In Deutschland gab es allein 2020 rund 34 Millionen Gamerinnen und Gamer. Darunter jene, die nur gelegentlich auf Spiele zurückgreifen. Andere wiederum spielen deutlich häufiger und sogar obsessiv. Ob diese Fälle noch gesund sind oder schon eine Videospielsucht vorliegt, können drei Fragen näher bestimmen.

Potenzial für Videospielsucht: So Gaming-verrückt ist Deutschland

Die Zahl der Gamer:innen hat sich seit Jahren kaum verändert, wie eine Erhebung auf Statista zeigt. Zwischen 2013 und 2020 blieb diese vergleichsweise stabil. Erfasst wurden dazu Personen, die mindestens hin und wieder Computer- und Videospiele nutzen.

Unerheblich sei es dabei, ob PCs, Konsolen, Smartphones, Tablets oder Handhelds zur Anwendung kommen. Das durchschnittliche Alter ist im Laufe der Jahre auf 37 Jahre angestiegen. Zehn Prozent aller Gamerinnen und Gamer sind inzwischen sogar 60 bis 69 Jahre alt.

Wie äußert sich Videospielsucht?

Das Potenzial für Videospielesucht liegt damit nicht unbedingt nur klischeehaft bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei deutlich älteren Menschen. Doch welche Verhaltensweisen gilt videospielsüchtig?

Ganz generell handelt es sich dabei um eine Verhaltenssucht, bei der Betroffene exzessiv spielen und darüber wichtige Aspekte ihres Alltags, wie die Arbeit, andere Interessen und auch soziale Kontakte vernachlässigen, wie NetDoktor beschreibt. Werden Betroffene am Spielen gehindert oder gestört, können sie gereizt und nervös reagieren.

Symptome von Videospielsucht/ Computerspielsucht:

  • starkes Verlangen zu spielen
  • Zunahme der Spieldauer
  • Verlust der Kontrolle
  • Weiterspielen trotz negativer Folgen
  • Heimlichkeit
  • Reizbarkeit (bei Entzug)
  • Depression (bei Entzug)

Dass aus einer Leidenschaft für das Spielen ein Suchtverhalten entstehen kann, liegt unter anderem an einer Überaktivierung des Belohnungszentrums. Aber auch bestehende Risikofaktoren, wie ein geringes Selbstwertgefühl, schwache Selbstkontrolle und sogar genetische Einflüsse können einwirken.

Videospielsucht erkennen: Diese 3 Fragen helfen

Expert:innen gehen bei der Diagnose von videospielsüchtigem Verhalten von einer mindestens über einem Jahr zunehmenden Spieldauer aus sowie dem Auftreten mehrere der oben genannten Symptome wie Kontroll- und Interessenverlust.

Für eine Selbsteinschätzung beziehungsweise um herauszufinden, ob jemand in deinem Umfeld möglicherweise Videospielsucht-gefährdet ist, sind die folgenden kritischen Fragen eine Hilfestellung. Achtung: Eine professionelle Diagnose ersetzen sie nicht.

  • Wie fühlst du dich nach dem Spielen? Bist du entspannt und verjüngt oder beklommen oder darauf aus, weiterzuspielen?
  • Kannst du mit dem Spielen aufhören nach einer angemessenen Zeit?
  • Beeinflusst Spielen dein Leben auf negative Art? Droht dir Jobverlust oder das Ende einer Beziehung?

Hierbei gilt es herauszufinden, ob das Verhalten als gesund oder ungesund zu bewerten ist. Kann es beispielsweise trotz negativer Konsequenzen nicht angepasst werden, raten Experten wie der Therapeut und Gamer David Grammar dazu, professionelle Hilfe zu suchen: „Wenn eine Person nicht reduzieren kann wie lange sie spielt und das ernsthaft ihr Leben beeinträchtigt, dann ist professionelle Hilfe definitiv notwendig.“

Hier findest du Hilfe bei Videospielsucht

Als Krankheit diagnostizierbar ist Videospielsucht bis dato noch nicht eigenständig, da es im internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten (ICD 10) kein konkretes Krankheitsbild dafür gibt. Die Computerspielabhängigkeit wird dort zu sonstigen abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63.8) beziehungsweise dem pathologischen Spielen (F63.0), das eigentlich auf Glücksspiele abzielt, gezählt. Bis zu dessen Aktualisierung auf ICD 11 ist die Erkrankung aber bereits durch die Weltgesundheitsorganisation WHO als solches anerkannt.

Wer Hilfe benötigt, findet bei zahlreichen Anlaufstellen Unterstützung. Dazu zählen unter anderem die Folgenden:

  • Ins Netz gehen: ins-netz-gehen.de
  • Computersucht-Hilfe: computersuchthilfe.info
  • Fachverband Medienabhängigkeit: fv-medienabhaengigkeit.de
  • Erste Hilfe Internetsucht: erstehilfe-internetsucht.de
  • Plan B: https://www.planb-pf.de/jugend-suchtberatung/online-beratung

Die Angebote richten sich dabei sowohl an Betroffene als auch Angehörige und für die allgemeine Information zum Thema. Übrigens: Auch, wer herausfinden will, ob das Potenzial zur Internetsucht besteht, kann einen Selbsttest machen.

Quellen: Statista, Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, NetDoktor, Inverse

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