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Verrückte Soziologie: Darum war Rosa eigentlich die Männer-Farbe

Ursprünglich war Rosa die Farbe der Jungen und Männer. Wieso bloß? Wir erklären dir die bizarre Entwicklung.
Ursprünglich war Rosa die Farbe der Jungen und Männer. Wieso bloß? Wir erklären dir die bizarre Entwicklung.
Foto: iStock/Deagreez
Die Farbe Rosa war ursprünglich für Jungen vorgesehen. Dass sich das Farben-Klischee schließlich drehte, hat einen einfachen, aber bizarren Grund.

Es ist eines der ältesten Klischees der Welt: Blau ist für Jungen, Rosa oder Pink für Mädchen. So veraltet es auch erscheinen mag, zieht es sich noch heute durch unseren Alltag in Werbespots, Supermarktregalen und Co. Dabei war es ursprünglich umgekehrt: Rosa Farbe war für Jungen, die Farbe Blau für Mädchen vorgesehn. Woran das liegt und wieso männliche Fußballvereine einst Trikots in der Farbe Rosa trugen, erklären wir dir.

Rosa, die Farbe für Mädchen? Das war nicht immer so

Wer schon einmal Baby- oder Kinderklamotten gekauft hat, kennt es ebenso wie jemand, der an der Supermarktkasse ein Ü-Ei ausgesucht hat: Farben sagen alles. So ist Rosa die Farbe für Mädchen und Blau die für Jungs. Das ist immer noch so, auch im eigentlich so aufklärten 21. Jahrhundert. Die Werbetreibenden machen eifrig mit, obwohl die antiquierte Farbenlehre vielen Menschen mittlerweile sauer aufstößt.

Wer für Geschlechtergerechtigkeit eintritt, dem hilft es auch nicht zu wissen, dass es früher genau umgekehrt war. Interessant ist die Entwicklung trotzdem: Noch bis in die 1940er Jahre nämlich wurde die Farbe Rosa dem männlichen Geschlecht zugeordnet. Vor rund hundert Jahren also war Rosa die Farbe der Jungen, Mädchen wurden in Himmelblau gekleidet.

Rosa, das "kleine Rot"

Das ist einfach soziokulturell zu erklären: Pink oder Rosa wurde als das "kleine Rot" angesehen. Rot wiederum ist eine Signalfarbe und steht noch heute in vielen Kulturen für Männlichkeit und Stärke. Einer Studie von 2015 zufolge wirkt Rot aggressiv und dominant, weswegen sogar rot gekleidete Sportler häufiger siegen würden als andere.

Das führte noch bis in die 40er Jahre hinein dazu, dass die verwandte Farbe Rosa für Jungen und Männer etabliert war. Fun Fact: Im Jahr 1897 spielte die Männermannschaft des neu gegründeten Fußballvereins Juventus Turin in rosafarbenen Trikots. Wie Geo berichtet, schrieb das damals führende US-Frauenmagazin Ladie's Home Journal damals Folgendes: "Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht."

Und dann auch noch Barbie

So weit, so bizarr. Aber warum wandelte sich das Geschlechterklischee dann wieder? Dazu gibt es mehrere Ansätze. Zum Beispiel soll die Arbeitskleidung von Matrosen und Handwerkern die Farbe Blau für Jungen und Männer etabliert haben. Andere Soziologen glauben, dass der sogenannte "Rosa Winkel" daran Schuld war. Diesen mussten in der Zeit des Nationalsozialismus Häftlinge auf dem Ärmel tragen, die verdächtigt wurden, homosexuelle Neigungen zu haben und deshalb ins Konzentrationslager gebracht wurden.

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Auf jeden Fall aber sorgte im Jahr 1959 die erste Barbie-Puppe dafür, dass Pink beziehungsweise Rosa als Mädchenfarbe den Spielzeugmarkt überrollte. Gendermarketing nennt sich das heute. Experten gehen sogar davon aus, dass die sogenannte "Rosa-Hellblau-Falle" im Alltag eine Hierarchie zwischen weiblich und männlich konnotierten Berufen verstärkt. Die Tragweite ist also immens, hier beschreiben sie zwei Journalistinnen in ihrem Buch mit genau diesem Titel.

Noch heute ist das Farbendenken soziokulturell stark verankert. Für viele Menschen ist Rosa die Farbe für Mädchen und Blau die für Jungen – auch wenn es natürlich längst überholt ist. Die Werbung von vor allem Süßigkeiten- und Spielzeugherstellern jedoch verkauft es uns so. Bekenn deshalb doch einfach mal ganz anders Farbe: Kauf dir deine AirPods mal in Schwarz oder anderen Farben als Weiß. Außerdem: Das sagt die Farbe deines Handys über deine Persönlichkeit aus. Und so entsteht das Farbenspiel der Polarlichter.

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