Als Charles Darwin nach fünfjähriger Weltumseglung am 2. Oktober 1836 von Bord der HMS Beagle geht, ist er davon überzeugt, dass die Geschichte zur Entstehung des Lebens auf unserem Planeten von neuem geschrieben werden muss. Seine Evolutionstheorie wird die biblische Idee von der Schöpfung Gottes ein für alle mal ablösen.

Evolutionstheorie: Darwins beginnende Reise

Charles Darwin studiert Medizin, bricht das Studium ab und vollendet mit Mühe sein Studium der Theologie. Seine Leidenschaft gilt dem Sammeln. Käfer interessieren ihn. Auf ausgedehnten Spaziergängen sammelt er alles auf, was ihm vor die Füße kommt. Dass sein Hobby den Grundstein für die Evolutionsbiologie legt, ist dem 22 Jährigen nicht bewusst.

Im Alter von 22 Jahren bekommt der junge Darwin die Chance, seinem Entdeckerdrang nachzukommen. Mit dem Vermessungsschiff HMS Beagle reist der junge Theologieabsolvent von 1831 an fünf Jahre um die Welt, segelt Brasilien, Patagonien, Feuerland und schließlich die Galápagos-Inseln an.

Die Anfänge von Darwins Evolutionstheorie

Auf seiner Reise sammelt Darwin wie schon zuhause in England völlig frei und scheinbar wahllos alles, was ihn interessiert. Gesteine, Fossilien, Pflanzen und auch Tiere kommen so an Bord der HMS Beagle unter. Insgesamt müssen knapp fünfeinhalbtausend Präparate gelagert werden. Zweitausend Seiten Notizen entstehen zu Flora und Fauna – die Grundlage seiner Evolutionstheorie

Dabei vertieft sich der angehende Biologe auch in das Werk „Principles of Geology“ des britischen Geologen Charles Lyell. Durch ihn erfährt Darwin, dass die Geologie der Erde keinesfalls Ergebnis eines göttlichen Schöpfungsaktes ist, sondern einer langhaltenden Entwicklung.

Wenig später wird der studierte Theologe Darwin seine eigenen Fossilfunde mit den Theorien Lyells in Verbindung setzen. Älter noch als die biblische Geschichte werden auch seine Funde werden. Dass alles Lebende auf dem Planeten einem evolutiven Ansatz, einem langanhaltenden, sich stetig wandelnden Prozess unterworfen ist, wird für Darwin immer wahrscheinlicher.

Strand Galápagos
Die Galápagos Inseln zeigen die Evolution in Miniatur. Durch die Verschiedenartigkeit der einzelnen Inseln haben sich die dort beheimateten Tiere unterschiedlich an die raue Natur angepasst. Credit: imago / agefotostock

Darwins „Entdeckung“ der Evolution

Schließlich erreicht die HMS Beagle am 17. September 1835 die Galápagos-Inseln. Hier entdeckt Darwin Schildkröten, Spottdrosseln und Finken. Nichts besonderes also für jemanden, der dieselben Tiere bereits an anderen Orten der Erde aufspürte. Erst durch den Hinweis eines mitreisenden Kollegen stellt Darwin fest, das die unterschiedlichen Vögel auf der Insel unterschiedliche Finkenarten sind.

Die Schnäbel unterscheiden sich von Insel zu Insel. So gibt es etwa auf einer Insel Finken, die mit ihren harten Schnäbeln die dort vorherrschend kernigen Früchte aufpicken können, während auf einer anderen Insel ganz andere Bedingungen vorherrschen, wodurch die Finken etwa kleinere Schnäbel hätten.

Und noch mehr Unterschiede fallen ihm auf:

Riesenschildkröten etwa, die andere Panzer als auf dem Festland tragen, oder Kormorane mit Flügeln, die Darwin so noch nicht gesehen hat. Das alles sind Anzeichen für die später von ihm begründete Evolutionstheorie.

Die Grundfeiler von Darwins Theorie

Aus seinen Entdeckungen schloss Darwin, dass sich die Finken auf ihren jeweiligen Inseln an die dort vorherrschenden Bedingungen angepasst haben. Doch wie auch in Lyells Werk über die Geologie der Erde, kann diese Anpassung keinem biblischen Ursprung zu Grunde liegen. Sie muss über einen langen Zeitraum stattgefunden haben.

Darwin war sich sicher:

Die Arten entwickeln sich nach der Natur. Damit ist die Schöpfung eigentlich eine logische Anpassung an die Umwelt. Darwin nannte das die „Natürliche Auslese“ (Survival of the fittest) der Arten. So können auf der einen Insel nur die Finken überleben, die durch die Beschaffenheit ihres Schnabels auch die dortige Nahrung aufnehmen können.

Kaktusfink auf Ast
Der Große Kaktusfink gehört zu den Darwinfinken. Er ist perfekt an seine Umgebung angepasst. Durch den kurzen, kräftigen Schnabel kann er Insekten und Samen fressen. In der kargen Umgebung, in der er lebt, ein evolutionärer Vorteil. Credit: imago/imagebroker

Der endgültige Beweis

Nachdem Darwin die HMS Beagle verlassen hat, ist er noch vorsichtig mit seiner Annahme über die Evolution der Lebewesen. Ab 1842 lebt er zurückgezogen auf seinem Landsitzt Down House bei London. In den kommenden zwanzig Jahren wird er seine Hypothese mit Tausenden Beispielen untermauern, um eines der wichtigsten wissenschaftlichen Werke der Menschheitsgeschichte zu schreiben.

Demnach sehe Evolution wie folgt aus:

  • Wenn sich die natürliche Umgebung von zum Beispiel Finken verändert, verändert sich auch der Zugang zu Nahrung.
  • In der Regel nimmt die Population ab oder stirbt zur Gänze aus, wenn sich die Finken nicht an die neue Umgebung anpassen.
  • Ab einem bestimmten Zeitpunkt werden beispielsweise Finken geboren, die einen dickeren Schnabel haben, um etwa bessere an Samen und Insekten zu kommen.
  • Diese Finkenart (zum Beispiel der Große Kaktusfink) setzt sich gegenüber jener Finkenart durch, die keinen kräftigen Schnabel hat.
  • Während die eine Finkenart ausstirbt, hat sich der Große Kaktusfink optimal an seine Umgebung angepasst.

Evolutionstheorie: Bis heute ein Zankapfel

Der Evolutionstheorie zur Folge durchlaufen alle Tiere auf der Erde diesen Prozess. Darwin wusste bereits zu seinen Lebzeiten, dass er hiermit an einem Tabu rütteln würde. Denn im Sinne der Biologie ist der Mensch auch nur ein Tier. Ganz zum Widerwillen der Kirche glaubte Darwin, dass der Mensch vom Affen abstamme.

So plausibel diese These im Sinne Darwins auch ist, gibt sie noch heute Anlass für allerhand kritische Betrachtungen. Und auch wenn etwa die Katholische Kirche die Evolution seit kurzem als ein Werk Gottes interpretiert, sind viele Menschen seiner Theorie gegenüber skeptisch eingestellt.

Quellen: GEO, BR Wissen, eigene Recherche

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