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Einst Zukunft des Kochens, nun sinkende Verkäufe: Der Thermomix schwächelt

Ist der Thermomix am Ende?
Ist der Thermomix am Ende?
Foto: dpa
Er hat schwierige Phasen durchlebt, erlebte aber in den vergangenen Jahren noch einmal einen Hype: der Thermomix. Nun sieht es für die Luxus-Küchenmaschine mal wieder nicht so gut aus.

Ein Thermomix TM5 kostet 1.199 Euro. Ein hoher Preis für eine Küchenmaschine. Wobei der Thermomix mehr sein will: multifunktional, sogar hightech, ideenreich und vor allem smart. Mit ihm soll jedes Rezept gelingen, das verspricht jedenfalls der Hersteller aus Wuppertal, Vorwerk. Der ist vor allem für Werkzeuge, Staubsauger und andere Reinigungsgeräte bekannt. Heute präsentiert er sich innovativ mit Produkten für das moderne Zuhause – wie dem Thermomix.

Das "iPhone aus Wuppertal"

Seinen Höhepunkt erlebte das Küchengerät, das bereits 1961 auf dem Markt eingeführt worden war, ab dem Jahr 2000, als aus dem Kaltmixer der erste Heißmixer entstand. Denn er konnte nicht mehr nur Rühren, Kneten, Schneiden, Raspeln, Mixen, Mahlen und Entsaften, sondern auch Saucen und Süßspeisen zubereiten. Dieser "Urvater" wurde in den folgenden Jahren immer weiterentwickelt, bis hin zur Internetfähigkeit, mit der Lieblingsrezepte der Nutzer via WLAN direkt aus dem Thermomix-Rezeptportal ins Thermomix-System übertragen werden können.

Die Modelle werden ausschließlich im Direktvertrieb, unter Anleitung eines sogenannten Repräsentanten von Vorwerk, angeboten. Thermomix-Partys wurden populär und konkurrierten mit Tupperware-Partys und ähnlichem. 2005 gewann das Modell TM31 den Red Dot Design Award, Medien wie die Zeit befeuerten den Hype, bezeichneten ihn gar als "iPhone aus Wuppertal". Die Stiftung Warentest wiederum bewertete das besagte Modell nur mit der Note 3,2 (befriedigend).

Dem zum Trotz zahlte er sich aus: Der Thermomix war noch bis 2016 das bestverkaufte Produkt von Vorwerk. Im Geschäftsjahr 2016 meldete man für den Geschäftsbereich Thermomix eine Umsatzsteigerung um elf Prozent auf fast 1,3 Milliarden Euro. Auf die smarte Küchenmaschine entfielen damit mehr als 40 Prozent des Konzernumsatzes. Und das hieß, dass umgerechnet alle 23 Sekunden irgendwo auf der Welt eines der Geräte verkauft worden ist.

2017 ist das auf einmal ganz anders: Der Hersteller erwarte "für das Jahr 2017 bei einem beträchtlichen Absatzrückgang eine deutliche Abschwächung im Umsatz". Noch liegt der Jahresabschluss von 2017 nicht vor, in seinem im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht teilte Vorwerk die Prognose aber bereits mit. Das berichtete zuerst die Zeitung Die Welt.

Ist es der Preis oder die Konkurrenz?

Sollte sich die Prognose wirklich bewahrheiten, ist die Frage, was den massiven Absatzrückgang verursacht hat. Sind die knapp 1.200 Euro für ein Gerät für Neukunden zuviel? Vermutlich nicht, schließlich bietet Vorwerk über die hauseigene Akf Bank auch Leasingverträge für Kunden an, die das Produkt nicht direkt vollständig bezahlen können oder wollen.

Oder ist der Vertriebsweg dafür verantwortlich? Einer Analyse zufolge lag der Anteil der Deutschen ab 14 Jahren, die im Internet einkaufen, bei ganzen 67,6 Prozent, der stetige Aufwärtstrend scheint gegeben. Demnach kann es sein, dass sich im Zeitalter des Online-Shoppings möglicherweise nicht jeder mit einem Thermomix-Repräsentanten auseinandersetzen will, bevor er das Produkt selbstständig ausprobieren kann.

Ein anderer wahrscheinlicher Grund ist, dass die Konkurrenz schon auf dem Vormarsch ist – und zwar nicht nur aus dem Ausland. Denn in den USA, Großbritannien und Kanada beispielsweise ist der Instant Pot, ein programmierbarer Schnellkochtopf, zum Liebling der Massen geworden. Der ist in vielen Dingen dem Thermomix überlegen, taugt als Slow Cooker, Reiskocher, Dampfgarer, kann Joghurt machen und ebenfalls per App bedient werden. 2017 wurden beim Amazon Prime Day an einem Tag 250.000 Stück verkauft, 26.200 Bewertungen bei Amazon, davon die überwiegende Mehrheit mit fünf Sternen, sprechen auch für sich.

Ein weiterer klarer Vorteil: Der Instant Pot kostet online nur rund 170 Dollar inklusive Versand, das sind circa 140 Euro. Da kann der Thermomix nicht mithalten, noch nicht einmal in seinem Heimatland. Denn Miele etwa stellte 2017 auf der IFA in Berlin seine eigene Küche der Zukunft vor: Der sogenannte Dialoggarer kann gar ein rohes Fischfilet in einem Eisblock garen. Das Ergebnis: Der Fisch ist gar, das Eis nach wie vor eiskalt.

Miele selbst betitelte ihn als '"den größten Technologiesprung in der Küche seit Einführung der Induktion" (futurezone berichtete). Ist zwar etwas anderes als Thermomix oder Instant Pot, aber auch ein Zeichen für einen Trend zurück zum Kochen, aber modern. Das dürfte Vorwerk vorerst gefallen, tut dem Absatz des Thermomix aber erst einmal nicht so gut.

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