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Stammbaum des Menschen: Gruseliger Fund zeugt von Brutalität in der Vergangenheit

Der Stammbaum des Menschen enthält viele düstere Kapitel. Ein besonders grausamer Fund ergänzt diese um ein neues Ausmaß der Brutalität.
Der Stammbaum des Menschen enthält viele düstere Kapitel. Ein besonders grausamer Fund ergänzt diese um ein neues Ausmaß der Brutalität.
Foto: iStock/Nirut Punshiri
Anhand des Stammbaums der Menschen lassen sich heute ganz verschiedene Dinge ableiten. Zum Beispiel, wie ungehemmt brutal es in der Vergangenheit zwischen ihnen zuging. Ein Fund aus England unterstreicht dies nun.

Schon in den Anfangstagen unserer Geschichte ging es noch rauer zu, als man heutzutage womöglich vermuten würde. Dies beweisen neue Erkenntnisse bei der Erforschung des Stammbaums der Menschen. Genauer gesagt ist ein ganz bestimmter Fund in England dafür verantwortlich, dass Forscher ein neues Level der Brutalität vor Tausenden von Jahren feststellten. Was es mit der gruseligen Entdeckung auf sich hat, erfährst du im Folgenden.

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Stammbaum des Menschen: Dieser Fund schockiert die Forscher

Um festzustellen, dass das gesellschaftliche Zusammenleben vor mehreren Hunderten von Jahren wesentlich ungemütlicher war, als heutzutage, ist kein Stammbaum des Menschen oder dessen genauere, wissenschaftliche Betrachtung nötig. Die Zeiten waren einfacher und damit einhergehend auch oftmals von stumpfer Gewalt geprägt.

Wie stumpf zeigt der Schädelfund einer jungen Frau aus dem Dörfchen Oakridge in Hampshire, England, die etwa zwischen 776 und 899 gelebt haben soll, eindrucksvoll. Er dient den Wissenschaftler als haarsträubend genaue Demonstration davon, was mit dir passiert wäre, wenn du eine Straftat vor über eintausend Jahren in der Gegend begangen hättest: Grausame Gesichtsverstümmelungen.

Schon in den 60er-Jahren wurde der Schädel von Archäologen ausgebuddelt und erst jetzt untersuchte ihn ein Team rund um Garrard Cole vom University College London genauer. Die Forscher fanden heraus, dass der Frau kurz vor ihrem Tod sowohl ihre Nase, als auch ihre Lippen entfernt wurden. Im Fachmagazin Antiquity wird die Entdeckung als "erstes physisches Zeugnis einer besonders brutalen Bestrafungsmethode" beschrieben.

Brutale Bestrafung für schwache Straftaten

Wenn du jetzt denkst, dass die zwischen 15 und 18 Jahre alte Frau vermutlich ein Kapitalverbrechen begangen haben muss, damit ihr derart grausames wiederfährt, dann irrst du dich gewaltig. Den Beleg für die Vermutung, dass solche Gesichtsverstümmelungen an der Tagesordnung waren, liefern historische Aufzeichnungen.

Laut solchen wurden stehlende Sklaven, untreue Ehebrecher und andere, die sich nicht unbedingt dramatische Delikte zu Schulden kommen lassen haben, auf eine derartig bestialische Art und Weise bestraft. Der Stammbaum des Menschen offenbart also erneut, dass die lange Straße unserer Spezies vor allem durch blutige Steine gepflastert wurde.

Todesursache und letzte Ruhe

Hinsichtlich der Todesursache liefert die Untersuchung des Totenschädels ebenfalls erschreckende Erkenntnisse: Schuld sei gar nicht die Gewalteinwirkung selbst gewesen, sondern das Verbluten innerhalb kurzer, aber sehr schmerzvoller Zeit. Denn da die Nase und die Lippen sowohl von vielen Nervenenden als auch von lebenswichtigen Blutgefäßen durchzogen sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese stark verletzt wurden.

Auch die Bestattung der jungen Frau aus Oakridge lassen auf ein eher düsteres Kapitel im Stammbaum des Menschen schließen. Sie wurde nicht, wie damals bereits üblich, auf einem Friedhof bestattet, sondern erhielt ein Einzelgrab abseits der anderen Verstorbenen. Auch dies war eine häufige Form der Bestrafung. Die Forscher vermuten, dass die Kleinkriminelle möglicherweise nicht einmal aus der Gegend stammte, können jedoch auch nicht erklären, was sie in das verschlafene Dorf in Hampshire verschlagen haben könnte.

Eventuell war sie einfach auf der Durchreise, wie schon die Neandertaler etliche Jahrhunderte zuvor in der Menschheitsgeschichte. Fakt ist: Der Stammbaum des Menschen sorgt nicht nur an dieser Stelle für Verwunderung.

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