Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät Anwendern, zunächst auf Online-Banking in einem mit WPA2 gesicherten Netzwerk zu verzichten. Auch vom Einkaufen im Netz via WLAN warnt das BSI, obwohl die meisten Online-Händler einen verschlüsselten Übertragungsweg anbieten, der nicht vom WPA2-Standard abhängt. Nur das kabelgebundene Surfen oder Mobilfunkverbindungen seien derzeit sicher: „Nutzen Sie Ihr WLAN-Netzwerk so, als würden Sie sich in ein öffentliches WLAN-Netz einwählen, etwa in Ihrem Lieblings-Café oder am Bahnhof“, heißt es beim BSI.

Experten sehen WPA2-Sicherheitslücke gelassener

Der Appell des BSI ist bei Experten auf Kritik gestoßen. „Mir erscheint die generelle Warnung vor Online-Banking und Shopping im eigenen WLAN als überzogen, wenn die Kanäle jeweils selbst (mit https:// oder VPN) verschlüsselt sind“, sagte der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Linus Neumann, der Deutschen Presse-Agentur.

CCC-Sprecher Neumann räumte aber auch ein: „In der Tat kann man bei korrekt verifizierten SSL- oder VPN-Verbindungen die Schwachstelle gelassen sehen. Allerdings wissen Laien nicht immer, was alles zu beachten ist, um eine SSL-Verbindung korrekt zu überprüfen. Vermutlich rät das BSI daher an dieser Stelle zu einer erhöhten Vorsichtsmaßnahme.“

Zuvor hatten bereits führende IT-Unternehmen die tatsächliche Gefahr der Lücke im Verschlüsselungsprotokoll relativiert. Microsoft verwies darauf, dass ein Angreifer sich in unmittelbarer Nähe des WLAN aufhalten müssen. Außerdem müsse er in der Lage sein, eine technisch aufwendige „Man-in-the-middle“-Attacke auszuführen. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass die Lücke in der Praxis bislang irgendwo ausgenutzt worden sei.

WPA2-Lücke durch erste Anbieter geschlossen

Einen Tag nach Bekanntwerden der gravierenden Sicherheitslücke in der WLAN-Verschlüsselung haben erste Anbieter von Geräten und Software die Schwachstelle gestopft. Mehrere Spezialisten für Netzwerk-Technik wie Cisco, Intel, Netgear und Aruba veröffentlichten bis Dienstag entsprechende Sicherheits-Updates. Bei Microsoft wurde die Sicherheitslücke bereits in den frisch veröffentlichten Software-Aktualisierungen berücksichtigt. Apple schloss die Lücke in den aktuellen Beta-Versionen seiner Betriebssysteme, die demnächst für alle verfügbar sein sollten.

Ältere Versionen der Verschlüsselungsmethode schon vor Jahren ausgesondert

Sicherheitsforscher der Katholischen Universität Löwen hatten eine gravierende Sicherheitslücke in dem Verschlüsselungsprotokoll WPA2 entdeckt, mit dem WLAN-Hotspots abgesichert werden. Das Computer Emergency Response Team (CERT) der USA warnte einem Bericht von „ArsTechnica“ zufolge davor, dass nach den Erkenntnissen der Forscher aus Belgien Internet-Verbindungen gekapert, belauscht und manipuliert werden könnten, die mit WPA2 geschützt werden.

WPA2 ist ein Verschlüsselungsverfahren zur Absicherung eins WLANs, das bislang als sicher galt. Ältere Standards wie WPA und WEP wurden schon vor Jahren als nicht mehr sicher ausgemustert. Die Forscher in Löwen entdeckten nach eigenen Angaben nun einen Fehler in dem vierstufigen Verfahren, mit dem bei WPA2 die Schlüssel von Sender und Empfänger in einem WLAN ausgetauscht werden. Im dritten Schritt kann der Schlüssel mehrmals gesendet werden. Diese Sicherheitslücke habe ermöglicht, die Verschlüsselung zu knacken.

Mit WPA2 soll zum einen dafür gesorgt werden, dass nur berechtigte Nutzer sich in ein WLAN einloggen können. Das Verschlüsselungsverfahren soll aber auch verhindern, dass die drahtlos übertragenen Daten von Unbefugten mitgeschnitten werden können. Außerdem verhindert die Verschlüsselung, dass Daten auf dem Übertragungsweg manipuliert werden.

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