Bis zu einem Drittel längere Spieldauer, einen höheren Frequenzumfang und niedrigere Produktionskosten. Das verspricht das HD-Vinyl-Verfahren, das vom österreichischen Digitalvertrieb Rebeat gemeinsam mit dem Forschungszentrum Joanneum Research in Graz entwickelt und zum Patent angemeldet wurde.

Die Zeichen für ein Update der Schallplatte stehen günstig. Der Vinyl-Markt boomt seit Jahren, weltweit dürfte heuer der Umsatz mit Schallplatten die Milliarden-Dollar-Grenze durchbrechen. Dennoch hat es Rebeat schwer Investoren zu finden, die die Weiterentwicklung der Methode bis zur Marktreife finanzieren.

Zwei Jahre werde die Entwicklung noch in Anspruch nehmen, sagt Loibl. Einen Teil habe man inzwischen selbst finanziert. 3,5 Millionen Euro sind laut dem Unternehmer aber mindestens noch notwendig.

Laser statt Schneidstichel

Wie aber funktioniert HD Vinyl genau? Anstatt Toninformationen mechanisch mit einem Schneidstichel in die Matrize zu kratzen, kommt bei HD Vinyl Lasertechnik zum Einsatz. Dadurch fallen zahlreiche Arbeitsschritte weg. Durch die digitale Verarbeitung können auch bis zu 30 Prozent mehr Informationen auf in der Plattenrille untergebracht werden. Auch ein größerer Frequenzbereich kann abgedeckt werden, weil mit der Lasermethode das gesamte Frequenzspektrum der Tonaufnahme auf der Matrize abgebildet werden kann. Abgespielt werden können die HD-Vinyl-Scheiben auf herkömmlichen Plattenspielern, sagt Loibl: „Uneingeschränkt.“

Schwierige Investorensuche

Nach ersten Pressemeldungen über HD Vinyl – auch futurezone berichtete – sei er mit Anfragen von Interessierten überflutet worden, erzählt der Unternehmer: „Labels, Journalisten, Musikliebhaber und auch Investoren haben mich kontaktiert.“ Mit einem großen dänischen Hersteller von Audio-Zubehör, der für die Entwicklungskosten von fünf Millionen Euro aufkommen wollte, war sich Loidl bereits weitgehend einig. Dann zerschlugen sich die Verhandlungen, weil das dänische Unternehmen, das sich zuvor mit einem Minderheitsanteil an Loidls Firma zufriedengab, plötzlich einen Mehrheitsanteil haben wollte.

„Wir haben die Methode seither ein Jahr aus eigener Kraft weiterentwickelt und wissen jetzt, dass sie funktioniert.“ Nun müssten aber teure Geräte angeschafft werden, alleine der Laser koste eine Million Euro, rechnet Loidl vor. „Das können wir nicht mehr stemmen.“

Formatkrieg droht

Schwierig sei die Suche nach Geldgebern auch deshalb, weil für ihn nur Investoren in Frage kommen, die nicht aus der Musikbranche stammen, erzählt Loibl. Labels würden wahrscheinlich sofort einsteigen. Dann hätte er aber einen Formatkrieg am Hals: „Wenn Warner HD Vinyl macht, werden es Sony oder Universal nicht verwenden, weil sie ihren Mitbewerber nicht stärker machen wollen.“

Bei Presswerken gebe es dasselbe Problem, weil für viele Lizenzzahlungen an Konkurrenten nicht vorstellbar seien. „Ich muss außerhalb der Musikbranche Geldgeber finden“, sagt Loibl: „Das macht die Sache nicht leichter.“

Keine Möglichkeit für Crowdfunding

Der Unternehmer aus dem niederösterreichischen Tulln suchte für HD Vinyl auch um Förderungen an. Weil aber die Restfinanzierung des Projekts nicht sichergestellt ist, sei auch daraus nichts geworden. Für Crowdfunding eigne sich HD Vinyl kaum: „Wir haben ein Produkt, dass sich an Großkunden richtet. Ich tue mir schwer für Unterstützer ein lukratives Szenario aufzustellen.“

Der Bedarf nach einem effizienteren Herstellungsverfahren für Schallplatten ist durchaus gegeben. Viele Presswerke seien ausgelastet und könnten Aufträgen nicht nachkommen, meint Loibl. Mit HD Vinyl könnten sie ihre Kapazitäten ausbauen. Bis das Verfahren marktreif sei, werde es allerdings noch dauern. Man habe noch ein Jahr Forschung und Entwicklung vor sich. Ein weiteres Jahr brauche man, um das Verfahren zu optimieren, schätzt Loibl. „Bis dahin werden wir kein Geld verdienen.“

Externe Analyse

Vor kurzem habe ihm ein Student der Universität der Bundeswehr in München eine Potenzialanalyse zur Matrizenherstellung mit HD Vinyl Lasertechnik geschickt, erzählt der Musikunternehmer. Er kenne den Mann nicht, versichert Loibl, der Studierende komme aber zu einem ähnlichen Ergebnis, wie die Berechnungen seines Unternehmens. In dem Papier heißt es: „Mit dem Technologiewechsel halbieren sich nach guter Schätzung die Kosten für den Matrizenrohling, während die Kosten für Acetat/Kupferbeschichtung komplett entfallen. Flankierend verringern sich die Kosten für Galvanik und Personal.“ Und: Selbst unter der Prämisse eines gleichbleibenden Abgabepreises erhöhe sich der Gewinn um rund 30 Prozent.

Auch Loidl zweifelt nicht am Erfolg seines Verfahrens: „Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb von fünf Jahren nach Markteintritt 80 Prozent Marktanteil haben.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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