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Eisschmelze in der Antarktis: Forscher sind sicher, dass das Worst-Case-Szenario naht

Klimamodelle müssen mehr Faktoren berücksichtigen, um die Eisschmelze richtig einschätzen zu können.
Klimamodelle müssen mehr Faktoren berücksichtigen, um die Eisschmelze richtig einschätzen zu können.
Foto: Pexles
Auch wenn die Antarktis oder Grönland für uns weit weg sind – die Eisschmelze, die dort ununterbrochen stattfindet, ist auch eine Gefahr für uns. Forscher weisen auf den Ernst der Lage hin.

Würde das ganze Eis der Antarktis und Grönlands schmelzen, würde dies zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 65 Meter führen. Dieses Worst-Case-Szenario wollen sich die Vereinten Nationen gar nicht erst vorstellen. Doch Klimamodelle versuchen vom Schlimmsten auszugehen. Damit soll gezeigt werden, dass mit der Eisschmelze nicht zu spaßen ist.

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Eisschmelze in der Anarktis: Die Gefahr rückt näher

Das Zwischenstaatliche Gremium für Klimawandel (IPCC) hat sich den Verlust durch die Eisschmelze von 2007 bis 2017 angeschaut. Bis 2100 könnte sich der Meeresspiegel um 40 Zentimeter erhöhen, heißt es in einer Prognose in Nature Climate Chance. Allein dieser Anstieg hätte bereits verheerende Auswirkungen. So könnte es durch die Eisschmelze zu Sturmfluten an den Küstenregionen kommen. 50 Millionen von Menschenleben wären jährlich durch die Überschwemmungen in Gefahr, so die Prognose des IPCC.

Ein Anstieg um 70 Zentimeter würde durch den Verlust der Berggletscher erfolgen. Zudem würde sich bei einer weiteren Erderwärmung auch das Meerwasser ausdehnen. Zwar macht sich diese Entwicklung in der Realität noch nicht bemerkbar, doch Prognosen kommen meistens immer auf dasselbe Ergebnis für das Ende des Jahrhunderts.

Schutzmaßnahmen müssen jetzt schon geplant werden

Es bedarf aber mittlerweile ein neues Worst-Case-Szenario für die Eisschmelze. Denn offensichtlich verschwindet das gefrorene Wasser schneller. Um das Schlimmste abzuwenden, werden Meeresspiegelprojektionen benötigt. So können Regierungen Strategien hinsichtlich der Klimapolitik, Minderung und Anpassung planen. Dabei darf der Anstieg des Meeresspiegels nicht unterschätzt werden, denn sonst sind die Maßnahmen irgendwann nicht ausreichend.

Sollte der Meeresspiegel um einen Meter ansteigen, müssten man mit Ausgaben in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar rechnen, um Deiche oder andere Schutzmaßnahmen zu errichten. Eisschildmodelle beschreiben die langfristigen Auswirkungen der globalen Erwärmung. Die Temperaturen steigen an den Polen schneller an als an anderen Orten auf der Erde.

Mehr Faktoren müssen berücksichtigt werden

Bislang wurden dabei die kurzfristigen Schwankungen der Wettermuster nicht berücksichtigt. Diese werden nämlich ebenfalls durch den Klimawandel beeinflusst. Der größte Teil der Eisschmelze in Grönland erfolgt durch Oberflächenschmelze in heißen Sommern. Dies wurde in Simulationen nicht erfasst. Solche Prozesse müssen Forscher besser verstehen, um den genauen Anstieg des Meeresspiegels vorhersagen zu können.

Bis zur Wende des 21. Jahrhunderts konnten die Antartkis und Grönland die Eismassen durch Neuschnee ausgleichen. Doch durch die voranschreitende globale Erwärmung ist dieses Gleichgewicht verloren gegangen. Seit zwei Jahrzehnten überwiegt die Eisschmelze. 2019 verlor Grönland 532 Millionen Tonnen Eis. Das machte 40 Prozent des Anstiegs des Meeresspiegels aus.

Der nächste Bericht der IPCC muss das Zusammenspiel von Eisschild, Ozeanen und Atmosphäre besser berücksichtigen. Von 1994 bis 2017 stieg die Eisverlustrate um 60 Prozent. Die Eisschmelze könnte nicht nur in der Antarktis, sondern auch in der Arktis gefährlich werden. Denn unter dem Eis der Arktis lauert eine Gefahr. Eine Prognose vermutet, dass die Arktis in 15 Jahren schon ohne Eis sein könnte.