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Der Tropengürtel der Erde wächst rasant: Das steckt hinter dem alarmierenden Mechanismus

Die Folgen des Klimawandels sind für unseren blauen Planeten verheerend. Auch die Ausdehnung des Tropengürtels scheint auf diese zurückzuführen.
Die Folgen des Klimawandels sind für unseren blauen Planeten verheerend. Auch die Ausdehnung des Tropengürtels scheint auf diese zurückzuführen.
Foto: iStock.com/guenterguni
Unser blauer Planet scheint den Folgen des Klimawandels schutzlos ausgeliefert zu sein, denn diese verändern sein Antlitz auf beunruhigende Weise.

Die warm-feuchten Tropen erstrecken sich, einem Gürtel ähnelnd, nördlich und südlich entlang des Äquators der Erde, bis hin zu den Wendekreisen. Aktuellen Befunden zufolge haben sich die Grenzen der Tropen und der angrenzenden Subtropen in den letzten 15 Jahren in Richtung weitaus höherer Breiten verschoben. Allerdings blieb der Grund dieser alarmierenden Tropenausdehnung bislang unklar, obgleich ein Zusammenhang mit den Klimawandel-Folgen naheliegt. Nun sammelten Forscher allerdings wichtige Belege, laut derer die steigende Meerestemperatur tatsächlich verantwortlich für den Mechanismus der Tropenausdehnung erscheint.

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Klimawandel-Folgen: Ozeane Schuld am Tropen-Wachstum?

Der Tropengürtel der Erde wächst mit einem Tempo von etwa 60 Kilometer pro Dekade. Ein Forscherteam um Hu Yang vom Alfred-Wegener Institut Helmholz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven konnte nun belegen, dass steigende Meerestemperaturen, sprich die Erwärmung der Ozeane, eng mit dieser Ausdehnung einhergehen.

Die Studie basiert auf den Messdaten von Meerestemperaturen seit dem Jahr 1982. Untersucht wurde die Lage sowie die Veränderung ozeanischer Strömungswirbel und Temperaturzonen, im Folgenden wurden ebendiese Daten in Bezug zu den beobachteten, regionalen Verschiebungen des Tropengürtels gesetzt.

Die Messdaten offenbarten, dass sich an jenen Stellen, an denen sich das Wasser der subtropischen Meere stärker erwärmt hat, Strömungen und Ozeanwirbel ebenso weiter polwärts verlagerten. Dies resultierte weiterhin in veränderten Luftdruckverhältnissen und Winden in den besagten Regionen, somit verschob sich letztlich die Außengrenze der Innertropischen Konvergenzzone. "Die Polwärts-Verschiebung des ozeanischen meridionalen Temperaturgradienten korrespondiert mit weitverbreiteten Windanomalien im Bereich zwischen dem 20. und 45. Breitengrad”, so Yang. “Dieses Muster deutet darauf hin, dass die Verschiebung der ozeanischen Gradienten eng mit einer Polwärtsverlagerung der Winde und damit auch mit der Ausdehnung des Tropengürtels verknüpft ist.”

Klima-Ozean-Modell bestätigt Verdacht

Demnach sei die steigende Meerestemperatur mitverantwortlich für die zu beobachtende Verschiebung der Klimazonen und liefere ebenso eine Erklärung für die stärkere Ausdehnung der Außengrenze der Tropen auf der Südhalbkugel, da diese mehr Wasserfläche aufweist. Doch sind diese Veränderungen in den Meeren lediglich natürlichen Ursprungs oder sind diese tatsächlich eng mit den Klimawandel-Folgen verknüpft?

Um diese Frage nachhaltig zu beantworten, führten Yang und sein Team zusätzliche Modellsimulationen durch, innerhalb derer sie nur die Meerestemperaturen sowie die Lage der Gradienten veränderten, allerdings die globalen Lufttemperaturen um 0,1 Kelvin senkten, statt ihre Erwärmung abzubilden. Das Ergebnis: Die Erweiterung der Tropen blieb trotz dieser globalen Klimaabkühlung bestehen, somit beeinflusst die ozeanische Temperatur die atmosphärische Zirkulation. Die Forscher vermuten, dass nebst natürlicher Schwankungen der Meeresbedingungen, die beispielsweise durch Phänomene wie den El Nino oder die Pazifische Dekadische Oszillation (PDO) verursacht werden, der Klimawandel zu dieser Verlagerung der Gradienten führt, berichtet Wissenschaft.de.

Laut Yang sei die verstärkte subtropische Ozeanerwärmung unabhängig von den natürlichen Klimaoszillationen und somit das Resultat der globalen Erwärmung, die wiederum zu der Ausdehnung des Tropengürtels führe.

Ob wir den Klimawandel und seine Folgen nun wahrhaben wollen oder nicht, eins ist sicher: Unseren Tod beeinflusst er tatsächlich auch – und zwar nicht unbedingt auf angenehme Weise. Denn schon jetzt killt er uns langsam aber sicher, sodass 100 Forscher kürzlich Alarm schlugen.