Das Gletscherschrumpfen gilt als eines der deutlichsten Anzeichen für den Klimawandel. Der Pine-Island-Gletscher, einer der größten Gletscher weltweit, sorgte in den vergangenen Tagen für Aufregung innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinde. Der 267 Quadratkilometer große Eisberg – das ist mehr als die Fläche von Frankfurt am Main – brach vom Gletscher ab und treibt seither vor der Küste der Westantarktis.

Grund zur Sorge

Die genaue Größe des Eisbergs ist durch Satellitenfotos der Technischen Universität Delft in den Niederlanden dokumentiert. Der dort tätige Professor Stef Lhermitte zeigte auf Twitter, wie der Gletscher sich in den vergangenen Jahren durch das wiederholte Abbrechen großer Schelfeismassen verkleinerte.

Der Vorfall ist deshalb besorgniserregend, weil er ein weiteres Anzeichen für die Beschleunigung des Schrumpfvorgangs des Gletschers ist. Der Pine-Island-Gletscher transportiert bereits jetzt mehr Eis ins Meer als jeder andere Gletscher weltweit. In den letzten 20 Jahren hat er sich um rund 20 Kilometer in Richtung Küste zurückgezogen. Durch seine Größe könnte der Pine-Island-Gletscher alleine, laut einer Studie aus dem Jahr 2014, in den nächsten 20 Jahren einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 10 mm verursachen.

Kettenreaktion

Das Abbrechen des Eisbergs erhöht den Meeresspiegel noch nicht, weil die Eismassen bereits auf dem Ozean schwammen. Das Zurückweichen des Schelfeises führt aber zu einer Kettenreaktion, denn umso weiter der Gletscher in Richtung Küste zurückweicht, umso mehr beschleunigt sich der Fluss des Eises (und damit des Wassers) vom Land ins Wasser.

Die weitere Entwicklung des Pine-Island-Gletschers gilt laut Experten als Indikator für die Veränderung des Erdklimas und der Meeresspiegel. In den letzten Jahren hat das Abbrechen von Eismassen immer wieder zur Entstehung großer Eisberge geführt, jedoch gibt im aktuellen Fall nicht so sehr die Größe, sondern der Ort des Abbruchs Anlass zur Sorge.

Dass der Eisberg nicht am Rand, sondern im Zentrum des Schelfeises gekalbt ist, gilt als weiteres Indiz dafür, dass der Gletscher in Zukunft noch schneller schrumpfen wird. Wie die Washington Post schreibt, destabilisieren vermutlich warme Meeresströmungen das auf dem Ozean treibende Gletschereis.

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