Mit dem Intelligenzquotienten (IQ) haben uns Wissenschaftler wie Alfred Binet, Théodore Simon, Lewis Terman ein wichtiges Werkzeug an die Hand gegeben. Er stellt eine quantitative Bewertung des Intelligenzniveaus einer Person dar. Dabei wird die Intelligenz einer einzelnen Person in Relation zum Durchschnittsniveau einer (gleichaltrigen) Vergleichsgruppe gesetzt. Im engeren Sinne handelt es sich dabei also um das Verhältnis des sogenannten geistigen Alters zum wahren chronologischen Alter einer Person. Phänomene wie der sogenannte „Flynn-Effekt“ werfen nun aber Fragen auf, wie sich IQ und Tests weiterentwickeln.

Was ist Intelligenz?

Intelligenz oder Klugheit ist eine geistige Qualität, die aus der Fähigkeit besteht, sich neuer Situationen bewusst zu werden, aus der Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen und sich zu erinnern, abstrakte Konzepte zu verstehen und anzuwenden und sein Wissen zu nutzen, um seine Umwelt zu managen. Sie ist also allgemein eine kognitive und problemlösende Fähigkeit, die viele andere Fähigkeiten integriert.

Der Flynn-Effekt: IQ-Tests aus 75 Jahren

Im Laufe des 20. Jahrhunderts stieg die durchschnittliche Punktzahl bei IQ-Tests weltweit deutlich an – vor allem in Industrieländern. Diese Entwicklung wird gemeinhin als Flynn-Effekt bezeichnet, benannt nach dem neuseeländischen Politologen James R. Flynn, der sie 1984 erstmals beschreib.

Anhand von Testergebnissen aus 17 Industrienationen legte Flynn Ende der 80er Jahre offen, dass die Zunahmen der gemessenen Werte zwischen fünf und 25 IQ-Punkten pro Generation betrugen. Dabei stach mitunter heraus, dass diese Ergebnisse vor allem bei nonverbalen und kulturell reduzierten Tests auftraten, was mit dafür sprach, dass die durchschnittliche Intelligenz – zumindest gemessen am IQ – in den ersten drei Vierteln des 20. Jahrhunderts zugenommen hat.

Über die Ursachen dieser Entwicklung waren sich Forscher:innen aber lange Zeit uneinig. Einige waren der Ansicht, sie könne mit dem sogenannten IQ-Sterblichkeitsgradienten zusammenhengen. Dieser besagt, dass eine Korrelation zwischen dem Intelligenzquotienten einer Person und ihrer Lebenserwartung besteht. Konkret bedeutet das: intelligente Menschen leben häufig länger.

Wichtig: Gemessen wurde die Intelligenz jeweils mittels stetiger Anpassungen der IQ-Tests an den Durchschnitt in der Grundgesamtheit.

Wird die Menschheit wirklich intelligenter?

Untersuchungen aus Ländern, die keine vergleichbaren postindustriellen Entwicklungen durchlaufen haben, stützen sich wiederum auf die Idee, dass ein verbesserter Zugang zu Ernährung, Wohnraum und natürlich Bildung die wichtigste Rolle spielt. Eine 2010 im Fachjournal ResearchGate veröffentlichte Studie stellte etwa fest, dass der Flynn-Effekt in afrikanische Länder südlich der Sahara bis dato nicht zum Tragen kam.

Wieder andere Studien legen nahe, dass der die durchschnittliche Leistung bei IQ-Tests im Laufe der vergangenen 30 Jahre gesunken sei. Dieses Phänomen nennen Wissenschaftler:innen den „negativen“ oder „umgekehrten“ Flynn-Effekt. Es wird daher bereits darüber spekuliert, ob der Mensch möglicherweise sogar schon das Maximum seines kognitiven Potenzials ausgeschöpft haben könnte. Im Gegensatz zu den fünf bis 25 Punkten Anstieg pro Generation in den ersten drei Vierteln des 20. Jahrhunderts verzeichneten entsprechende Untersuchungen einen Rückgang von circa sieben IQ-Punkten je Generation seit seit 1975.

… oder dümmer?

Die Gründe für diesen Rückgang scheinen bislang zwar unklar, doch gibt es bereits einige Theorien, die sich mit ihnen auseinandersetzen. Der „Anti-Flynn-Effekt“ könnte…

  • … mit Veränderungen in der Art und Weise zusammenhängen, wie Kinder in den Schulen unterrichtet werden.
  • … mit einem Rückgang der Ernährungsstandards zusammenhängen.
  • … mit der Einwanderung von Menschen, die in größerer Armut aufgewachsen sind, zusammenhängen.
  • … mit der Tendenz der intelligenteren Menschen zusammenhängen, weniger Kinder zu bekommen.

Auch wird von einigen Seiten angebracht, IQ-Tests seien generell unfair und unangemessen. Vor allem wird ihr Einsatz bei der Studien- und Jobauswahl kritisiert. Übrigens gibt es auch Verfahren, die zwar deine kognitive Leistung messen, dabei aber keinen konkreten Wert feststellen. Der Cognitive Reflection Test (CRT) ist als kürzester „IQ-Test“ ein Paradebeispiel dafür. Zudem gibt es mittlerweile diverse IQ-Apps, mit denen du dich selbst testen kannst.

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