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Homo Deus – Mit der Genschere CRISPR wird der Mensch zum Gott

Die Genschere CRISPR offenbart Türen, die nicht jeder öffnen will.
Die Genschere CRISPR offenbart Türen, die nicht jeder öffnen will.
Foto: iStock/BlackJack3D
Moralischer Tiefpunkt der Menschheit oder eine Leiter zum Himmel? Die Genschere CRISPR ist, gelinde gesagt, eine kontroverse Thematik. Was hat es damit auf sich?

CRISPR/Cas9 ist ein Verfahren, mit dem DNA-Bausteine im Erbgut verändert werden können. Dessen Entdeckung gilt als eine der bahnbrechendsten Innovationen der jüngeren Vergangenheit. Warum das ist und was man damit alles machen kann erfährst du hier.

Die Genschere CRISPR – Wird der Mensch zum Gott?

CRISPR/Cas9 (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) ist eine Prozedur mittels derer einzelne Gene umgeschrieben und verändert werden können. 2012 veröffentlichten die heutige Direktorin des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin, Emmanuelle Charpentier, und ihre Kollegin Jennifer Doudna, ein Paper das erstmals auf Möglichkeit verwies, Erbgut zu modulieren.

Diese Innovation kann als Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften verstanden werden. Erstmals in der Geschichte der Menschheit ist der Homo Sapiens dazu in der Lage, relativ unkompliziert Erbkrankheiten zu eliminieren oder gar das Aussehen eines Menschen vorher zu bestimmen. Aber nicht nur bei menschlichen Lebewesen lässt sich diese Methode anwenden. Von der Erdnuss bis zum Blauwahl – Mit CRISPR lassen sich alle existierenden DNA-Bausteine verändern.

Wie funktioniert CRISPR, die Genschere

CRIPSPR macht sich eine Eigenschaft von Bakterien zu Eigen, die anhand gespeicherter DNA-Fragmente krank machende Viren identifizieren und sich somit gegen diese wehren können. Nachdem dieses Prinzip detailliert verstanden wurde, wurde die Menschheit in die Lage versetzt, diesen Mechanismus für die eigenen Bedürfnisse anzuwenden.

Dabei wird die sogenannte RNA (Ribonukleinsäure) wie eine Art Sonde an die entsprechende Stelle der DNA gesandt und dockt dort an. Anschließend schneidet das Cas9-Protein wie eine Genschere den Strang durch. In der Folge treten zellinterne Reparaturmechanismen in Kraft, die das durchtrennte Konstrukt wieder zusammenfügen. Dies geschieht allerdings stets etwas defizitär, sodass das spezifische Gen blockiert zurück gelassen wird. Perfekt also, um fehlerhafte Gene zu eliminieren. Zudem ist es möglich, an der jeweiligen Stelle einzelne Gene auszutauschen oder gar gänzlich neue einzubauen.

CRISPR – Segen oder Fluch?

Dass sich dadurch ungeahnte Möglichkeiten ergeben liegt auf der Hand. So kann das Werkzeug beispielsweise in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um resistente Lebensmittel zu prodzuieren. In Zeiten des Klimawandels mit immer stärkeren Wettextremen, wie Dürren oder Stürme, eine Wunderwaffe. Aber auch der Mensch an sich kann von CRISPR profitieren, indem beispielsweise genetische Krankheiten schon vor der Geburt des Kindes vermieden werden können. Hierbei setzt allerdings auch der Kern der Kritik an der Genschere an.

Denn Gegner der neuartigen Methode verweisen auf den tiefen Eingriff in die Natur (des Menschen) und auf all die moralischen und ethischen Problematiken, die dieser mit sich bringt. Ein zentrales Schlagwort dieser Debatte: Designer-Babys. Also Kinder, deren Aussehen schon vor der Geburt festgelegt wurde. Denn auch dies ist mit der CRISPR-Genschere möglich.

Fazit: CRISPR ist ein Paradigmenwechsel

Man kann also festhalten: Nach der Erfindung von CRISPR ist die Welt eine andere. Aber es ist auch klar, dass die Genschere ein bloßes Instrument ist. Und wie bei jedem anderen auch, liegen dessen Konsequenzen in der jeweiligen Handhabung.

In den USA nutzen Forscher die Genschere CRISPR um Krebspatienten zu behandeln. In Russland sucht ein Forscher Eltern um CRISPR-Babys zu erschaffen. Und der wohl kontroversteste Fall bisher: Ein Wissenschaftler brachte in China die ersten mit CRISPR genetisch optimierten Zwillinge zur Welt.

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