Wenn es nach dem BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber ginge, sollten die deutschen Autobauer – allen voran VW, Daimler und der bayrische Autohersteller – zusammenarbeiten, anstatt gegeneinander. Weber fordert im Zuge der derzeit stattfindenden internationalen Automobil Ausstellung (IAA) ein einheitliches Betriebssystem in den Fahrzeugen und warnt vor weitreichenden Problemen.

Verschiedene Betriebssysteme eine Gefahr für den Standort Deutschland?

Zumindest beäugt BMW-Entwicklungsvorstand Weber die derzeitigen Entwicklungen in der Automobilbranche kritisch. Damit reagiert BMW auf die wachsenden Bemühungen der deutschen Autobauer jeweils ihre eigenen Betriebssysteme zu entwickeln, um etwa mit Tesla konkurrenzfähig zu bleiben.

Das die deutschen Autobauer für ihre Karossen Betriebssysteme entwickeln, hat aber noch einen anderen Grund: bisher werden viele Elemente eines Autos mit verschiedenen Steuermodulen belegt: So lässt sich etwa ein Fensterheber durch eine andere Software steuern als zum Beispiel die Scheinwerfer.

Wie golem.de schreibt, können so in einem einzigen Fahrzeug bis zu 70 verschiedene Softwares allein für alle Steuerung installiert sein. Über ein Betriebssystem ließen sich viele dieser Funktion bündeln und besser steuern. Dass Weber das Thema pünktlich zum Start der IAA auf den Tisch bringt, ist also kein Zufall.

Zulieferer könnten in Not geraten

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, seien aber die verschiedenen, geplanten Betriebssysteme wie MBOS (Daimler) oder VW.OS (Volkswagen) für den BMW-Entwicklungsvorstand Weber eine „Sackgasse“ und würden die „Lieferantennetzwerke in Deutschland, Europa und darüber hinaus“ behindern.

Das Problem für Weber: Sollten die Autobauer jeweils eigene Betriebssysteme auf den Markt bringen, könnte das für Zulieferer ernsthafte Konsequenzen mit sich bringen. Für jedes Betriebssystem müssten Zulieferer wie zum Beispiel Bosch sämtliche Steuermodule neu programmieren.

Der Aufwand hierfür wäre enorm, weil standardisierte Abläufe unmöglich umgesetzt werden könnten, so Weber. Gerade deshalb wünscht sich der BMW-Entwicklungsvorstand eine Zusammenarbeit der deutschen Autobauer, um ein solches Szenario zu verhindern. Wie glaubhaft Webers Befürchtungen jedoch sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt schwer eingeschätzt werden.

Nur wenig Schnittmengen

Auch wenn es noch nicht für ein gemeinsames Betriebssystem reicht, arbeiten BMW, Volkswagen und Daimler in Teilbereichen zusammen, so etwa bei der Bereitstellung des gemeinsamen Kartendienstes „Here“. Außerdem haben BMW und Daimler die Carsharing-Angebote Drive Now (BMW) und Car2go (Daimler) zu dem gemeinsamen Angebot Share Now zusammengelegt.

Konkurrenzdruck steigt

Bei der Entwicklung von Betriebssystemen für Fahrzeuge wächst der Druck auf BMW, VW, Daimler und andere Hersteller. So arbeitet neben Tesla auch Google an einem Betriebssystem für smartes Fahren. Und nicht nur hier steht die deutsche Autoindustrie vor großen Herausforderungen. Auch beim Thema E-Mobilität müssen die deutschen Autobauer nachbessern.

Auf der diesjährigen IAA will zumindest Volkswagen den bisherigen Fortschritt seiner Software Cariad vorstellen. Und auch Mercedes Benz treibt die Entwicklung seines eigenen Betriebssystems weiter voran und lehnt eine Zusammenarbeit mit BMW ab. Ob die Konkurrenz auf diesem Feld einen Innovationsschub auslöst, oder eher hinderlich ist, werden die kommenden Jahre zeigen.

Quellen: golem.de, Süddeutsche Zeitung, eigene Recherche

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