Am Mittwochabend hat Google seine neuen Smartphones Pixel 2 und Pixel 2 XL vorgestellt. Mit dem ersten Pixel-Gerät aus dem Jahr 2016 änderte der Konzern seine komplette Mobile-Strategie: Die Bezeichnung “Nexus” wurde gestrichen, die Hardware hochpreisiger. Anstelle erschwinglicher Mittelklasse-Smartphone verkauft Google jetzt Flagship-Phones mit Premium-Ausstattung.

Bereits seit 2005 entwickelt der Suchmaschinenkonzern eigene Smartphones. Die interessantesten wollen wir an dieser Stelle vorstellen – vom gescheiterten iPhone-Konkurrenten bis zum letzten Nexus-Phone.

Sooner: Das Android-Debüt, das nicht sein sollte

2006 begann Google, gemeinsam mit HTC, die Entwicklung seines ersten eigenen Smartphones namens Sooner. Ein Jahr zuvor kaufte das Suchmaschinen-Unternehmen die damals noch unbekannte Firma Android und nutzte das Digitalkamera-OS des Start-ups als Software-Grundlage.

Typisch für damalige Smartphones, löste der Bildschirm mit 320 x 240 Pixeln auf und wurde durch eine physische Tastatur mit Funktionstasten ergänzt. Das noch junge Android sollte dank 64-Megabyte-Arbeitsspeicher störungsfrei laufen, Internetzugriff war mithilfe des GPRS-Chips, dem frühzeitlichen Vorläufer der 5G-Technik, möglich.

Eigentlich hatte Google geplant, das Sooner zeitnah nach der Entwicklung zu veröffentlichen, erste Gespräche mit T-Mobile als Provider-Partner liefen bereits, doch dann passierte etwas Unerwartetes: Apple kündigte Anfang 2007 das iPhone an – und es war revolutionärer als erwartet.

In einigen Aspekten war das Sooner dem Apple-Handy technisch allerdings überlegen. Es unterstützte bereits Multitasking, ein App-Store gehörte ebenso zur Standardausstattung, beides Features, die Apple erst Jahre später auf Druck aus der Community nachliefern sollte.

Trotzdem definierte Apple mit dem iPhone den Begriff des Smartphones neu. Mit seinem für damalige Verhältnisse gigantischen 3,5-Zoll-Bildschirm und intuitiven Multi-Touch-Oberfläche stahl es jedem anderen Handy die Show. Google wollte sich nicht blamieren und entschloss sich spontan gegen eine Veröffentlichung des Sooners.

HTC Dream: das erste Android-Phone

Ein Jahr später sollte die Zusammenarbeit zwischen Google, T-Mobile und HTC mit dem HTC Dream endlich erfolgreich sein. Zwar von Design her immer noch nicht so schön wie das iPhone, hatte das HTC jedoch einige, interessante Funktionen zu bieten. Es unterstützte Copy & Paste und Multitasking, auf Ortungsdienste wie Maps konnte der Nutzer ebenfalls zugreifen.

Bei der Software ging Google andere Wege als Konkurrent Apple, denn diese war bewusst quelloffen. Zwar waren die hauseigene Dienste wie Maps und Gmail tief im System verankert, doch mit etwas Code-Kenntnis konnte jeder User seine eigenen Apps programmieren und auf dem Gerät installieren. Damit wollte Google bewusst Drittentwickler locken, um Android für die Nutzer attraktiver zu gestalten.

Leider war die Bedienung des Android-Pioniers etwas unhandlich. Der Screen konnte nach oben geschoben werden und offenbarte eine physische Tastatur. Leider blieben an der rechten Seite die Funktionstasten an derselben Stelle. Diese Wulst machte ein unbequemes “Drumherumgreifen” notwendig. Die Kamera gehörte zur guten Mittelklasse, geladen wurde mit HTCs proprietären “ExtUSB”.

In gewisser Weise war das HTC Dream aber sogar seiner Zeit voraus: Denn genau wie das iPhone X oder das Google Pixel 2 hatte es keinen Kopfhöreranschluss.

In Deutschland kam es im Herbst 2008 auf den Markt und wurde ausschließlich von der Telekom unter dem Namen T-Mobile G1 für 419 Euro verkauft.

HTC Magic: Das Original, nur in gut

Das HTC Magic war der direkt Nachfolger des Dream, unter dem Bildschirm versteckte sich jedoch keine physische Tastatur mehr. Die technische Ausstattung war verbessert worden, der Prozessor einen Tick schneller.

In Deutschland verkaufte Vodafone das Dream exklusiv. Nachdem im April 2009 die Markteinführung erfolgt war, hatte sich das HTC-Modell im August bereits eine Million Mal verkauft.

Motorola Milestone: Motorola statt HTC

Ende 2009 wechselte Google den Hardware-Partner und veröffentlichte gemeinsam mit Motorola das Milestone. Es verfügte über einen 3,7-Zoll-Display und eine physische Tastatur, die aufgeschoben werden konnte, dessen Tasten jedoch viel zu tief im Gehäuse platziert waren, sodass jeder Tastendruck zum Krampf wurde.

Das Droid, wie es in den USA hieß, wurde mit Android 2.0 ausgestattet. Das Update des Betriebssystem brachte einige neue Features mit sich. Durch zweifaches Tippen war es möglich zu Zoomen. Google Maps wurde zudem um eine vollständige Navigationsfunktion erweitert. In Deutschland kostete das Milestone 499 Euro.

Neuxus One S: Das erste Nexus

2010 arbeitete Google wieder mit HTC zusammen und veröffentlichte das HTC Nexus One. Mittlerweile war Android immer beliebter geworden. Das neue Nexus-Phone sollte zeigen, was das Betriebssystem alles kann.

Es war mit einem phantastischen 3,7-Zoll-Amoled-Display ausgestattet und, HTC-typisch, mit Funktionstasten am unteren Ende des Bildschirms. Die inneren Werte konnten auch überzeugen: Die erste Generation des Snapdragon-Prozessors und 512 MB Arbeitspeicher machten es zum schnellsten Handy seiner Zeit und bei Android-Enthusiasten beliebt.

Das Nexus One verkaufte Google erstmals nicht über einen Provider, sondern über den eigenen Store für 370 Euro.

Nexus 6P: Das letzte Nexus

Ende 2015 veröffentlichte Google mit dem 6P das letzte Nexus-Smartphone. Gebaut wurde das 5,7 Zoll große Handy von Huawei. Es setzte auf Android 6.0 und überzeugte mit einem schicken Alu-Gehäuse.

Auch der Rest der Hardware war High-End-Design, was sich auch im Preis wiederspiegelte: Mit 699 Euro UVP war es bis dato Googles teuerstes Smartphone und läutete eine Preispolitik ein, die das Unternehmen auch bei den heutigen Pixel-Handys verfolgt.

Vom Entwickler-Liebling zum Gerät für die Massen

Zwar konnten Googles Smartphones nie die Popularität eines Samsung Galaxy erreichen, doch setzten sie Akzente im Hintergrund und machten zudem Android zum erfolgreichsten, mobilen Betriebsystem der Welt. Zunächst nur bei Entwicklern und Nerds populär, wurden vor allem die letzten Nexus-Geräte von Verbrauchern gern gekauft.

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