Geht es nach den Vorstellungen des Forscherteams Mediated Matter vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), dann werden die Baustellen der Zukunft radikal anders aussehen, als wir es heute gewohnt sind. Kein emsiges Treiben aus Bauarbeitern, die arbeitsteilig über Wochen und Monate hinweg an einem Gebäude arbeiten, sondern ein einzelnes selbständiges Robotersystem wird dann sämtliche Aufgaben am Bau übernehmen. Das würde zu weniger Unfällen führen und wäre, nach Berechnungen des Teams, zudem auch noch billiger.

Das klingt zunächst nach Science Fiction, aber womöglich ist die Zukunft näher als wir denken. In einer Studie, die am 26. April in der wissenschaftlichen Zeitschrift Science Robotics erschienen ist, und einem ergänzenden Demonstrationsvideo, stellen Stephen Keating, Julian Leland, Levi Cai und Neri Oxman die „Digital Construction Platform“ (DCP) vor. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus 3D-Drucker und mobilem Bauroboter.

Alles aus einer (Roboter-)Hand

Der Roboter verfügt über einen frei beweglichen, kranähnlichen Arm, an dessen Spitze ein kleinerer Arm angebracht ist. Dieser kleinere Arm ist mit einem 3D-Druckaufsatz ausgerüstet. Die DCP übernimmt also zugleich die Aufgabe eines 3D-Druckers Bauteile herzustellen, und die eines Bauroboters diese Bauteile zusammenzusetzen. Im Unterschied zu vergleichbaren Projekten, setzt das Forscherteam hier nicht auf eine modulare Bauweise, sondern möchte möglichst viele Arbeits- und Bauschritte in einem System vereinen.

Im Beispielvideo ist zu sehen, wie der Prototyp des DCP in 14 Stunden eine Struktur aus einem Beton-Kunststoffgemisch von rund 15 Meter Durchmesser und etwa 3,6 Meter Höhe errichtet – Materialien, wie sich nach Angabe des Forscherteams auch im konventionellen Bauwesen verwendet werden. Weitere Funktionen sollen den DCP zukünftig noch selbstständiger agieren lassen. Mit einer Baggerschaufel könnte etwa die Baufläche geebnet, oder lokale Materialien wie Erde oder Sand zum Bau herangezogen werden.

Große Pläne

Ein schmuckes Designerhaus lässt sich daraus wohl nicht bauen, aber das ist mittelfristig auch nicht das Ziel. Vielmehr will man das System zum Beispiel im Katastrophenschutz einsetzen, um in Ausnahmesituationen unter unwirtlichen Bedingungen schnell für Notunterkünfte zu sorgen. Für die fernere Zukunft schließen die Ingenieurswissenschaftler auch einen Einsatz auf fremden Planet nicht aus.

Neben den unzähligen praktischen Anwendungsmöglichkeiten steckt hinter dem Projekt aber auch eine philosophische Komponente: Wie stellen wir uns die Gebäude der Zukunft vor und welche Zwecke sollen sie erfüllen? „Schneller, besser und billiger zu Bauen ist die eine Sache“, sagt Neri Oxman, aber dahinter stehe auch ein Wechsel im Denken über Gebäude, „weg vom Haus als Wohnmaschine aus standardisierten Teilen, hin zum Haus als gewachsenem Organismus.“

Welche Veränderungen eine solche Sichtweise, so esoterisch sie auch klingen mag, auf Baumethoden, Architektur oder Design hätte, ist gegenwärtig nicht absehbar.

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