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#DeleteFacebook: Warum viele Nutzer jetzt ihren Account löschen

Bereits seit zwei Jahren ist bekannt, dass Cambridge Analytica Zugang zu unzähligen Datensätzen hatte, doch erst jetzt sperrte Facebook das Unternehmen für die unerlaubte Nutzung der Informationen.
Bereits seit zwei Jahren ist bekannt, dass Cambridge Analytica Zugang zu unzähligen Datensätzen hatte, doch erst jetzt sperrte Facebook das Unternehmen für die unerlaubte Nutzung der Informationen.
Foto: Pixabay
Nachdem vor Kurzem publik wurde, dass eine Datenanalyse-Firma während des Wahlkampfes von Donald Trump unerlaubt Zugang zu Informationen von über 50 Millionen Facebook-Nutzern hatte, rufen Twitter-User zum Boykott des sozialen Netzwerkes auf.

Auf Twitter geben derzeit viele Nutzer bekannt, dass sie ihren Account bei Facebook löschen wollen. Über längere Zeit trendete der Hashtag #deletefacebook und vor allem US-Amerikaner zeigten in Screenshots, wie sie ihr Profil oder ihre Posts löschten.

Der Lösch-Aufruf wurde ausgelöst von einem Bericht der New York Times. Darin heißt es, dass sich eine Datenanalyse-Firma aus dem Wahlkampf von Donald Trump unerlaubt Zugang zu Daten von über 50 Millionen Nutzern verschaffen konnte. Cambridge Analytica hatte die Nutzerdaten vom britischen Professor Aleksandr Kogan bekommen, der bei Facebook eine Umfrage durchgeführt hatte. Sie war beim Online-Netzwerk als wissenschaftliche Persönlichkeitsforschung angemeldet worden.

App verrät Nutzer

Die Facebook-App mit der Umfrage sei rund 270.000 Mal heruntergeladen worden, erklärte Facebook. Nutzer, die sie ausfüllten, erklärten sich einverstanden damit, dass Kogans Firma ihre Antworten und Daten bekommt. Zugleich bekam er über Facebooks Schnittstellen aber auch Zugang zu einigen Profil-Grunddaten von ihren Freunden, wenn deren Datenschutz-Einstellungen dies zuließen. Nach Informationen der Zeitung „Guardian“ öffnete jeder, der die Umfrage ausfüllte, Zugriff auf solchen Daten von im Schnitt 160 weiteren Nutzern.

Facebook reagierte am Wochenende und sperrte Cambridge Analytica aus – zwei Jahre, nachdem das Datenleck erstmals bekannt geworden sein soll. Die Firma habe unrechtmäßig erhaltene Daten entgegen früheren Zusicherungen nicht vernichtet, hieß es zur Begründung. Cambridge-Analytica-Gründer Christopher Wylie, der mit dem „Guardian“ und der „New York Times“ über die Datennutzung in Trumps Wahlkampf sprach, wurde der Zugang zu seinen Accounts bei Facebook und Instagram genommen.

Manifest spricht sich für Accountlöschung aus

Die Affäre bewegt nun viele Nutzer dazu, ihren Account zu löschen. „Techcrunch“-Autor John Biggs schrieb ein kleines Manifest, warum er alle seine Posts, Fotos und Likes löscht: „Denkt darüber nach: Einträge, die älter als eine Woche sind, sind Futter für Bots und böse Akteure. Posts von 2016? 2017? Warum sollte man sie behalten? Niemand wird sie lesen oder sich darum kümmern.“ Mit Facebook hätten die Nutzer ein umfassendes Dossier von sich angelegt – inklusive Bildern des Gesichts von allen möglichen Seiten.

Dabei ist es gar nicht so einfach, den eigenen Account bei Facebook zu löschen. Zunächst gibt es in den Einstellungen die Möglichkeit, das Konto zu „deaktivieren“. Dabei wird das Konto allerdings nicht gelöscht, sondern nur stillgelegt. Sämtliche Daten, Beiträge und Chats bleiben auf den Facebook-Servern erhalten. Wer sich nach der Deaktivierung wieder anmeldet, kann Facebook wie gewohnt weiter nutzen.

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Dauerhaft löschen können Facebooknutzer ihr Konto nur über einen kleinen Umweg. Dazu klickt man auf das Fragezeichen-Symbol und tippt „Konto löschen“ in das Suchfeld ein. In der folgenden Mitteilung folgt ein Klick auf „teile es uns mit“. Wer diesem Dialog weiter folgt, beantragt bei Facebook die dauerhafte Löschung des Kontos ohne Möglichkeit der Wiederherstellung.

Bis alle Daten gelöscht werden, können hier laut Facebook bis zu 90 Tage vergehen. Einige Daten bleiben auch weiterhin erhalten, etwa Chatnachrichten.

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