“Was darf Facebook” war eine oft gestellte Frage, seit dem Bekanntwerden des Cambridge Analytica-Datenskandals. Zwar sagte Mark Zuckerberg bereits vor dem US-Kongress aus, doch rechtliche Konsequenzen blieben bisher aus.

Genauso unklar ist die Situation, wenn diese Frage umgedreht wird. Was dürfen die User auf Facebook? Dass Drogenhandel, Pornografie und Hate-Speech auf der Plattform verboten sind, ist selbstverständlich. Doch was ist mit Fotos, die stillende Mütter zeigen, Satire, oder Äußerungen, die gerade noch so durch die Meinungsfreiheit vor Löschung geschützt sind. In diesen und unzähligen weiteren Fällen ist oftmals nicht ersichtlich, weshalb Facebook einen Post gelöscht hat.

Keine genauen Angaben

Damit die Nutzer besser einschätzen können, welche Inhalte publiziert werden dürfen, und wie mit anderen Nutzern interagiert werden darf, hat Facebook jetzt seine Gemeinschaftsstandards überarbeitet. Einschätzen ist in diesem Fall das richtige Wort, denn in dem rund 30 Seiten langen Dokument sagt Facebook alles, aber auch nichts. Häufig sind in den neuen Richtlinien bloß leere Worthülsen zu lesen, ohne dass diese erklärt werden. Ein Beispiel: Facebook verbietet taktlose Inhalte, bleibt dem User jedoch eine Erklärung schuldig, was unter taktlos zu verstehen ist.

Du sollst nicht lügen

Dennoch lässt sich in den neuen Richtlinien viel Wissenswertes erfahren, das dabei hilft, das Netzwerk als Ganzes besser zu verstehen. Spätestens nach dem Lesen der ersten Kapitel wird ein zentrales Paradigma des Dokuments offenkundig: Du sollst nicht lügen!

Fake News bleiben erlaubt

Interessanterweise trifft die aus der Bibel als 8. Gebot bekannte Vorschrift nicht auf das oft diskutierte Phänomen der Fake News zu. Facebook wolle zwar insbesondere die Verbreitung solcher Falschmeldungen reduzieren, mit denen Unternehmen Geld verdienen, ein explizites Veröffentlichungsverbot besteht jedoch nicht.

Das gilt für die Nutzer

Vielmehr möchte das Netzwerk, dass der Durchschnittsnutzer keine persönlichen Unwahrheiten verbreitet. So dürfen Nutzer nicht behaupten, dass sie Opfer einer Gewalt- oder Naturkatastrophe gewesen, wenn dies in Wahrheit nicht zutreffend ist. Auch sei es verboten, die Beteiligung echter Opfer einer Gewalttat in Frage zu stellen.

Ebenso gibt Facebook bei den Profilangaben strenge Richtlinien vor. Der in Deutschland illegale Klarnamenzwang gilt weiterhin. Zwar gibt Facebook in den Namensrichtlinien an, dass der angegeben Name dem Rufname entsprechen dürfe, der den Freunden bekannt ist. Im Nachsatz wird jedoch darauf hingewiesen, dass dieser ebenso in einem Ausweisdokument zu finden sein müsse.

Profil muss authentisch sein

Fraglich ist, was mit dem Gebot zur Erstellung eines authentischen Profils gemeint ist. Wäre ein Bild, das den Profilbesitzer vor einer fremden Luxuskarosse zeigt, bereits als nicht-authentisch einzuschätzen?

Möchten Menschen ihr wahres Alter nicht verraten, ist dies auch nicht möglich. Die Angabe eines falschen Geburtsdatums ist nicht gestattet.

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Facebook will beliebter werden

Der Versuch, mit den neuen Gemeinschaftsstandards das Löschverhalten besser zu erklären, ist Facebook misslungen. Dabei sollte Facebook gerade jetzt daran gelegen sein, das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen. Nach dem Datenskandal kündigten unzählige Nutzer an, ihre Facebook-Accounts zu löschen; zu häufig habe sie das Netzwerk in der letzten Zeit enttäuscht.

Besonders hypokritisch erscheint daher Facebooks Appell an die User, keine Lügen zu verbreiten. Wie kann ein Unternehmen aufrichtiges Verhalten einfordern, wenn es sich in der Vergangenheit alles andere als aufrichtig verhalten hat.

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