Es gibt uralte Tunnelsysteme in Bayern und Österreich: die sogenannten Erdställe. Immer noch umgeben sie ein großes Geheimnis, hinter das Wissenschaftler:innen noch nicht gekommen sind. Wer baute sie? Und welchen Zweck hatten sie?

Erdställe sind rätselhaft: Was genau ist das?

„Erdställe […] sind unterirdische Systeme aus Gängen und Kammern, die im Hoch- und Spätmittelalter im Kontext ländlicher Siedlungen zu Flucht- und Versteckzwecken der Bewohner genutzt wurden. Das Phänomen ist aus mehreren Regionen Europas bekannt, doch reicht das Hauptverbreitungsgebiet vom Bayerischen Wald über Ober- und Niederösterreich bis in die Slowakei. Mit bergmännischen Methoden angelegt, treten die Anlagen meist unter alten Bauernhöfen auf, manchmal auch unter Kirchen und Friedhöfen“, erklärt das Historische Lexikon Bayern.

Das macht Erdställe aus:

  • Erdstall kommt aus dem Niederösterreichischen und leitet sich von „Stelle“ oder „Stollen“ ab
  • Es gibt nur einen Eingang und einen Kreisgang oder eine Engstelle
  • Weitere Charakteristika: Nischen, Bänke, Stufen

Bis heute ist ungeklärt, wer die Erdställe warum baute. „Das ist ein wahnsinnig großes archäologisches Rätsel, das noch keiner verstanden hat“, verrät Birgit Symader, die Vorsitzende des Arbeitskreises für Erdstallforschung e.V. gegenüber National Geographic.

Funde in Erdställen

Bisher wurden einige wenige Relikte in Erdställen gefunden Dazu zählen etwa Keramikscheiben, Holzkohle und nicht mehr identifizierbares organisches Material. Diese lassen sich auf das Hochmittelalter bis ins späte 13. Jahrhundert datieren.

Sie geben allerdings lediglich Auskunft darüber, wann die Erdställe zuletzt genutzt wurden, nicht aber wann und von wem sie errichtet wurden.

Hier wurden Erdställe gefunden
Niederrhein
Österreich
Tschechien
vereinzelt in Frankreich, Spanien, Ungarn und Irland

Mögliche Erklärungsversuche

Der Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. erklärt, dass der heutige Wissenstand nicht ausreiche, um die ursprüngliche Funktion der Erdställe zu entschlüsseln. Aus ihrer Konstruktionsweise lasse sich keine eindeutige Zweckbestimmung ableiten. Dennoch äußern einige Wissenschaftler:innen Vermutungen über die rätselhaften Tunnel:

„Die einen gehen davon aus, dass Erdställe als Zweckbauten angelegt wurden, also beispielsweise als Zufluchtsstätten, Verstecke oder Vorratsräume dereinst einer profanen Nutzung dienten. Andere Theorien nehmen hingegen an, dass diese unterirdischen Bauwerken als Kultstätten oder Sakralbauten im Zusammenhang mit vorchristlichen Ritualen oder aber hochmittelalterlichen Jenseitsvorstellungen geschaffen worden sind.“

Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V.

Bis heute bleiben Sinn und Zweck von Erdställen also nur Vermutungen.

Quelle: Historisches Lexikon Bayerns, National Geographic, Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V.

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