Weiße Kittel, Mikroskope, Laptops – das Labor-Klischee präsentiert sich auch im südchinesischen Shenzhen. Ein beharrliches Surren, Rumpeln, Poltern durchbricht die unter den Mitarbeitern herrschende, konzentrierte Stille. Es riecht nach Chemie bei Huawei. Hier, in einem der Testing-Labors, dem Device Lab im südchinesischen Shenzhen, werden die Smartphones des Konzerns zerschmettert. Naja, nur, wenn sie den Tests nicht standhalten.

In Shenzhen allein gibt es über 2.000 Start-ups, die ausschließlich Smartphones herstellen. „Man kommt leicht an alle Komponenten, die nötig sind, um ein Smartphone zu produzieren“, sagte Joe Kelly, Vice President for International Corporate Communications bei Huawei während eines Treffens in der südchinesischen Mega-City (futurezone war dabei) „Aber man muss groß sein, um damit wirklich Geld zu verdienen. Mit „ groß“ meint er ein bestimmtes Kapital, das die Produktion in Serie überhaupt möglich macht.

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Die ist beim Technologiekonzern Huawei ausreichend vorhanden. 75,1 Milliarden US-Dollar konnte er 2016 erwirtschaften, ein Plus von 32 Prozent zum Vorjahr. 14,6 Prozent von diesen Erlösen gehen direkt in den Bereich Forschung und Entwicklung, also auch in die Entwicklung von Smartphones. Über 80 Modelle umfasst die Handy-Produktpalette von Huawei mittlerweile, rechnet man die Geräte des Tochterunternehmens Honor mit ein.

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Die ist beim Technologiekonzern Huawei ausreichend vorhanden. 75,1 Milliarden US-Dollar konnte er 2016 erwirtschaften, ein Plus von 32 Prozent zum Vorjahr. 14,6 Prozent von diesen Erlösen gehen direkt in den Bereich Forschung und Entwicklung, also auch in die Entwicklung von Smartphones. Über 80 Modelle umfasst die Handy-Produktpalette von Huawei mittlerweile, rechnet man die Geräte des Tochterunternehmens Honor mit ein.

Dabei setzt der Konzern vor allem auf Usability, ein, insbesondere was die Displays angeht, flaches, hochwertiges Design sowie die technische Ausstattung. Seit einiger Zeit arbeitet man mit Leica zusammen, um den Usern Kameras auf Rück- und Frontseite mit je 12 und 8 Megapixeln, Dual LED-Blitz und eben Leica-Linsen bieten zu können.

Wie im Backofen – nur sollen die Huawei-Smartphones nicht aufgehen

Fünf Huawei P10 liegen im Device Lab in einer Art Backofen, zum Zwecke eines Umweltbelastungstests. Auf Englisch: Extreme Environment Test. Die Geräte werden dabei verschiedenen Temperaturen ausgesetzt, um potenzielle Fehler im Produktionsprozess, die die spätere Nutzung durch den User beeinträchtigen könnten, auszumerzen beziehungsweise diesen vorzubeugen. Das können zum Beispiel Brüche in der Hardware sein. Es ist wie dem selbstgebackenen Kuchen beim Aufgehen zuzusehen, nur, dass das im Falle der Smartphones natürlich nicht passieren soll. Fotos und Videos sind im Labor nicht erlaubt. Ihre Betriebsgeheimnisse wollen sich auch die Chinesen bewahren. (Im Video erfahrt ihr außerdem noch Wissenswertes über ein Huawei-Forschungslabor in Shanghai).

Mit Smartphones dominiert Huawei den heimischen Markt – mit immerhin 1,3 Milliarden Menschen. Allerdings ist die Produktion auch vor dem Hintergrund des enormen Kapitalzuwachses des Unternehmens teuer. Platinen (futurezone wird noch berichten, wie diese hergestellt werden), Prozessoren, Displays und viele weitere Komponenten werden benötigt. Einer Schätzung des Online-Portals Statista zufolge ist das Galaxy S8 mit 307,5 US-Dollar pro Stück das aktuell am teuersten produzierte Smartphone weltweit.

Im Vergleich dazu liegt das Huawei P9 (hier geht’s zum futurezone-Test) auf dem vorletzten Platz der verglichenen Top-Hersteller: 205,3 US-Dollar kostet die Produktion eines Smartphones der Flaggschiff-Reihe. Nach eigenen Angaben konnte das Unternehmen mit dem P9 und dem P9 Plus im Dezember 2016 erstmals die Zehn-Millionen-Stück-Marke knacken. Mit dieser Zahl lägen die Produktionskosten für beide Modelle bei insgesamt rund 2,05 Milliarden US-Dollar. Mit der P-Serie schaffte Huawei dann auch in Deutschland endgültig den Durchbruch.

Huawei macht selbst keine Angaben zu den wirklichen Produktionskosten. Auf Nachfrage hat der Konzern aber im ersten Quartal 2017 mit 34,55 Millionen ausgelieferten Smartphones insgesamt „seine Position in den Top Drei der weltweiten Smartphone-Hersteller gefestigt“. Zum großen Wachstum im High-End-Smartphone-Bereich hätten vor allem die Huawei P9 Serie und das Huawei Mate 9 beigetragen.

An einer zweiten Station im Smartphone-Labor in Shenzhen erwartet die Geräte der Tumbling Barrel Test (Falltrommel-Test), bei dem jedes der smarten Mobiltelefone hundert Mal fallen gelassen wird. Und auch den Precision Drop Test (Präzisions-Fall-Test) müssen die Geräte bestehen, der die häufigsten „Fall-Szenarios“ der späteren Nutzer simuliert. „Dadurch prüfen wir sowohl die Härte als auch das Design der Geräte“, sagt eine Mitarbeiterin, die durch das Rumpeln und Poltern schwer zu verstehen ist. „Im Ernstfall müssen wir dann nachbessern.“

Ohne Huawei-Strahlenbelastungs-Tests keine Serienproduktion

Dann ist da noch die Strahlenbelastung. Im Radiation Safety Testing (Strahlungssicherheits-Test) werden Technologien der Schweizer Firma Stäubli verwendet, die unter anderem Textilmaschinen und Roboter für die Industrie 4.0 herstellt. Die Greifarme der Roboter prüfen, ob die Strahlen, die die Geräte abgeben, auch für den Nutzer und seine Umwelt erträglich sind.

Nur im Rahmen der internationalen Sicherheitsstandards zur Strahlenbelastung sind die Produkte schließlich im Markt zulässig. „Nachfolger einer bereits bestehenden Produktionslinie wie der P-Reihe durchlaufen den Prozess vom Entwurf bis zur Serienproduktion innerhalb von sechs Monaten“, sagt die Mitarbeiterin. Geräte neuer Produktlinien bräuchten entsprechend länger.

Gleichzeitig muss eine Nachfrage bedient werden, die aktuell einen weiteren Höhepunkt erreicht hat: Einer Pressemitteilung des Marktforschungsunternehmens GfK zufolge wurden im zweiten Quartal 2017 so viele Smartphones wie noch nie zuvor verkauft, nämlich 347 Millionen Stück weltweit, das ist ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum selben Quartal im Vorjahr. Und ganz besonders an den Absatzzahlen beteiligt ist China, der größte Binnenmarkt Asiens, mit 110,1 Millionen verkaufter Einheiten. Zum Vergleich: Auf dem zweiten Platz liegt der Rest des aufstrebenden, asiatischen Marktes mit „nur“ 56,7 Millionen verkauften Smartphones.

Dennoch sind die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken nach wie vor ein umstrittenes Thema. Vor allem Foxconn, der auch Apple beliefert, geriet wegen teils schlechter Arbeitsbedingungen häufig in die Kritik. Laut Huawei sind die Zulieferer zu fairen Produktionsbedingungen verpflichtet. Wie es wirklich hinter den Kulissen aussieht, werden aber auch Besucher wie wir, die die Möglichkeit bekommen, Labore und Fabriken zu besuchen, nicht erfahren.

Im Device Lab erzählen die Mitarbeiter, sie hätten einen ganz normalen Acht-Stunden-Tag zuzüglich einer Stunde Pause. In der SongShan Lake Factory in Shenzhen ist es ebenso. futurezone hat die Fabrik besucht und wird in der nächsten Woche darüber berichten.

Anm. d. Red.: Einen Bericht über die SongShan Lake Factory und Einblicke in bei Huawei entwickelte 5G-Technologien könnt ihr in den nächsten Tagen auf futurezone.de lesen.

Disclaimer: Der Besuch der Produktionsstätten, Testing-Labors und Forschungszentren erfolgte auf Einladung von Huawei.

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