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Stammbaum des Menschen: Neue Studie offenbart unsere vielfältige Vergangenheit

Forschungen hinsichtlich des Stammbaumes des Menschen zeigen nun, dass unsere Vergangenheit vielfältiger war, als bisher angenommen. Demzufolge sind wir eine Mischung aus Millionen von komplexen Individuen.

Wikinger
Blond

Der Stammbaum des Menschen ist wesentlich komplizierter zu verstehen, als bislang angenommen wurde. Dies zeigen neue Untersuchungen von Forschern, die feststellten, dass Wikinger doch garkein so „reinrassiges“ Pack aus blondhaarigen, stämmigen Barträgern waren, wie vermutet. Denn jüngste Forschungsergebnisse hinsichtlich ihrer DNA beweisen: Sie bestanden tatsächlich aus vielen verschiedenen Ethnien und Abstammungen.

Stammbaum des Menschen: Vorfahren waren sexuell sehr aufgeschlossen

Unsere antiken Vorfahren waren scheinbar sehr aufgeschlossen, wenn es um den Paarungsakt ging. Dies geht aus einer aktuellen Studie eines internationalen Forscherteams zum Stammbaum des Menschen hervor, die sich haargenau mit dem Volk der Wikinger auseinandersetzt. Das Science-Magazin Nature veröffentlichte die Studie, in der über die Dauer von sechs Jahren ganze 442 menschliche Überreste untersucht wurden, die zwischen der Bronzezeit (2.400 vor Christus) bis in die frühe Moderne (1.600 nach Christus) reichen.

Beim Vergleich des genetischen Materials von über 1.118 antiken Individuen mit dem von 3.855 noch lebenden Menschen aus den Regionen rund um das Vereinigte Königreich, Dänemark und Schweden, wurde den Wissenschaftlern rund um Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen klar, dass unsere DNA wesentlich vielfältiger gemischt ist, als sie sich überhaupt hätten vorstellen können.

„Wir haben dieses Bild von gut miteinander verbundenen Wikingern, die sich miteinander vermischen, Handel treiben und auf Raubzüge gehen, um gegen Könige in ganz Europa zu kämpfen, weil wir das im Fernsehen sehen und in Büchern lesen – aber genetisch gesehen haben wir zum ersten Mal gezeigt, dass es nicht diese Art von Welt war“ erklärt Willerslev. „Diese Studie verändert die Wahrnehmung, was ein Wikinger tatsächlich war – niemand hätte vorhersagen können, dass diese bedeutenden Genflüsse aus Südeuropa und Asien nach Skandinavien vor und während der Wikingerzeit stattfanden“ heißt es weiter.

Was die Wissenschaftler noch herausfanden

Eine der ersten Vermutungen, die die Studie zum Stammbaum des Menschen herausfand, war das Endziel der verschiedenen Wikingerstämme aus dem heutigen Skandinavien. Die DNA der alten dänischen Wikinger tauchte in England auf, während norwegische Wikinger-DNA in Irland, Island und Grönland gefunden wurde. Unerwarteterweise fanden sich auch Hinweise auf die DNA, die den heutigen schwedischen Populationen am westlichen Rand Europas und DNA, die den heutigen dänischen Populationen weiter östlich ähnlich ist.

Dieser unerwartete Fund suggeriert ein komplexes Siedlungs-, Handels- und Raubzugnetzwerk, welches zu verschiedenen Gemeinschaften mit gemischter Abstammung führte. Vielmehr beweist die Studie, dass diese gemischte Abstammung bereits vor der sogenannten Wikingerzeit stattfand, erklärt Martin Sikora, einer der Hauptautoren der Studie. „Viele Wikinger haben einen hohen Anteil nicht-skandinavischer Abstammung, sowohl innerhalb, als auch außerhalb Skandinaviens, was auf einen anhaltenden Genfluss durch Europa hindeutet.

„Die Geschichtsbücher benötigen ein Update“

Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass es weit mehr als nordische Wurzeln bedarf, um damals als Wikinger durchzugehen. Die Ergebnisse der Studie würden die Wahrnehmung dessen verändern, was ein Wikinger eigentlich war, erklärt Willerev. „Die Geschichtsbücher benötigen ein Update“, lässt er weiter verlauten.

Eine bereits 120.000 Jahre alte Fußspur führte jüngst ebenfalls zu überraschenden Erkenntnissen hinsichtlich des Stammbaums des Menschen. Und: Warnten uns die Wikinger mit einem alten Runenstein bereits vor tausenden Jahren vor einer Klimakatastrophe?

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