Digital Life 

Reportage zeigt, wie Telegram zum Schwarzmarkt-Messenger wird

Wer Drogen kaufen oder anbieten will, nutzt dafür oft Telegram.
Wer Drogen kaufen oder anbieten will, nutzt dafür oft Telegram.
Foto: iStock/MachineHeadz
Drogen, Raubkopien, gehackte Accounts: Das alles ist schon lange nicht mehr nur übers Darknet erhältlich. Auch über Telegram floriert der Schwarzmarkt. Das hat eine Reportage aufgedeckt.

Telegram ist ein Cloud-basierter Instant-Messaging-Dienst, der damit wirbt, dass die Nachrichten stark verschlüsselt werden und sich selbst zerstören können. Das macht den Chat vor allem für die berufliche Kommunikation spannend: Viele Unternehmen verfügen über Telegram-Gruppen, damit sich die Mitarbeiter sicher untereinander austauschen können. Doch auch Schwarzmarkt-Händler nutzen den Messenger – als Darknet Alternative für krumme Geschäfte, wie eine Reportage zeigt.

Der Schwarzmarkt hat seine krummen Geschäfte auf Telegram verlegt

Das Magazin Vice hat für eine Reportage recherchiert, wie der Schwarzmarkt auf Telegram funktioniert. Das ist bitter nötig: Denn obwohl der Messenger oft und gerne für illegale Machenschaften genutzt wird, wird er von der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht beleuchtet.

Dabei ist der Chat bei Dealern und ihren Kunden besonders beliebt. Jeder kann anonym Channels eröffnen, auch Ende-zu-Ende-verschlüsselte Geheimchats lassen alle Spuren verschwinden: Keine Serverspeicherung, ein Selbstzerstörungstimer, eine Weiterleitungssperre, Beschränkung auf ein Gerät.

Channels mit tausenden Mitgliedern entdeckt

Im Rahmen der Recherche stießen die Journalisten auf eine Gruppe mit mehr als 2.000 Mitgliedern: Für Gesuche und Angebote für Drogen in Berlin. Täglich werden dort hunderte Nachrichten hin und her geschrieben: Manche fragen nach Crystal Meth in Schöneberg, andere nach Koks in Pankow.

Der Chat lasse sich durch die Telegram-Suchfunktion oder spezielle Online-Verzeichnisse finden, so Theresa Locker und Sebastian Meineck von Vice. Und es sei bei weitem nicht der einzige dieser Art.

Außerdem fanden sie heraus, was Telegram für Dealer so lukrativ macht: Sie können hier höhere Preise anbieten als im Darknet, gerechtfertigt durch die sofortige Lieferung.

Nicht ohne Risiko

Besonders riskant für alle Beteiligten: Um in Telegram-Gruppen zu kommen, benötigt man nur einen Einladungslink, es könnte sich also jederzeit die Polizei einschleusen.

Tatsächlich wird dort auch ermittelt: "Das Phänomen des Drogenhandels über den Messenger-Dienst Telegram ist uns bekannt", sagte der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) an der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Georg Ungefuk, gegenüber Vice.

Erst kürzlich ist ein gigantischer Drogenmarkt im Darknet aufgeflogen. Für Dealer wird es also wahrscheinlich auch auf Telegram nicht mehr lange so gemütlich sein: Immer wieder werden Drahtzieher festgenommen.

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