wurde. Vor zwei Tagen floh der bisherige Präsident Aschraf Ghani aus der Hauptstadt Kabul, die wie der Rest des Landes von den Taliban übernommen wurde. Menschen, die sich nicht den Taliban anschließen, und insbesondere Frauen versuchen derzeit zu fliehen. Vertreter:innen der Zivilbevölkerung rufen zu Hilfsprogrammen auf.

Quelle: Heavy, eigene Recherche

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