Eine ganze Generation technikbegeisterten Kinder und Erwachsener lernte durch sie ein kleines bisschen Russisch: die Raumstation Mir (übersetzt: Frieden). Bevor die Internationale Raumstation ISS um die Erde kreiste, erprobte die sowjetische Raumfahrtbehörde mit der Mir den Prototypen für ein Raumlabor, das in modularer Bauweise erweitert und dauerhaft von einer Besatzung bewohnt werden konnte.

Modulare Bauweise

Von 1986 bis 2001 befand sich die Raumstation Mir in der Umlaufbahn.
Von 1986 bis 2001 befand sich die Raumstation Mir in der Umlaufbahn.
Foto: Orionist (CC BY-SA 3.0)

Rund 25 Jahre nachdem Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall geschossen wurde, gelang der UdSSR im Februar 1986 der nächste Coup im Wettrennen um die Vorherrschaft im All. Zu einer Zeit, als die NASA in bester Reagan-Manier vor allem mit großen Worten auffiel und eine Sensationsmeldung auf die andere folgte, machte die Sowjetunion Nägel mit Köpfen und begann mit dem Bau seiner ständigen Raumstation. Der Kern des Raumlabors Mir wurde am 20. Februar anlässlich des 27. KPdSU-Kongresses in die Erdumlaufbahn gebracht. Am 13. März folgte schließlich die erste Besatzung, die 75 Tage auf der Mir verbringen sollte.

Raumstation in bis dato ungekanntem Ausmaß

Die Mir war die dritte (und letzte) Generation russischer Raumstationen. Ihr ging das Saljut-Programm voraus, im Zuge dessen insgesamt sieben kleinere Raumstationen in die Umlaufbahn geschickt wurden. Allerdings waren die Saljut-Raumstationen nicht dauerhaft besetzt und deutlich kleiner dimensioniert. Zum Vergleich: die Raumstation Mir war mit einem Gewicht von 124.340 Kilogramm mehr als sechs Mal so schwer, wie die größte Saljut-Raumstation (Saljut 6: 19.400 Kilogramm).

Diese Größe konnte erreicht werden, weil die Mir als erste Raumstation, komplett in Modulbauweise konzipiert war. Das heißt, das die Raumstation in mehreren Etappen durch Module erweitert wurde, und nicht in ihrer finalen Ausbauform ins All geschickt wurde (dieses System wurde bereits bei der Saljut 7 getestet).

Große Visionen

Wie immer bei solchen Durchbrüchen in der Raumfahrt, waren mit der erfolgreichen Umsetzung utopische Zukunftsvisionen verbunden. So zitierte die dpa den damaligen stellvertretenden Direktor des sowjetischen Raumforschungsinstitutes, Wjatscheslaw Balebanow, der eine Weltraumstadt mit Wissenschaftlern, Industriekomplexen, Geschäften, Krankenhäuser und Kindergärten in Aussicht stellte.

Da der Niedergang des herrschenden politischen Systems damals bereits absehbar war, aber auch weil die optimistischen Kalkulationen für ein solches Projekt mit der damaligen (und auch der heutigen) Technologie nicht umsetzbar waren, wurde nichts aus der Weltraumstadt. Aber immerhin folgte mit der Internationalen Raumstation ISS 1998 ein internationales Vorzeigeprojekt, das die Mir, nach einigen Jahren parallelen Betriebs, ablöste und mittlerweile seit fast 20 Jahren im Dienst steht und immer noch weiter ausgebaut wird.

Weitere Retro-Themen in unseren #ThrowbackThursdays:

Das Tinder der späten 90er

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.