Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich auch Anonymous eingeschaltet. Das lose, internationale Hackingkollektiv attackierte Ziele wie russische Staatssender, die Zentralbank des Landes und sogar den Kreml. Diese Sabotageaktionen kommen in der westlichen Öffentlichkeit gut an, doch verschaffen sie uns auch ein Bild darüber, welche Macht die Gruppierungen des Verbundes wirklich haben.

Ukraine-Krieg: Bitkom-Chef fordert Cyber-NATO

Bitkom, der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, hat mehr als 1.000 in Deutschland lebende Menschen ab 16 Jahren befragt: Wie denken sie eigentlich über die Hackerinnen und Hacker? Den Umfrageergebnissen zufolge befürchten gut 61 Prozent der Befragten, dass hacktivistische Gruppen wie Anonymous den Krieg zur unkontrollierbaren Eskalation treiben könnten. Dennoch befürworten rund 56 Prozent die Aktivitäten des Kollektivs. Auch der Bitkom-Präsident Achim Berg äußert sich im Rahmen einer Pressemitteilung zu den Erkenntnissen:

„Die Kriege der Zukunft werden hybrid geführt: im digitalen Raum gleichermaßen wie in der Luft, zu Wasser oder an Land. Auf diese neue Form der Kriegsführung müssen sich Wirtschaft, Staat und Gesellschaft einstellen.“

Achim Berg

Berg betont, dass es essenziell sei, die deutsche Wirtschaft vor digitalen Angriffen zu schützen. Dasselbe gelte für die kritischen Infrastrukturen des Landes. Cybersicherheit muss für den NATO-Raum und seine Partner gesamtheitlich gedacht werden. „Wir brauchen eine Cyber-NATO“, so der Bitkom-Präsident.

Sicherheit vs. Bürokratie

Ein grundlegendes Problem loser Kollektive wie Anonymous ist ihre Undurchsichtigkeit. Sie ist durchaus gewollt, um die Identitäten der Aktivistinnen und Aktivisten zu wahren. Dadurch lässt sich aber nur selten mit Sicherheit sagen, welche konkreten Ziele die unzähligen Untergruppierungen verfolgen. So gaben rund 52 Prozent der Befragten an, sie würden Hackinggruppen nicht vertrauen. 49 Prozent machen die Angriffe sogar Angst.

Eine Cyber-NATO könnte diesen Problemen entgegenwirken. Denn sie würde die Bemühungen in einem zentralen international-staatlichen Programm bündeln. Lediglich die zeitraubende Bürokratie könnte einem solchen Projekt im Weg stehen.

Quelle: Bitkom

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine: Hier kannst du den Betroffenen helfen.

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