Denkst du an krebserregende Lebensmittel, kommen dir vermutlich zunächst Dinge wie rotes Fleisch oder Ähnliches in den Sinn, aber Honig? Etwas, das eigentlich als harmlose Hausaufgabe begann, hat nun offengelegt, dass in amerikanischem Honig radioaktiver Zerfall stattfindet. Konkret rückt dabei das Cäsium (Cs), genauer Cäsium 137 (Cs-137), in den den Fokus – ein Isotop, das schon 1986 beim Super-GAU von Tschernobyl eine wesentliche Rolle spielte.

Cäsium 137 (Cs-137, 137Cs)

Mit einer Halbwertszeit (t1/2) von gut 2,3 Millionen Jahren ist Cs-135 das langlebigste vom Menschen hergestellte radioaktive Nuklid des Cäsiums. Cs-137 (t1/2 = 30,17 Jahre) fällt hingegen nicht durch seine Lebensdauer, sondern vielmehr durch seine Risiken ins Auge. Es ist einer der maßgeblichen Verursacher der radioaktiven Verseuchung der Biosphäre, da es bei der Kernspaltung in Kernreaktoren und bei Kernwaffentests entsteht.

Krebserregende Lebensmittel? Cs-137 in Honig entdeckt

Vor allem im Osten der Vereinigten Staaten scheint das radioaktive Isotop Cs-137 seinen Weg in den Honig gefunden zu haben. Es ist ein Überbleibsel von Atombombentests, die die USA während des Kalten Krieges durchführten. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum gut 2.000 solcher Tests durchgeführt, die offenbar auch heute noch ihre Nachwirkungen zeigen. Doch handelt es sich bei dem Honig deshalb tatsächlich um ein krebserregendes Lebensmittel?

„Viele der Luftdetonationen waren so stark, dass Dutzende von radioaktiven Spaltprodukten in die Stratosphäre geschleudert wurden und sich mit einer Verweilzeit von [etwa] einem Jahr global verteilten, bevor sie vor allem durch Regenfälle abgelagert wurden“, erklären Jim Kaste und Forscherkollegen in einer neuen Studie. Kaste, ein außerordentlicher Professor in der Abteilung für Geologie der William & Mary University in Williamsburg, Virginia, berichtet, dass 68 von 122 Honigproben von Maine bis Florida unterschiedliche Mengen an Cäsium-137 aufweisen.

Bei Cs-137 handelt sich um einen sogenannten Betastrahler. Er kann je nach Konzentration für den Menschen schädliche Strahlung abgeben und ebensowie Jod 131 zu unterschiedlichen Krebserkrankungen führen.

„Ich versuche nicht, den Leuten zu sagen, dass sie keinen Honig essen sollen. Ich füttere meine Kinder mit Honig“, sagt Kaste jedoch auch. „Ich esse jetzt mehr Honig als zu Beginn des Projekts.“ Demzufolge liege die Konzentration des Isotops unter den als schädlich beziehungsweise krebserregend angesehenen Werten – aber die gemessenen Mengen unterstreichen dennoch die anhaltende Persistenz von Umweltkontaminanten im Atomzeitalter, selbst ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der internationalen Bombentests.

Atombombentests des Kalten Krieges

Den Forschern zufolge wurde durch die kumulative Wirkung von über 500 der Testexplosionen über den Marshall-Inseln im Pazifischen Ozean und Novaya Zemlya, einem arktischen Archipel im Norden Russlands mehr ionisierende Strahlung in die Atmosphäre freigesetzt als bei jedem anderen Ereignis in der Geschichte der Menschheit.

„Wir wissen, dass die Cäsium-137-Produktion an den pazifischen und russischen Standorten mehr als das 400-fache der Produktion der Explosionen in New Mexico und Nevada betrug“, so Kaste. Die Krater dieser Atomwaffentests lassen sich heute noch am Meeresboden erkennen. „Eine einzige russische Bombe, die Zarenbombe, war mehr als 50 Mal so stark wie alle Tests in Nevada und New Mexico zusammen.“

Allerdings sind nicht alle Funde aus dieser Zeit radioaktiv verstrahlt. So haben Wissenschaftler mit den Überbleibseln des „Project Iceworm“ ein Relikt des Kalten Krieges entdeckt, das Schlüsse auf die Entwicklung des Erdklimas zulässt. Auch sind nicht nur radioaktive Isotope dafür verantwortlich, dass bestimmte Nahrung deinem Körper schadet. Wir zeigen dir etwa, welche Lebensmittel tatsächlich krebserregend sind.

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.