Während andere globale IT-Player wie Google oder Facebook sich auf die Vermarktung von personenbezogenen Daten spezialisiert haben, setzt IBM auf den Verkauf von wetterbezogenen Daten – einen Milliarden US-Dollar schweren Markt.

Einen wesentlichen Schritt dazu hat der US-amerikanische Hard- und Softwarekonzern Anfang 2016 mit dem Kauf von Teilen des weltweit größten privaten Wetterdienstleisters The Weather Company für über zwei Milliarden US-Dollar (1,79 Milliarden Euro) unternommen. „Das war die beste Akquisition“, sagte Alex Rutter, Managing Director für Europa, den Mittleren Osten und Afrika von The Weather Company am Donnerstagabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

Auf 88 Milliarden US-Dollar schätzt Rutter den globalen Wettermarkt. Alleine in den USA hätten sich die wirtschaftlichen Einbußen durch Wetter über allen Branchen betrachtet im Jahr 2016 auf eine halbe Billion US-Dollar summiert.

Internet of Things für Wettervorhersagen

Mit der Weather Company hat IBM nicht nur einen riesigen Berg an Wetterdaten übernommen, sondern auch eine der größten globalen Internet of Things (IoT)-Plattformen. Das Unternehmen kann weltweit täglich auf Wetterdaten von über 50.000 Flügen, mehr als 250.000 privaten Wetterstationen und von Millionen Smartphones zugreifen. Mehr als 160 Meteorologen sind ebenfalls eingebunden. In Österreich besteht das Netzwerk aus den 131 staatlichen und über 4.000 privaten Wetterstationen.

Alle fünf Minuten werden die Daten abgefragt, und alle 15 Minuten werden für rund 2,2 Milliarden Standorte weltweit lokale Vorhersagen getroffen. Monatlich greifen weltweit mehr als 225 Millionen Verbraucher und 50 Millionen Smartphone-Besitzer auf die Wetterdaten zu. Im Vorjahr wurden 5,7 Milliarden Wetterwarnungen verschickt.

„Das Wetter beeinflusst, was man kauft“

Jeden Tag werden mehr als 400 Terabyte an externen Daten analysiert. Insofern hat IBM mit der Weather Company auch eine neue Verwendung für sein auf Datenanalyse und Künstliche Intelligenz spezialisiertes System Watson gefunden. Während Google täglich rund 9 Milliarden Rechenoperationen ausführe, seien es bei der Weather Company 29 Milliarden. Die Wetterdatenplattform ist auch in die IBM-Cloud eingebunden.

„Das Wetter beeinflusst, was man kauft“, so Rutter. Wetter sei einer der größten externen Einflussfaktoren auf das Geschäftsergebnis. „Wir glauben, dass unser Dienst profunde Informationen für das Geschäft liefern kann“, so Rutter. Die Weather Company wolle mit ihren Wetterdiensten eine Entscheidungsplattform in Unternehmen werden. Die Vermarktung und der Kundenzugang erfolgt gemeinsam mit IBM.

Wetterdaten und Vorhersagen könnten praktisch in allen Branchen für bessere Geschäfte oder andere Unternehmenszwecke genutzt werden – etwa in der Luftfahrt, der Landwirtschaft, im Handel, im Transport- und Logistikbereich oder von Versicherungen und Energieunternehmen. Im Tourismus etwa könnte je nach Wetterbedingungen der Einsatz von Schneekanonen gesteuert werden.

Führende Wetter-App

Das stärkste Wachstum erwartet sich der Manager allerdings im Bereich der Erneuerbaren Energien, die jährlich um 25 Prozent wachsen würden. Insgesamt geht Rutter davon aus, dass sich der Umsatz des IBM-Teilkonzerns in den kommenden zwei bis drei Jahren verdoppeln wird. Aktuelle Umsatzzahlen nannte er nicht.

Derzeit benutzen weltweit über 3.500 Geschäftskunden in 70 Ländern die Wetterdienste der Gesellschaft.

Die eigene Wetter-App ist laut Rutter die weltweit am häufigsten genutzte Wetter-App und die am vierthäufigsten genutzte App in den USA. Sie werde von allen führenden Anbietern unterstützt.

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