Meinung 

Je diverser, desto digitaler

Tijen Onaran setzt sich für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche ein.
Tijen Onaran setzt sich für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche ein.
Foto: Anna Schwarz
Warum Digitalisierung und Diversität zusammengehören

Meine Reise durch die USA, bei der ich mit 47 Frauen aus 47 Ländern unterwegs war, war auch eine Erfahrung der Diversität. Wir alle wurden auf die ein oder andere Art unterschiedlich sozialisiert, sind durch unterschiedliche Kulturen geprägt oder haben einen anderen religiösen Background. Und obwohl wir ein ziemlich bunter Haufen waren, fanden wir immer einen gemeinsamen Nenner beziehungsweise einen „common ground“.

Was uns einte, war sicher unser Entrepreneurship-Gen. Je länger ich aber über die Frage nachdachte, warum das so war, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, dass unsere große Gemeinsamkeit andererseits unsere starke Verankerung im Digitalen war.

Digitalisierung und Diversität brauchen: Mut und Offenheit

Dass Digitalisierung und Diversität zusammenhängen, deckt sich auch mit meinen Erfahrungen, die ich mache, wenn ich in Unternehmen gehe. Je diverser ein Team zusammengesetzt ist – sei es hinsichtlich der Generationen, der Geschlechter oder der kulturellen Backgrounds – desto offener ist dieses Team für die Digitalisierung. Oft bewahrheitet es sich auch, dass Menschen Gewohnheitstiere sind und insofern nicht per se offen für neue Entwicklungen und Veränderungen.

Teams aber, die einen hohen Grad an Diversität aufweisen, sind es eher gewohnt, sich mit anderen Mentalitäten und Meinungen auseinanderzusetzen. Je diverser ein Team ist, desto unterschiedlicher sind die Ansichten jedes Einzelnen beispielsweise bezüglich eines neuen Projekts oder einer neuen Entwicklung. Gleichzeitig wissen alle im Team, dass sie sich am Ende des Tages zusammenraufen müssen, um Ergebnisse zu erzielen.

Genau diese Fähigkeit, offen zu sein, ist auch eine Voraussetzung dafür, dass der digitale Wandel in Unternehmen zum Erfolg wird. Digitalisierung braucht ebenso wie Diversität Mut und Offenheit.

Der Unterschied macht den Unterschied

Zum Phänomen der Diversität und dessen Auswirkung auf Unternehmen beziehungsweise Netzwerke forscht auch die Wissenschaft schon seit längerem. Der Psychologe und Neurophysiologe Prof. Dr. Peter Kruse beschäftigte sich beispielsweise intensiv mit „intelligenten Netzwerken“. Er kam zu dem Schluss, dass „harmonische Systeme (wie Teams oder Netzwerke) dumme Systeme“ sind.

  • Tijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin, Speakerin und Kolumnistin. Mit startup affairs berät sie Unternehmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche. Vor ihrer Selbstständigkeit war Tijen Onaran für Europa-, und Bundestagsabgeordnete, für das Bundespräsidialamt sowie für Verbände und eine Hochschule in leitenden Funktionen tätig. Wer sich mit ihr trifft, muss erst an Paul, Cocker Spaniel adeliger Herkunft, und Leo, Labrador-Mix exotischer Herkunft, vorbei.

Die Lösung sah er darin, Unterschiedlichkeit zu schaffen, um damit die Spannung in den Systemen zu erhöhen. Wir leben in einer komplexen, vernetzten Welt – wer innovative Lösungen für die damit verknüpften Herausforderungen sucht, sollte sich also nicht auf homogene Teams verlassen.

Diversität in Teams hat demnach zur Folge, dass es ein härteres Ringen um Konsens gibt, was aber zu besseren Ergebnissen führt. Menschen mit unterschiedlichem Background bringen neue Informationen in Teams ein, was zur Kreativität anregt und innovative Lösungen hervorbringt.

Innovation lebt von Aktion

Konzerne, der Mittelstand und Organisationen sind mehr denn je gefragt, alte Denkmuster zu durchbrechen. Bislang war es immer so, dass die ältere Generation ihr Wissen der jüngeren Generation weitergegeben hat. Heute kann das genau andersherum sein: Die jüngere Generation bringt neues Wissen und neue Skills mit in Unternehmen, gerade, weil für die Digital Natives alles Digitale eine Selbstverständlichkeit ist.

Mentoring funktioniert heute also in zwei Richtungen. Das kann aber nur funktionieren, wenn wir auch Vorbilder an der Spitze von Unternehmen haben, die ihren Mitarbeitern Offenheit vorleben. Offenheit gegenüber der Digitalisierung, Offenheit gegenüber der Diversität, Offenheit für das Neue und den, die oder das Andere.

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