Trinkflaschen, Strampler, Beißringe, Kuscheldecken – all das ist bereits bei Babys in die Farben Rosa und Blau eingeteilt. Schließlich muss die ganze Welt wissen, ob es sich bei dem Kind um ein Mädchen oder um einen Jungen handelt. Auch sogenannte „Gender Reveal-Partys“, in denen – überraschung – das biologische Geschlecht des Kindes herausgefunden wird, zeigen eindeutig: Kommt aus dem Luftballon Rosa-Farbe, ist es ein Mädchen; kommt blaue Farbe heraus, ist es ein Junge. Hätte es Instagram und Co. jedoch in den 1930er Jahren gegeben, wäre es genau umgekehrt gewesen. Aber wie kommt das? Ist die Vorliebe für eine Farbe etwa überhaupt nicht biologisch bedingt?

Rosa, die Farbe für Mädchen? Warum eigentlich?

Wer schon einmal Baby- oder Kinderklamotten gekauft hat, kennt es ebenso wie jemand, der an der Supermarktkasse ein Ü-Ei ausgesucht hat: Farben sagen alles. So gilt Rosa als die Farbe für Mädchen und Blau als die für Jungs. Das ist immer noch so, auch im eigentlich so aufklärten 21. Jahrhundert. Die Werbetreibenden heizen das ordentlich an, obwohl die antiquierte Farbenlehre vielen Menschen mittlerweile sauer aufstößt. Doch auf diese Weise lassen sich viele Dinge nun einmal doppelt verkaufen. Werbetreibende vertrauen zum Beispiel darauf, dass Eltern ihrem Sohn nicht das rosa Fahrrad der älteren Tochter weitergeben – denn Blau muss es doch sein.

Und die „Farblehre“ zieht sich bis in das Erwachsenenalter. Mittlerweile ist bekannt, dass es die sogenannte Pink Tax gibt. Etwa die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet, dass Personen, die Wert darauf legen, rosane Produkte (also „weiblich“ geltende Produkte) zu kaufen, ordentlich drauf zahlen. „Die Höhe der geschlechtsspezifischen Preisunterschiede ist in vielen Fällen nicht zu rechtfertigen – selbst dann nicht, wenn die Inhaltsstoffe variieren, denn sie machen oft nur einen Bruchteil der Herstellungskosten aus“, heißt es.

Ganz abgesehen von dem fraglichen Gender-Marketing, war bis in die 1940er Jahre Rosa nicht die Farbe von Mädchen, sondern die Farbe von Jungen.

Rosa, das „kleine Rot“

Das ist einfach soziokulturell zu erklären: Pink oder Rosa wurde als das „kleine Rot“ angesehen. Rot wiederum ist eine Signalfarbe und steht noch heute in vielen Kulturen für Männlichkeit und Stärke. Einer Studie von 2015 zufolge wirkt Rot aggressiv und dominant, weswegen sogar rot gekleidete Sportler häufiger siegen würden als andere.

Das führte noch bis in die 40er Jahre hinein dazu, dass die verwandte Farbe Rosa für Jungen und Männer etabliert war. Fun Fact: Im Jahr 1897 spielte die Männermannschaft des neu gegründeten Fußballvereins Juventus Turin in rosafarbenen Trikots. Wie Geo berichtet, schrieb das damals führende US-Frauenmagazin Ladie’s Home Journal damals Folgendes: „Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht.“

Und dann auch noch Barbie

So weit, so bizarr. Aber warum wandelte sich das Geschlechterklischee dann wieder? Dazu gibt es mehrere Ansätze. Zum Beispiel soll die Arbeitskleidung von Matrosen und Handwerkern die Farbe Blau für Jungen und Männer etabliert haben. Andere Soziolog:innen glauben, dass der sogenannte „Rosa Winkel“ daran Schuld war. Diesen mussten in der Zeit des Nationalsozialismus Häftlinge auf dem Ärmel tragen, die verdächtigt wurden, homosexuelle Neigungen zu haben und deshalb ins Konzentrationslager gebracht wurden.

Auf jeden Fall aber sorgte im Jahr 1959 die erste Barbie-Puppe dafür, dass Pink beziehungsweise Rosa als Mädchenfarbe den Spielzeugmarkt überrollte. Expert:innen gehen sogar davon aus, dass die sogenannte „Rosa-Hellblau-Falle“ im Alltag eine Hierarchie zwischen weiblich und männlich konnotierten Berufen verstärkt. Die Tragweite ist also immens, hier beschreiben sie zwei Journalistinnen in ihrem Buch mit genau diesem Titel.

Noch heute ist das Farbendenken soziokulturell stark verankert. Für viele Menschen ist Rosa die Farbe für Mädchen und Blau die für Jungen – auch wenn es natürlich längst überholt ist. Die Werbung von vor allem Süßigkeiten- und Spielzeugherstellern jedoch verkauft es uns so. Klischees machen nicht einmal vor der NASA halt. Mit drei Aktionen blamierte sich die NASA gehörig. Und diese Wissenschaftlerinnen verewigten sich auf dem Mond.

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