Eine französische Journalistin, die in Berlin lebt, hat bei der Dating-Plattform Tinder Daten erfragen wollen und ein Auskunftsbegehren gestellt. Sie wollte rausfinden, wie viel der App-Anbieter von ihr weiß. Als sie 800 Seiten an Daten zugeschickt bekam, war sie laut ihrem Bericht im Guardian schockiert. Die Daten ergaben nicht nur, dass sie die App 920 Mal benutzt hatte und mit 870 Personen „gematcht“ hatte, sondern beinhalteten auch alle Chat-Konversationen, mit intimen Vorlieben und kopierten Scherzen, die sie lieblos von einer Mitteilung in die nächste kopiert hatte.

Tinders Datenschutz enthält Klausel, um sich vor Ansprüchen schützen

Tinder selbst gibt in seinen Datenschutzeinstellungen an, dass man nicht erwarten dürfe, dass persönliche Informationen und Chats „immer sicher“ sein sollen. Mit einer derartigen Klausel will sich das Unternehmen vor Ansprüchen schützen, wenn Daten über intime Vorlieben und Chat-Gespräche an die Öffentlichkeit gelangen. Tinder darf die Daten zudem nutzen, um „personenbezogene Werbung“ zu schalten.

Die eigenen Tinder-Daten zum Matching-Algorithmus bleiben geheim

Die Journalistin kritisiert zudem, dass Tinder selbst nichts über seinen Matching-Algorithmus preisgibt, der diese Daten dazu verwendet, um der Person passende Bilder anzuzeigen. „Als typischer Millennial sind mein virtuelles und reales Leben voll verschmolzen. Es gibt keinen Unterschied. Tinder ist mein Weg, Menschen kennenzulernen, meine Realität. Es ist eine Realität, die komplett beeinflusst wird von anderen – viel Glück an jeden, beim Rausfinden, wie genau“, so die Autorin.

„Facebook hat tausende Seiten über jeden Nutzer“

Datenwissenschaftler Olivier Keyes war von dem gesammelten Datenvolumen von 800 Seiten „nicht überrascht“. „Jede App, die man regelmäßig am Smartphone benutzt, hat dieselbe Anzahl an Informationen. Facebook hat tausende Seiten über jeden.“

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