Mit Stan Lee ist am 12. November 2018 nicht nur ein US-amerikanischer Comicautor verstorben, sondern auch eine Legende. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jack Kirby schuf Lee 1961 die „Fantastic Four“. Es folgten Hulk, Iron Man, Thor und die X-Men. Lee und Kirby traten mit den Figuren und ihren Geschichten eine revolutionäre Popkultur los, mit der nicht einmal mehr DC mithalten kann, das Studio, das nur wenige Jahre zuvor das Superheldengenre wiederbelebt hatte.

Stan Lee: Die Marvel-Revolution

In verschiedenen Kooperationen schuf Lee auch Daredevil, Doctor Strange und Spiderman – und erfand mit ihnen ein ganzes Genre neu. Anstelle unfehlbarer Idole kreierte er Helden, mit denen sich die Leser identifizieren konnten. Sie hatten Fehler, Krankheiten, Charakterschwächen und bekämpften einander sogar.

In die Verfilmungen des Marvel Cinematic Universe (MCU) wurden diese Charaktere ebenso komplex übernommen, wie sie zuvor von Lee und Co. zu Papier gebracht worden waren. Doctor Strange, ein brillianter Chirurg, der nach einem Autounfall nicht mehr arbeiten kann und an seiner eigenen Arroganz zu nagen hat, und der Gamma-verstrahlte Doctor Banner, der mit seinen inneren Dämonen in Form von dem Wutmonster Hulk zu kämpfen hat, sind nur zwei Beispiele für die Komplexität dieser unvollkommenen Superhelden.

Neben den bereits durch die Comics bekannten Figuren brachte Stan Lee jedoch auch sich selbst ins MCU ein. In alter Hitchcock-Manier gelang ihm dies durch scheinbar zusammenhanglose Cameos (kleinen Gastauftritten), angefangen mit seinem Erscheinen als Hotdog-Verkäufer in „X-Men“ (2000). Fans fragten sich irgendwann nicht mehr, ob, sondern wann und in welcher Rolle er im nächsten MCU-Film auftauchen würde.

Uatu: The Watcher

Für den normalen Kinogänger mögen Stan Lees Cameos einfach nur ein lustiges Gimmick gewesen sein, der eingefleischte Marvel-Fan begann jedoch schnell mit der Erarbeitung erster Theorien. Denn weder im Marvel-Universum noch im MCU passiert irgendetwas einfach so. Alles hat seinen Grund – und so auch die Gastauftritte Lees.

Die These sieht Stan Lee als einen Watcher, als Mitglied einer uralten Rasse, die sämtliche Geschehnisse des Universums beobachtet und archiviert. Uatu, der Watcher, den Lee verkörpern soll, wird der Erde zugeordnet. Vor Jahren hat er jedoch mit seiner Rasse gebrochen. Statt sich, wie für einen Watcher üblich, aus dem Geschehen seiner Welt herauszuhalten, half er den Fantastischen Vier im Kampf gegen den Weltenzerstörer Galactus.

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Wenngleich Uatu offiziell nur in den Comics auftaucht, im MCU aber nicht beim Namen genannt wurde, bestätigte Lee bereits seine Rolle als Abgesandter der Watcher, mit denen man sie auch im Rahmen seines Cameos in „Guardians of the Galaxy Vol.2“ sieht. Mit seinem Tod wird die Tradition der Stan Lee-Cameos ein jähes Ende genommen haben. Dennoch rekapitulieren wir noch einmal seine Auftritte in der „Avengers“-Reihe.

„Marvel’s The Avengers“ (2012)

Vor nunmehr sechs Jahren startete der erste Film der „Avengers“-Reihe in den Kinos. Man bedenke: Zuvor waren bereits die Geschichten der einzelnen Protagonisten in eigenen Filmen tiefgehend durchleuchtet worden – mit „Ironman“ Tony Stark (Robert Downey Jr.), „Captain America“ Steve Rogers (Chris Evans) und Thor Odinson (Chris Hemsworth).

Im somit sechsten Film des MCU-Franchise sieht man Lee in der Rolle eines Bürgers von New York City. Über die Rettung Manhattans durch die Avengers hat er lediglich zu sagen: „Superhelden in New York? Jetzt hört aber mal auf“. Dann wendet er sich wieder seinem Schachspiel zu.

„Avengers: Age of Ultron“ (2015)

Im zweiten Teil der „Avengers“-Reihe erscheint Stan Lee als ein Veteran bei der Siegesfeier der Superhelden. Er erzählt, er habe am Omaha Beach gekämpft, um zu beweisen, dass er mit dem asgardianischen Schnaps Thors zurecht käme. Am Ende wird er jedoch völlig betrunken weggetragen – nicht aber ohne seinen Slogan „Excelsior“ zu murmeln (circa ab 01:55).

„Avengers: Infinity War“

Auf der Suche nach den Infinity-Steinen schickt Thanos im dritten „Avengers“-Film zunächst seine Lakaien auf die Erde. Peter Parker, alias „Spiderman“ (Tom Holland), schwingt sich aus dem Schulbus, um den restlichen Avengers zur Hilfe zu eilen. Lee ist der Busfahrer, der auf die Aufregung über das UFO eher nüchtern reagiert: „Was ist nur los mit euch Kindern? Habt ihr etwa noch nie ein Raumschiff gesehen?“

Fazit: Nicht die letzte Stan Lee Cameo

Fest steht: Nicht nur Comic-Fans werden die Legende Stan Lee vermissen. Mit seinen Geschichten hat er die Popkultur geprägt und seine Cameos haben jedem Film eine Überraschung hinzugefügt. Für die Zukunft können wir uns allerdings trotz seines Ablebens noch auf mindestens zwei bestätigte Stan Lee-Cameos freuen.

Zum einen wird Lee einen Auftritt im „Captain Marvel“-Film haben, der sich mit dem Ende des dritten „Avengers“-Teils angekündigt hat. Auch der vierte Teil der Serie soll bereits abgedreht sein, weshalb wir auch in der „Infinity War“-Fortsetzung erneut mit seinem Erscheinen rechnen können.

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