In der heutigen Zeit kann die Partnersuche eine Herausforderung sein, wenige wollen sich längerfristig binden, und doch warten die sehnen sich die meisten nach dem Traumpartner. Immer mehr Menschen versuchen ihr Glück auf Dating-Portalen, mit teils gefährlichen Konsequenzen, wie Verbraucherschützer vor kurzem feststellten: Von Abofallen bis Abzockern finden Nutzer auf Tinder, Parship und Co. Vieles – außer den perfekten Partner.

Alan sucht seine Traumfrau

Auf ähnliche Probleme ist wahrscheinlich auch Alan (37) bei der Suche nach seiner Traumfrau gestoßen und erstellte kurzerhand die Seite idealwoman.info, auf der er seine Ansprüche an seine zukünftige Lebenspartnerin formuliert.

Das Ergebnis Ergebnis ist abstrus: Alan gibt sich als Mann, der denkt er sei ein Freigeist, Macher und Träumer, nur, um genau das Gegenteil zu beweisen. Seine Wertvorstellungen scheint er aus den 50er Jahren übernommen zu haben,

Seine Erwartungen an einer mögliche Partnerin lassen seinem potenziellen Gegenüber nicht viel Platz für eine freie Entfaltung, im Gegenteil. Alan formuliert einen sexistischen “Einkaufszettel”, der am Ende genau seiner Kritik an der heutigen Zeit entspricht. Denn Alan meint eigentlich, der moderne Mensch sei zu sehr auf sich selbst konzentriert, Selbstliebe ein großes Problem.

Und so sollte Alans Traumfrau sein:

  • Sie sollte ihren Körper respektvoll behandeln, Sport treiben und sich gesund ernähren.
  • Sie sollte stilvolle Kleidung tragen. Besonders mag Alan hochgeschnittene Jeans, High Heels mit Absätzen sind dagegen ein No-Go.
  • Kaffee, Zigaretten und Drogen sollte sie nur selten zu sich nehmen.
  • Sie darf keine Sklavin der Arbeit sein. Ein normale Arbeitszeit von 9-17 Uhr wäre für Alan bereits zu viel.
  • Sie darf keine Kinder haben oder sich in Zukunft Nachwuchs wünschen.
  • Sie darf keine unnatürliche Frau sein, für die nur Mode, Arbeit, Konsum und Urlaub wichtig ist.
  • Sie sollte abenteuerlustig und aufgeschlossen sein.
  • Sie will die meiste Zeit ihres Lebens mit Alan verbringen.
  • Sie liebt die Natur.
  • Ihr Charakter ist dynamisch, verspielt und kindlich, aber sie weiß, wenn eine Situation ernst ist.

Auf seiner Homepage setzt er sein Pamphlet noch ewig fort. Wie das von Alan gewünschte Leben seiner Traumfrau zur Realität passen soll, ist zweifellos fraglich.

  • Wie soll sie wissen, sich stilvoll zu kleiden, wenn Mode nicht für sie wichtig sein darf?
  • Wie kann sie abenteuerlustig sein, interessante Hobbys verfolgen und ein ausgeglichenes Leben führen, wenn sie keinem Job nachgehen darf, in dem sie das nötige Geld für diese Aktivitäten verdient?
  • Wie möchte Alan eine frei denkenden Partnerin finden, wenn er ihr keine eigene Freiheit gewährt, sondern bereits im Voraus ein festes Bild von ihr hat?

The Ideal Woman Paradox

Ob die Website ernst gemeint ist und ob überhaupt Alan eine reale Person ist, bleibt unklar. Dass man den „idealwoman“-Alan nicht ernstnehmen kann, ist dem Leser wohl bereits zu Beginn des “Essays” klar. Er übernimmt die Argumentationsstruktur des Fermi Paradoxons und stellt das “Ideal Woman Paradoxon” auf. Das Fermi Paradoxon versucht zu beschreiben, warum die Menschheit bisher noch kein anderes intelligentes Leben im All fand, obwohl das Weltall vermutlich unendlich groß ist.

Und auf diese Ebene übertragen, ist Alans „Aufruf“ nichts mehr als Geschwafel: Er glaubt, irgendwo auf der Welt müsse es eine Frau geben, die ihm intellektuell, sozial und physisch gewachsen ist. Da sie jedoch derart perfekt sei, habe sie bisher keinen adäquaten Partner in der echten Welt gefunden und es deswegen online versucht. Auch hier sei sie nicht auf einen”Alan” gestoßen und habe deswegen die Partnersuche komplett aufgegeben.

Genau diese hypothetische Frau will Alan mit seiner Website erreichen. Ob er jemals erfolgreich ist, steht glücklicherweise in den Sternen. Doch beweist das Verhalten des Italieners vor allem eines: Die aktuelle Sexismusdebatte rund um Harvey Weinstein und dem Hastag „Metoo“, unter dem Frauen von sexuellen Übergriffen berichten, ist anscheinend auch in der heutigen Zeit noch nötig. Und es scheint zu sich langsam etwas zu bewegen: Auf Twitter bekennen sich Männer unter #IHave zu ihren sexuellen Belästigungen.

In den sozialen Medien sorgt Alan mit seiner Partnersuche seit längerem für Aufmerksamkeit. Nutzer bezeichnen ihn als Psycho und fragen sich, ob sein „Aufruf“ tatsächlich ernst gemeint ist.

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