Das Internet als „Neuland“ bezeichnet zu haben, steht Bundeskanzlerin Angela Merkel noch heute nach. Doch lag sie damit so falsch? Was weißt du denn tatsächlich über diese geheimnisvolle Welt? Tatsächlich macht der Bereich, den du mittels Google oder anderer Suchmaschinen erfasst, lediglich ein Prozent des vollen Umfangs des Internets aus. Dabei umfasst bereits dieser winzige Bruchteil rund 4,5 Milliarden Webseiten. Die restlichen 99 Prozent sind unter dem sagenumwobenen Namen „Deep Web“ bekannt.

Deep Web und Dark Web – ist das dasselbe?

Zunächst gilt es abzugrenzen: Die Begriffe „Deep Web“ und „Dark Web“ stehen nicht für ein und dasselbe. Als Dark Web bezeichnet man nämlich lediglich einen Teil des Deep Webs, der auf sogenannten Darknets, also Peer-to-Peer-Overlay-Netzwerken wie beispielsweise „Tor“ basiert. Von herkömmlichen P2P-Netzwerken (P2P = Peer-to-Peer) unterscheidet sich ein Darknet durch eine Art Exklusivität. Personen müssen beispielsweise von – häufig privilegierten – Nutzern des Overlay-Netzwerks eingeladen werden.

Als Teil des Deep Webs sind diese Netzwerke außerdem nicht ohne weiteres Auffindbar. Auf diese Weise sorgen sie für einen gewissen Rahmen der Sicherheit im Kontext von Hackern, aber auch vor Spionage-Angriffen oder ähnlichem. Im Idealfall ist die Existenz des Netzwerks und entsprechender Webseiten in der Öffentlichkeit gänzlich unbekannt.

Das Deep Web: Ein Sammelbecken der Kriminalität?

Die Gleichsetzung der beiden Begriffe sollte aus einem wesentlichen Grund vermieden werden: Das Deep Web wird täglich von nahezu jedem Internetnutzer gebraucht. Spätestens, wenn du deine E-Mails oder Messenger-Chats checkst bist du mittendrin. Vom sichtbaren und durch Suchmaschinen auffindbaren Internet unterscheidet sich das Deep Web nämlich vor allem in dem Punkt, dass du die URL oder Zugriffsrechte benötigst, um einen Blick auf die gewünschte Seite zu werfen.

Dazu gehören mitunter private Profile, Nachrichten, Formulare und vieles mehr. Tatsächlich ist das eine Prozent, aus dem das oberflächliche Internet bestehen soll recht großzügig bemessen. Nur weil die restlichen 99 Prozent von einem geheimnisvollen Schleier umgeben sind, heißt das noch lange nicht, dass sich hier böse Geister und Kriminelle tummeln.

Komm auf die dunkle Seite: Warum ist das Dark Web so negativ behaftet?

Für das Dark Web gilt ähnliches. Obwohl hier Gruppen und einzelne Nutzer individuell über ihre Netzwerke, die Darknets, bestimmen können, macht sie das nicht zu Kriminellen. Ein großer Teil dieses unbekannten Terrains besteht lediglich aus P2P-Overlay-Netzwerken, die dafür sorgen sollen, dass ihre Nutzer vor jenen geschützt werden, die ihnen Schaden wollen – dazu gehören Hackerkollektive ebenso wie autoritäre Regime.

Doch warum ist das öffentliche Bild des Darknets dann so negativ behaftet? Nun, zunächst wäre da der Name, der etwas dunkles und verworrenes vermuten lässt, und dann noch die Medienpräsenz. Denn das Dark Web erfüllt seinen Teil und sorgt dafür, dass die meisten seiner Netzwerke unentdeckt bleiben. Kritisch wird es erst, wenn eines von ihnen als Marktplatz für illegale Güter und Dienstleisungen oder sogar Menschen fungiert.

Denn spätestens dann, wenn die verantwortlichen Behörden einem solchen Darknet auf die Schliche kommen und es zersprengen, wird es Publik. Somit geraten im Regelfall ausschließlich jene Overlay-Netzwerke in den Fokus der Öffentlichkeit, hinter denen sich kriminelle Machenschaften verbergen, und ziehen damit das Gesamtbild von Dark und Deep Web mit in den Abgrund.

Der Kampf gegen das Dark Web

Aufgrund solcher illegalen Darknet-Marktplätze, auf denen neben Drogen- und Waffendealern auch Terroristen und Killer ihre Dienste anbieten, ist das Dark Web also in die Missgunst gefallen. Mit sich hat es zudem – zumindest im öffentlichen Verständnis – das Deep Web im Allgemeinen gezogen, weil an vielen Stellen schlichtweg die Differenzierung fehlt. Doch wie können Behörden Netzwerke finden und zerschlagen, die sich im Dark Web verbergen?

„Die Schließung von Alphabay und Hansa im Juli 2017, zwei der größten Darknet-Märkte, ist ein Beispiel dafür, wie die Strafverfolgungsbehörden eingreifen können, um dieses Umfeld zu stören“, erklärte Europol-Direktor Rob Wainwright. „Trotz der positiven Errungenschaft scheinen die Online-Drogenhändler gegen solche Eingriffe resistent zu sein und sich schnell neu zu organisieren.“ Das Dark Web stellt somit eine wesentliche Herausforderung für die Behörden dar.

„Wer das Darknet nutzt, führt in der Regel nichts Gutes im Schilde“

Erst im April hatten US-amerikanische Ermittler drei Männer festgenommen, die der Anklage zufolge einen millionenschweren Drogenmarkt im Dark Web betrieben haben. Der einzige Anhaltspunkt, durch den die Ermittler aufmerksam wurden, waren verdächtig hohe Geldsummen, die die Angeklagten an Automaten abgehoben hatten. Derartige Vorfälle machen das Dark Web auch unter deutschen Behörden immer unbeliebter.

„Ich verstehe, warum das Darknet einen Nutzen in autokratischen Systemen haben kann. Aber in einer freien, offenen Demokratie gibt es meiner Meinung nach keinen legitimen Nutzen“, erklärte Günter Krings, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium im Rahmen des 22. europäischen Polizeikongresses in Berlin. „Wer das Darknet nutzt, führt in der Regel nichts Gutes im Schilde.“

Seine Forderung enthält das Verbot des Tor-Browsers in Deutschland. Tor ist ein – ironischer Weise – durch die US-Regierung finanziertes Anonymisierungsnetz, das als Grundlage vieler Darknets dient.

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