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Das Gehirn von Mann und Frau unterscheidet sich kaum

Den vermeintlichen Unterschied zwischen Mann und Frau macht wohl nicht das Gehirn aus.
Den vermeintlichen Unterschied zwischen Mann und Frau macht wohl nicht das Gehirn aus.
Foto: Getty Images/Yuichiro Chino [M] via Canva.com
Artikel von: Regina Singer
Was macht den angeblichen Unterschied zwischen Mann und Frau aus? Laut eines Wissenschaftlers ist es nicht das Gehirn.

Mindestens seit dem 19. Jahrhundert suchen Menschen nach Unterschieden zwischen Mann und Frau im Gehirn. So gravierend sind sie aber nicht. Was führt tatsächlich dazu, das Männer und Frauen angeblich so unterschiedlich macht?

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Gehirn-Unterschied zwischen Mann und Frau? Ist kaum vorhanden

Viele Menschen gehen davon aus, dass (vermeintliche) Unterschiede zwischen Mann und Frau angeboren sind. Um das herauszufinden, gibt es zahlreiche Studien, die sich mit dem Gehirn von Männern und Frauen beschäftigen.

Stimmt die Annahme, dass es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern im Gehirn gibt, müssten wir mit einem Blick auf das Gehirn sehen können, ob es sich um eine weibliche oder männliche Person handelt. Doch dem ist nicht so. Ari Berkowitz, unter anderem Präsidentschaftsprofessor für Biologie, fasst sein Wissen darüber in einem Artikel in The Conversation zusammen.

"Selbst wenn eine Hirnregion im Durchschnitt einen Geschlechtsunterschied aufweist, gibt es typischerweise erhebliche Überschneidungen zwischen der männlichen und der weiblichen Verteilung", so Ari Berkowitz. Wenn wir uns also ein Merkmal ansehen, welches im überlappenden Bereich liegt, ist es nicht möglich mit Sicherheit sagen zu können, ob die Person männlich oder weiblich ist.

Als Beispiel nennt der Wissenschaftler die Körpergröße: Erfährst du nur, wie groß eine Person ist, kannst du nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob sie eine Frau oder ein Mann ist. "Und Gehirnregionen zeigen normalerweise viel geringere durchschnittliche Geschlechtsunterschiede als die Körpergröße", erklärt Ari Berkowitz.

Unterschiede zwischen Mann und Frau: Lernen macht ihn aus

Es ist unrealistisch anzunehmen, dass Geschlechterunterschiede des Gehirns angeboren sind. Unterschiede zwischen Mann und Frau kommen wohl unter anderem durch das Lernen zustande. Schließlich lernt der Mensch von Geburt an – als Kind schneller als als Erwachsener.

Laut Ari Berkowitz verändert das Lernen die Verbindungen zwischen Nervenzellen (Synapsen). Dazu zählen etwa Erinnerungen an Fakten oder Gespräche sowie sportliche oder musikalische Fähigkeiten. Diese Veränderungen sind sehr klein und weniger als ein Hundertstel der Breite eines menschlichen Haars.

Bestimmte Berufe können das Gehirn verändern

Ungewöhnliche Berufe und damit das Lernen können das Gehirn von Erwachsenen stärker verändern. Das zeigen Studien über Londoner Taxifahrer:innen, die komplexe Routen, Straßen und Wahrzeichen der Stadt erlernen beziehungsweise auswendig lernen müssen.

"Forschende entdeckten, dass dieses Lernen den Hippocampus eines Fahrers physisch veränderte, eine Gehirnregion, die für die Navigation entscheidend ist. Es wurde festgestellt, dass die hinteren Hippocampi von Londoner Taxifahrern um Millimeter größer sind als die von Nichtfahrern – mehr als 1.000-mal so groß wie Synapsen."

Fazit zum Unterschied zwischen Mann und Frau im Gehirn

Es ist durchaus realistisch anzunehmen, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau im Gehirn nicht angeboren ist. Stattdessen kann er aus dem Lernen resultieren.

"Menschen leben in einer grundlegend geschlechtsspezifischen Kultur, in der sich Erziehung, Bildung, Erwartungen und Chancen von Geburt an bis ins Erwachsenenalter je nach Geschlecht unterscheiden, was unweigerlich das Gehirn verändert", so schlussfolgert Ari Berkowitz.

Gehirn-Unterschiede zwischen Mann und Frau sind letztlich wohl auf eine "komplexe und interagierende Kombination von Genen, Hormonen und Lernen zurückzuführen." Mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit wissen wir, dass Mädchen nicht automatisch die Farbe Rosa mögen, weil sie Mädchen sind. So war die Farbe Rosa etwa einst eine „Jungenfarbe“.

Quelle: The Conversation

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