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Überwachung total: China will den gläsernen Bürger

600 Millionen Kameras mit Gesichtserkennung und ein Punktesystem, das Bürger bewertet und „schlechtes“ Verhalten umgehend bestraft, sollen die Bürger Chinas unter Kontrolle behalten.

Überwachungskameras in China
Totale Überwachung: Mit bis zu 600 Millionen Kameras will das Land seine Bürger ab 2020 ständig beobachten – Gesichtserkennung inklusive. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Dass China es den eigenen Bürger schwer macht, sich zu informieren, ist bekannt. Zensur im Netz ist dort an der Tagesordnung. Die Maßnahmen, die die Regierung des kommunistischen Landes nun aber umsetzt, gehen weit über „einfache“ Zensur hinaus und lassen erkennen, dass die Staatsführung ein klares Ziel verfolgt: Sie will den gläsernen Bürger erschaffen.

600 Millionen Überwachungskameras

Wie die Stern in seiner Online-Ausgabe berichtet, setze das riesige Land den Ausbau seiner Kameraüberwachung fort. Aktuell hingen im ganzen Land verteilt rund 180 Millionen Überwachungskameras, die, der Gesichtserkennung sei Dank, rund 1,4 Milliarden Chinesen überwachen. Bis 2020 soll das Projekt, das in China unter dem Namen „Xue Liang“ (in etwa: Adleraugen) läuft, abgeschlossen und auf 600 Millionen Kameras aufgerüstet sein.

Verstecken ist unmöglich

Welche Konsequenzen dieses System bereits heute für die Bürger des kommunistischen Landes hat, zeigt ein Beispiel: Ein 31-jähriger Mann, der wegen eines angeblichen Wirtschaftsverbrechens gesucht worden war, hatte ein Stadionkonzert mit rund 60.000 Besuchern nutzen wollen, um in den Menschenmassen vor der Polizei unterzutauchen. Die smarten Kameras hatten sein Gesicht in dem Menschenmeer jedoch erkannt, die Polizei hatte leichtes Spiel und konnte den Gesuchten problemlos aus dem Stadion abführen, wie der Stern ausführt.

Bezahlen via Gesichtserkennung

Doch nicht nur bei der Strafverfolgung kommen die intelligenten Systeme zum Einsatz. Auch im Alltag setzen immer mehr Chinesen auf die vermeintlich bequeme Methode der Gesichtserkennung. Sei es nun zur Bezahlung im Fastfood-Restaurant oder am Eingang des Studentenwohnheims: Mittlerweile setzen 400 Millionen Einwohner des Landes auf die Identifikation per Gesicht.

Besonders abstrus: Selbst auf einigen öffentlichen Toiletten scannen die Kameras die Gesichter der „Kunden“ und rationieren das Toilettenpapier – maximal 60 Zentimeter pro Anwohner sind drin, mehr gibt es nicht. Was der Papierverschwendung Einhalt gebieten soll, greift am Ende in einen der intimsten Momente des Menschen ein.

Punktesystem geplant

Um die Kontrolle der eigenen Bevölkerung komplett zu machen, folgt ab 2020 ein weiterer Schritt hin zum Überwachungsstaat. Wie futurezone bereits berichtete, will die Regierung ein Punktesystem („Social Credti System“) etablieren. Unter dem Motto „Vertrauen bestätigen ist glorreich, Vertrauen missbrauchen ist schändlich“ will die Führung in Peking eine Art digitales Führungszeugnis für jeden Bewohner des Landes einführen.

In die Bewertung der Bürger einfließen sollen Daten von Online-Plattformen und Behörden, von Verwaltungsübertretungen über Online-Verhalten bis zur Einkaufshistorie. Das System soll – zeitgleich mit dem Ausbau der Überwachungskameras – 2020 einsatzfähig sein. Ab dann wird jeder Bürger eine Note für sein Verhalten bekommen. Schlechte Bewertungen können ernsthafte Konsequenzen für die Betroffenen nach sich ziehen, wie beispielsweise der Business Insider berichtete. Denkbar seien beispielsweise Reiseverbote, Drosselungen der Internetgeschwindigkeit oder die Verweigerung eines Studiums an einer der staatlichen Hochschulen. Netflix’s Dystopie-Serie „Black Mirror“ lässt grüßen.

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In Deutschland starteten vor einiger Zeit erste Pilotprojekte zum Thema Gesichtserkennung. Die zu Testzwecken am Berliner Bahnhof Südkreuz installierten Kameras sorgten bereits vor Beginn des Projekts für heftige Kritik von Datenschützern und Bürgerinitiativen.

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