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Überwachung am Südkreuz: Jetzt mit Situationserkennung

Nach dem ersten Test der Videoüberwachung am Berliner Südkreuz versucht die Bundespolizei es nun mit Situationserkennung. Protest gab es von Anfang an zuhauf.
Nach dem ersten Test der Videoüberwachung am Berliner Südkreuz versucht die Bundespolizei es nun mit Situationserkennung. Protest gab es von Anfang an zuhauf.
Foto: imago/Bildgehege
Artikel von: Philipp Rall
Die Gesichtserkennung ist derzeit vielerorts ein heiß diskutiertes Thema. Am Berliner Südkreuz sucht man nach effektiven Alternativen – mit abnormalen Situationen.

Vor allem in chinesischen Großstädten zieht sich die Überwachungsinfrastruktur mittlerweile sogar bis in die Schulen. Hierbei setzen Hersteller und Betreiber meist auf Technologien zur Gesichtserkennung, die es ermöglichen sollen, verdächtige Personen auch in einer Menschenmenge ausmachen zu können. Doch was wäre, wenn diese Systeme darauf trainiert würden, erst im Ernstfall anzuspringen?

Kameraüberwachung in Berlin-Südkreuz

Gerade erst hat ein Test der automatischen Gesichtserkennung am Bahnhof Südkreuz in Berlin sein Ende gefunden, da wird auch schon die nächste Runde eingeläutet. Im Rahmen dieses neuen Versuchs soll festgestellt werden, inwiefern die verwendete Software dazu in der Lage ist, auf konkrete Situationen anzuspringen. Das heißt, dass die Kameras nicht wie zuvor auf Gesichter achten, sondern erst dann reagieren sollen, wenn eine Situation merklich von der Norm abweicht.

Wenngleich dieses nächste Projekt bereits kurz bevorsteht, ist doch noch nicht klar, wann die Ergebnisse des ersten Tests offengelegt werden. Golem berichtet, dass der ehemalige Bundesinnenminister de Maizière bereits Mitte Dezember vergangenen Jahres ein überwiegend positives Zwischenfazit gezogen hatte. Wider die Kritik und seinen eigenen Erwartungen lag die Erkennungsquote der Kameras bis dato zwischen 70 und 85 Prozent.

Situations- statt Gesichtserkennung

Zwar mag der Versuch der Bundespolizei zur Überwachung am Südkreuz vorerst abgeschlossen sein, so werden die Kameras künftig doch nicht stillstehen. Vielmehr sollen sie künftig von der Bahn selbst genutzt werden, um einen eigenen Test durchzuführen. Sie sollen vorgegebene Situationen erkennen, die entsprechenden Aufnahmen in der Zentrale separat anzeigen und Alarm schlagen.

In welchen Situationen dies geschehen soll, wurde zuvor festgelegt und soll mithilfe von Programmen in die Tat umgesetzt werden. Hierbei handelt es sich beispielsweise um das unautorisierte Betreten gesperrter Bereiche, unbeaufsichtigtes Gepäck oder Menschenmassen, die sich entgegen dem Strom abrupt aufeinander zu- oder voneinander wegbewegen. Außerdem soll das System anschlagen, wenn eine Person am Boden liegt.

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Anders als die zuvor verwendete Software zur Gesichtserkennung soll damit vor allem die Arbeit der zuständigen Fachkräfte vereinfacht werden. Dabei geht es um die Mitarbeiter der Bahn, aber ebenso um Polizisten und Sanitäter. "Die Software weist so auch auf Dinge hin, die wir sonst vielleicht gar nicht erkennen würden. Das ist gut für die Sicherheit der Bahn und ihrer Kunden.", so ein Sprecher.

Verhältnismäßige Überwachung

Bereits im Rahmen des Koalitionsvertrags kündigten CDU und SPD an: "Die Menschen sollen sich auf unseren Straßen und Plätzen sicher bewegen können. Deshalb wollen wir die Videoüberwachung an Brennpunkten einsetzen, sie verhältnismäßig und mit Augenmaß effektiv ausbauen und dabei auch technisch verbessern. Intelligente Videoüberwachung kann dabei eine Weiterentwicklung sein. Deswegen werden wir den laufenden Modellversuch abwarten, prüfen und bewerten."

Aus diesem Grund will man zunächst abwarten, was die Ergebnisse des Tests der Bundespolizei hervorbringen, bevor man die Überwachung weiter ausweitet. "Mindestens im Bereich des Innenministeriums – also bei Bahnhöfen und Flughäfen" forderte de Maizière bereits im Dezember den flächendeckenden Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die weitere Überwachung am Südkreuz künftige Entscheidungen beeinflussen wird.

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