Die IFA ist für Fachpublikum gestartet, und so finden die ersten Presseveranstaltungen inmitten der letzten Bauarbeiten auf dem Gelände und in den Hallen statt. futurezone hat sich zu Beginn dem Thema Smart Home angenommen und die Konferenz von Miele besucht.

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Miele macht das Unmögliche möglich

„Origin of the Extraordinary“ lautet das Motto des Herstellers auf der diesjährigen IFA. Als großes Highlight wurde ein Gerät angekündigt, dessen Identität man vor der Presse bislang geheim gehalten hat: ein „revolutionäres Kochgerät, mit dem Dinge möglich sind, die bisher undenkbar waren“.

Der Miele Dialoggarer. Bei dem neuen Gerät handelt es sich um eine Art Backofen, der entgegen herkömmlichen Apparaten mit Frequenzen arbeitet. Die neue „M Chef“-Technologie, die ursprünglich aus der Medizintechnik stammt, soll intelligent auf die Beschaffenheit von Lebensmitteln eingehen und eine sehr hohe Eindringungstiefe haben. Ein Beispiel dafür bietet das integrierte M Chef-Menü: Es soll möglich sein, Lebensmittel mit verschiedenen Garzeiten auf einem Blech gleichzeitig auf den Punkt zuzubereiten.

Frequenz statt Hitze

Im Garer befinden sich dazu zwei Antennen, die elektromagnetische Wellen mit wechselnden Frequenzen aussenden, aber auch empfangen und mit der Nahrung in einen „Dialog“ treten. So kann beispielsweise erkannt werden, wie viel Energie ein Lebensmittel während des Garprozesses bereits aufgenommen hat. Da Lebensmittel ihre Energieaufnahme im Verlauf der Garung ändern, soll die Frequenz automatisch alle zehn Sekunden angepasst werden, um ein optimales Ergebnis zu garantieren.

Ein lustiger Fakt nebenbei: Da der Dialoggarer laut Miele den gleichen Frequenzbereich wie Mobilfunk um 915 MHz nutzt, wurde die Tür des Gerätes besonders massiv konzipiert, damit Störungen des Garvorgangs unterbunden werden.

Heißer Fisch auf kaltem Eis

Das vermeintlich Unmögliche, das durch den Miele Dialoggarer jetzt möglich sei, wurde während der Produktpräsentation noch eindrucksvoll demonstriert. Zu diesem Zweck platzierte man zunächst ein rohes Fischfilet in einem Eisblock und deckte diesen mit einer weiteren Schicht Eis zu. Das Ganze kam anschließend für die Dauer des weiteren Gespräches in die Röhre mit einem erstaunlichen Ergebnis: der Fisch war durchgegart, dampfte und wies eine vor Publikum gemessene Temperatur von 56° Celsius auf. Das Eis war dagegen weiterhin -8 Grad kalt. Chapeau.

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Tatsächlich soll der Dialoggarer 70% der Zeit einer herkömmlichen Zubereitung im Ofen einsparen. Als Beispiel wurde angeführt, dass man damit in nur zwei Stunden Pulled Pork zubereiten könne; ein Gericht, das normalerweise bis zu acht Stunden beansprucht.

Pay per Wash mit Blue Horizon

Im Vergleich zu dieser Technologie ging es im Vorfeld der Präsentation natürlich deutlich „banaler“ zu. So soll im Oktober das Pilotprojekt „Blue Horizon“ starten, eine Art „Pay per Wash“- Konzept, bei dem die Maschine vom Hersteller nur geliehen wird. Das Komplettpaket beinhaltet vollen Service und Waschmittel und soll in drei Tarifen angeboten werden, die abhängig vom eigenen Waschverhalten gewählt werden können:

  • Tarif 1: pro Wäsche bezahlt der User 4,99 Euro
  • Tarif 2: der User bezahlt einen monatlichen Grundbetrag, der den Preis pro Wäscheladung auf 2,99 Euro drosselt
  • Tarif 3: für 49,99 Euro im Monat kann der User bis zu 250 Mal waschen

Smarter Staubsaugerroboter Scout RX2

Zusätzliche Unterstützung in Sachen Sauberkeit soll der neue Staubsaugerroboter Scout RX2 von Miele bieten, der am heutigen Tag seine Messepremiere hatte. Im Vergleich zum Vorgängermodell nimmt er nach Aussage des Herstellers dreimal mehr Staub von Teppichen auf. Er kann Bodenbeläge außerdem erkennen und daraufhin seine Leistung ausrichten.

Kameras und Sensoren für die Navigation

Mithilfe zweier Frontkameras kann der Roboter ein Stereobild erzeugen und Räume und Objekte dreidimensional erfassen. Sieben Infrarotsensoren beugen Kollisionen vor, während der eingebaute Gyrosensor eine zuverlässige Navigation auch bei Dunkelheit unterstützt. Die bei der Fahrt gespeicherte Karte kann der Scout RX2 beim nächsten Einsatz abrufen, um seine Position im Raum noch genauer zu bestimmen.

Live-Videoübertragung und Fernsteuerung

Per kostenloser App lässt sich das Gerät von überall aus starten und sein Fortschritt überwachen. Bei Bedarf ist auch eine manuelle Steuerung per App möglich. Zusätzlich ermöglichen die Kameras eine Live-Übertragung auf das Smartphone oder Tablet. Entsprechende Daten sollen dabei bei der Übertragung verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt werden.

Fazit

Die Präsentation des neuen Flaggschiffs, dem Dialoggarer, war ohne Zweifel eindrucksvoll. Bei Miele hat man zugegeben, dass die Technologie nicht vom Unternehmen selbst entwickelt wurde und Neuland darstellt. Dafür sei sie gegenwärtig aber noch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Der Marktstart in Deutschland und Österreich ist für April 2018 geplant, der Preis liegt bei 7.990 Euro (UVP).

Die weiteren vorgestellten Produkte waren ebenso interessant, reichten aber natürlich nicht an die Innovation des Dialoggarers heran. Die zunehmende Verknüpfung von Haushaltsgeräten mit Apps, Kameras etc. dürfte dafür bei einigen Besuchern der IFA Bedenken auslösen oder vertiefen, die sich rund um Datensicherheit und Privatsphäre drehen. Dazu stellt sich natürlich auch die Frage „Brauche ich das eigentlich?“, die sich am Ende aber jeder selbst beantworten muss.

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