Es ist denkbar, dass in ein Zimmer des Hamburger Albertinen-Krankenhauses in den nächsten Tagen kistenweise Post und Briefe getragen werden. Dort liegt ein Mann hilflos im Bett, an den gerade ganz viele Menschen schreiben, ohne ihn zu kennen. Reinhard Beeck soll Post bekommen als Therapieunterstützung: Briefe und Postkarte gegen die Folgen des Schlaganfalls. Losgetreten hat das sein Sohn.

Torsten Beeck hatte den Gedanken, weil er sonst so wenig tun kann. Und weil er sich als Leiter Social Media bei Spiegel Online ausrechnen konnte, dass sein Aufruf Resonanz haben wird.

Erste Postkarten sind schon unterwegs

Ihn kennen viele Menschen auf Twitter, sein 139 Zeichen langer Aufruf vom Dienstagabend war am Mittwochnachmittag schon fast tausendfach weitergeleitet worden. Es finden sich in den Kommentaren und Antworten etliche Fotos von Briefen und Postkarten, die bereits in der Post sind.

Seinem Vater geht es nach dem Schlaganfall nicht gut, sagt Torsten Beeck unserer Redaktion. Monate wird Reinhard Beeck noch im Krankenhaus verbringen müssen, und die Ärzte können nicht sagen, ob er wieder der Alte werden wird.

— Torsten Beeck (@TorstenBeeck) August 8, 2017

Seinem Vater geht es nach dem Schlaganfall nicht gut, sagt Torsten Beeck unserer Redaktion. Monate wird Reinhard Beeck noch im Krankenhaus verbringen müssen, und die Ärzte können nicht sagen, ob er wieder der Alte werden wird.

Das liegt nicht an den Medizinern, die wenig Einfluss haben, seitdem sie das fatale Gerinnsel besiegt haben. Den restlichen Kampf zurück ins Leben muss der Körper vor allem alleine führen.

„Man will aktiv werden“

Diese Erkenntnis war die nächste Belastung, nachdem der Schock der ersten 48 Stunden nicht mehr das Denken lähmte. „Wenn man sonst einen Plan hat und gerne auch noch einen Plan B, dann ist das schwer auszuhalten“, sagt Beeck. „Man will pragmatisch sein, aktiv werden.“

Beeck kam dann im Urlaub mit den Kindern in Österreich – „die brauchen trotzdem Ferien“ – der Gedanke, was seinem Vater helfen könnte: Geistige Anregung. Er und die Kinder schicken täglich eine Karte, die dann seine Schwester und sein Onkel dem Vater am Bett vorlesen. Nun soll noch viel mehr Post kommen. „Was hat man im Krankenhaus denn schon an Gesprächsstoff? Es hilft ihm sehr, wenn er intellektuell gefordert wird.“

Post-Aktion mit Sinn

Das kann bei Schlaganfallpatienten abhängig von der konkreten Diagnose der Fall sein, bestätigt Mario Leisle von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Vor allem könne das aber auch ein anderes Risiko mindern: „Es ist wenig bekannt, dass rund ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten in eine Depression gleiten, die so genannte Post Stroke Depression.“

Betroffene glaubten dann oft nicht mehr an den Erfolg der Rehabilitation und arbeiteten nicht mehr dafür, so Leisle. „Um das zu vermeiden, braucht der Patient so viel Zuspruch wie nur möglich, um wieder positive Aspekte zu erkennen und eine Perspektive entwickeln zu können.“ Da ergebe die Post-Aktion wirklich Sinn.

Hamburger Krankenhaus für Post gewappnet

Torsten Beeck rechnet nicht damit, dass die Klinik in Post ertrinken wird. „Wenn das 100 Karten werden, dann ist das schon toll.“ Die Reaktionen auf Twitter haben ihn bereits gerührt, sagt er. Auch Hinweise und Hilfsangebote hat er über persönliche Nachrichten erhalten, berichtet er.

Der Schritt vom Weiterverbreiten eines Aufrufs im Netz bis zum Handeln sei eben doch ein großer, „dann tatsächlich eine Karte zu kaufen und zu verschicken, ist doch noch einmal etwas ganz anderes“.

Das Albertinen-Krankenhaus ist auf jeden Fall gewappnet: „Wir freuen uns immer, wenn unsere Patienten Zuwendung erhalten“, sagt Sprecherin Gabi Stoltenberg, „natürlich auch in Form von Post!“

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