Im Schatten von Bitcoin gibt es mittlerweile insgesamt mehr als 3000 Kryptowährungen. Die 1364 digitalen Währungen, die auf CoinMarketCap gelistet sind, werden auf 7558 Marktplätzen gehandelt und erreichen zusammengerechnet eine Marktkapitalisierung von knapp 600 Milliarden Dollar. Viele der alternativen Coins – sogenannter AltCoins – sind kaum bekannt, haben weder ein Produkt noch ein Proof-of-Concept und schaffen es dennoch für einen Hype zu sorgen und Millionen, manchmal sogar Milliardenbeträge einzusammeln. Wie geht das?

Online-Kampagnen

Natürlich hängen derartige virale Hypes von vielen verschiedenen Faktoren ab, die es einzeln zu analysieren gilt. Eine Zutat für ein erfolgreiches Hype-Rezept sind jedenfalls so genannte Kampagnen, bei denen Nutzer in der neuen Währung bezahlt werden, um für positive Stimmung in den sozialen Netzwerken, Blogs und Foren zu sorgen.

Bevor eine Kryptowährung an einem Marktplatz startet (ICO), wird in der Regel bekanntgegeben, wie viele Anteile der Währung verfügbar sein werden und zu welchem Preis sie vor dem Start (Pre ICO) erstanden werden können. Erst beim Marktstart selbst stellt sich heraus, wieviel Kapital insgesamt vorhanden ist und welcher Wert sich für die einzelnen Anteile daraus ergibt.

Damit so viele Nutzer wie möglich am Pre-ICO teilnehmen und bereits vorab Geld in eine neue Kryptowährung stecken, wird versucht, mithilfe so genannter Kampagnen ihr Vorhaben so bekannt wie möglich zu machen.

Kampagnen ähneln sich

In der Regel ähneln sich die Kampagnen aller Kryptowährungen stark. Detaillierte Ausschreibungen finden sich meist auf bitcointalk.org. Die Kampagnen sind aufgeteilt auf die verschiedenen Kanäle: Twitter, Facebook, Telegram, Slack, Blogs, Postings auf Reddit und anderen Foren inklusive Moderation und Übersetzungen in verschiedene Sprachen.

Auf jedem dieser Kanäle müssen unterschiedliche Aufgaben und Anforderungen erfüllt werden. Erledigt ein Nutzer die vorgegebenen Aufgaben, so erhält er entsprechend viele Tokens der neuen Kryptowährung.

Gesamtbetrag wird aufgeteilt

Beispiel Twitter: Für die Twitter-Kampagne schreibt das Unternehmen hinter der neuen digitalen Währung einen Gesamtpot aus. Je nachdem wie viele Nutzer die Aufgaben der Kampagnen erledigen, teilt sich der ausgeschüttete Gesamtbetrag auf die Nutzer auf.

Will ein Nutzer an der Twitter-Kampagne teilnehmen, so ist eine Registrierung notwendig. Um überhaupt zugelassen zu werden, müssen die Nutzer in der Regel eine bestimmte Anzahl an echten Followern haben. Um Tokens vorab zu erhalten, müssen die Teilnehmer meist vorgegebenen Accounts folgen und deren Postings retweeten. Außerdem müssen sie pro Woche eine bestimmte Anzahl positiver Tweets über den bevorstehenden ICO verfassen. Am Ende der Kampagne wird abgerechnet und die Nutzer die am aktivsten waren, bekommen anteilig die meisten Tokens.

Kampagne soll positive Stimmung erzeugen

Die Kampagnen der anderen Kanäle laufen meist ähnlich ab. Auf Reddit beispielsweise wird von den Kampagnen-Teilnehmern ständige Aktivität, sowie positive Postings und genehme Antworten auf Fragen anderer Nutzer erwartet; auf Telegram, Facebook und Slack ebenso. Schreibt man einen Blogpost über ein Projekt oder stellt ein kurzes Erklär-Video auf Youtube, erhält man in der Regel die meisten Tokens.

Beim Marktstart der Kryptowährung stellt sich dann heraus, welche Früchte die einzelnen Kampagnen getragen haben und wieviel in die neue digitale Währung investiert wurde. Hat man als Kampagnen-Teilnehmer Glück, so können für ein paar Tweets und ein paar Postings schnell ein paar Euro zusammenkommen. Steigt der Kurs nach dem ICO noch zusätzlich sprunghaft an, so können daraus auch schon mal ein paar hundert Euro werden.

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Objektiver Überblick ist schwierig

Dass in der Kryptoszene mit Unwahrheiten, Verunsicherung und geschürten Ängsten gearbeitet wird, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn aber darüber hinaus auch noch zahlreiche dieser Posting, Blogbeiträge und Erklär-Videos gekauft sind, wird es für Interessenten nahezu unmöglich, sich einen objektiven Überblick über die einzelnen Projekte zu verschaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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