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Gesundheit 4.0 – Die Aussichten der Digitalisierung

Die Digitalisierung eröffnet uns nicht nur neue Möglichkeiten, sondern bringt auch Hürden mit sich.
Die Digitalisierung eröffnet uns nicht nur neue Möglichkeiten, sondern bringt auch Hürden mit sich.
Foto: Pixabay | Pexels
Auch innerhalb der Gesundheitsbranche herrscht Uneinigkeit über den Nutzen der künstlichen Intelligenz. Dabei bringen intelligente Netzwerke und Systeme vor allem eine ganz neue Art der Effizienz in das Spektrum der Medizin.

Wie bereits einige Male zuvor stößt das britische Gesundheitssystem auch in diesem Winter wieder stark auf die eigenen Grenzen. Erkrankte Menschen stoßen auf überfüllte Krankenhäuser, überfordertes Ärztepersonal auf Bedingungen „wie in der dritten Welt“. Ein Hoffnungsträger der Gesundheitsbranche – auch im Vereinigten Königreich – sind moderne und neue Technologien, die Behandlungsmethoden effizienter und besser gestalten könnten.

Digitaler Wandel

Mit den Möglichkeiten, die wir heute vor allem durch den technologischen Fortschritt erreicht haben, kommen Effekte wie die Industrie 4.0 oder Arbeit 4.0. Es sind Begriffe, die sich dehnen und interpretieren lassen, am Ende stehen sie jedoch beide für dasselbe: den digitalen Wandel und den damit einhergehenden Fortschritt.

Dennoch bleibt auch mit all diesen Fortschritten noch immer eine Frage offen stehen: Wie können wir auch die Gesundheitsbranche auf Version 4.0 upgraden? Mit dem Wandel, der sich aktuell immer weiter ausdehnt, stoßen wir als Menschheit nämlich nicht mehr nur auf neue Möglichkeiten, sondern ebenfalls auf entsprechend große Hindernisse.

Leistungsfähigkeit vs. Gesundheit

Die Vielfalt der verschiedenen Optionen, die mit der Digitalisierung einhergehen sorgt bei vielen Arbeitnehmern für Überforderung. Es sind nicht mehr nur Arbeitsfelder, die ihre Aufmerksamkeit benötigen, sondern noch dazu sich immer weiterentwickelnde Systeme. Dasselbe gilt für die Unternehmen, bei denen die Menschen angestellt sind: Welches System ist das richtige und wie können wir es in unsere Prozesse implementieren?

Die datengetriebene Wirtschaft und Gesellschaft treibt sich aktuell immer weiter und weiter in einen Abgrund der Stressfaktoren. Eine Studie der ias-Gruppe ergab beispielsweise unter anderem, dass gut 87,5 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens zwar durch die voranschreitende Digitalisierung zunehmen wird, allerdings gaben nur 63,6 Prozent von ihnen an, dass sie glaubten, dieser Wandel hätte positive Auswirkungen auf ihre eigene Gesundheit.

Jede zweite Person, die im Rahmen der Studie befragt wurde, ging davon aus, die aktuellen Entwicklungen hätten zukünftig negative Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden. Es entstehen also neue Risiken, die im Endeffekt die Medizin zu tragen hätte. Jedoch bedient auch die Gesundheitsbranche sich den Vorteilen der Digitalisierung.

Medizinische Digitalisierung

Auch unter Medizinern ist „Digitalisierung“ schon lange kein Fremdwort mehr. Denn ebenso wie schon zuvor in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft, hat die künstliche Intelligenz auch in der Gesundheitsbranche schon längst Einzug erhalten. Im deutschen Gesundheitssektor hat man bereits das Potential der Digitalisierung erkannt. „Aus unserer radiologischen Klinik weiß ich, dass sie eine CT-Untersuchung mit mindestens vergleichbarer, schließlich aber auch höherer Qualität befunden kann als sogar erfahrene Radiologen“, berichtet beispielsweise der CEO und Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Essen.

Vor allem wenn es um abstrakte Bilder wie beispielsweise Röntgen-, MRT- oder CT-Aufnahmen geht, können Computersysteme glänzen. Sie können – sofern richtig trainiert – qualitativ hochwertigere und sicherere Analysen treffen, als ärztliches Fachpersonal es kann. Noch dazu ist künstliche Intelligenz lernfähig.

Angst vor der Konkurrenz

Jedoch empfinden nicht alle Mediziner die künstliche Intelligenz als einen Segen. So wird beispielsweise bemängelt, dass Pflege-Roboter, wie man sie aus dem asiatischen Raum kennt, niemals vollends die persönliche Zuwendung bieten könnten, die medizinisch trainiertes Fachpersonal mit sich bringt. Auch das technische Verständnis stellt eine nicht zu übersehende Hürde dar.

Eine Umfrage im Rahmen des Future Health Index 2017 ergab zum Beispiel, dass rund 76 Prozent der medizinischen Fachkräfte berichtet haben, ihre Patienten verstünden, wie die Technologie von technologiegestützter vernetzter Versorgung richtig zu nutzen sei. Gut 67 Prozent der Fachkräfte gaben zudem an, dass ihre Patienten ebenfalls wüssten, wie durch die Technologie bereitgestellte Ergebnisse zu interpretieren waren.

Neue Chancen

Es überrascht also nur wenig, dass sich das medizinische Fachpersonal um die eigene Existenzberechtigung als Teil des Gesundheitsapparats fürchtet. Eine Frage, die im Rahmen der Digitalisierung der Gesundheitsbranche bleibt: Gefährdet die fortschreitende Einbindung neuer Technologien in die Medizin tatsächlich die Stellen des Fachpersonals? Oder ist diese Angst realistisch gesehen mehr oder minder unbegründet?

Kai Vogel, der Leiter des Teams Gesundheit und Pflege des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), weiß nicht nur diese Frage zu beantworten: "Die Digitalisierung bietet grundsätzlich Chancen für die Gesundheitsversorgung. Sie kann allerdings Experten, wie Ärzte, nicht komplett ersetzen. Neue digitale Angebote müssen zudem selbstverständlich genauso verlässliche Werte erzielen, wie sonstige medizinische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Arzt und Patient müssen sich zu 100 Prozent darauf verlassen können, ansonsten bestehen Risiken. Chancen bestehen, neu und digital, ist aber nicht automatisch gut oder besser."

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