Um das Verhalten eines Bienen- oder Hummelvolks zu untersuchen, mussten Forscher die Insekten bisher intensiv beobachten – stundenlang. Nun kann die Überwachung eines Volkes wesentlich effektiver erfolgen – und zwar mit Hilfe von QR-Codes. Die Codes, die den Forschern die zweifelsfreie Identifizierung einzelner Tiere ermöglicht, finden auch in anderen Bereichen vermehrt Anwendung. So greifen etwa Unternehmen auf die kleinen, schwarz-weißen Quadrate zurück, um Kunden schnell mit ihrer Webseite zu verbinden.

Forscher kleben QR-Code auf den Rücken der Hummeln

Die Wissenschaftler jedoch hatten anderes im Sinn: Das System, genannt BEEtag, sollte dabei helfen, hunderte Hummeln automatisch zu beobachten, um so Erkenntnisse über die „Persönlichkeiten“ einzelner Vertreter eines Volkes sowie die Interaktionen der Insekten untereinander zu gewinnen. Um die Hummeln mit den Codes auszurüsten, werden die Insekten einzeln aufgesammelt und durch niedrige Temperaturen in eine Art leichten Winterschlaf versetzt. Im Anschluss kleben die Forscher den Hautflüglern einen winzig kleinen QR-Code auf den Rücken, wie „wired“ berichtet.

In einer Untersuchung, die vergangenen Dienstag im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, nutzten die Forscher die Technik, um das Verhalten der Arbeiterinnen eines Volkes zu verstehen. Arbeiterinnen sind überwiegend für die Versorgung des Nachwuchses und den Bau des Stocks zuständig, können jedoch, je nach Bedarf, ihre Rolle und die dazugehörige Aufgabe ändern. So übernehmen sie beispielsweise auch die Beschaffung von Blütenstaub, sollten die dafür zuständigen Tiere ausfallen. Wie genau die Tiere bemerken, dass sie nun eine andere Aufgabe übernehmen müssen, wollten die Forscher herausfinden.

Individuelles Verhalten

Denn auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als seien die Insekten kleine Roboter, die stumpf einem bestimmten Schema folgen, scheint dies nicht der Fall zu sein. „Wir haben erstaunlich viele individuelle Nuancen beim Verhalten gefunden“, zitiert die Seite den Harvard-Biologen James Crall. Einige Hummeln bewegen sich mehr als andere, einige interagieren mehr mit anderen Hummeln. Wie aber, so fragen sich die Wissenschaftler, lassen sich diese Unterschiede im Verhalten erklären?

Die Forscher schauten sich mit Hilfe der QR-Technik also die Bewegungsmuster innerhalb der Kolonie an und stellten fest, dass verschiedene Arbeiterinnen täglich dieselben Bereiche im Stock besuchten. Stellten sie fest, dass die dort üblicherweise tätige Hummel ihrer Arbeit nicht nachging, übernahmen sie diese. „Stellen Sie sich einfach vor, Sie sind derjenige, der die Milch leer macht – dann sind Sie auch verantwortlich dafür, neue zu beschaffen“, so Crall.

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Die Wissenschaftler wollen das System nun auch nutzen, um zu untersuchen, welchen Einfluss die Menschen auf das Verhalten eines Bienenvolkes haben. So soll etwa überprüft werden, was der Einsatz von Pestiziden mit dem Verhalten eines Volkes anstellt und wie die Insekten sich verhalten.

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