Netzpolitik 

Berliner CDU fordert, dass Grundschüler ihre Smartphones am Schuleingang abgeben

Für die Berliner CDU ist der Unterricht kein Ort für Handys. Ein Smartphone-Verbot in Grundschulen soll das Problem der Ablenkung lösen.
Für die Berliner CDU ist der Unterricht kein Ort für Handys. Ein Smartphone-Verbot in Grundschulen soll das Problem der Ablenkung lösen.
Foto: imago/ MITO
Dass Handys für Konzentrationsmangel sorgen, ist unlängst bekannt. In Berlin gehen die Bedenken auf politischer Ebene aber so weit, dass ein Smartphone-Verbot in Grundschulen als notwendig angesehen wird.

Auf der jüngsten Klausurtagung des Landesvorstandes der CDU-Fraktion Berlin vom 13. bis 15. April wurde mit dem Antrag 10 der Beschluss "Alle Grundschüler erreichen mit dem 'Masterplan Grundschule' Regelstandards!" gefasst. Unter Punkt sechs des Antrags mit dem Titel "Kritische Medienbildung für Schüler und Eltern ab der 1. Klasse/ Smartphone-Verbot für Klasse 1-4" (zum Beschluss) spricht die Berliner CDU unter anderem ein Smartphone-Verbot an Berliner Grundschulen an.

Genauer heißt es dazu: "Wir sprechen uns für einen pädagogisch sinnvollen Einsatz von der Schule zu stellenden, digitalen Medien in der Grundschule aus, aber gegen die Nutzung von Smartphones zumindest für die Klassen 1-4. Smartphones sind ggf. am Schuleingang abzugeben und bei Schulende wieder abzuholen."

Früher oder später wird es keine Smartphones mehr geben.
Früher oder später wird es keine Smartphones mehr geben.

Smartphone-Verbot an Grundschulen soll entlasten

Gegenüber radioeins verteidigte die bildungspolitische Sprecherin der Berliner CDU-Fraktion, Hildegard Bentele, das Vorhaben: "Wenn Eltern ihren Kindern Smartphones geben und auch Dinge wie WhatsApp erlauben, liegt die Verantwortung bei den Eltern. Die Schule kann sich da aber nicht ausklinken, vor allem, weil sie mit den Konsequenzen zu kämpfen hat, das heißt Schüler, die nur aufs Handy starren und leicht abgelenkt sind."

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Bentele stützt sich dabei unter anderem auf das Argument, dass Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren kein Smartphone bräuchten, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Bedenken bereite ihr aber auch das Feedback von Schulleitern und Wissenschaftlern zum frühen Zugang der Kinder zu rohen, kindergefährdenden Inhalten und der daraus resultierenden Überforderung.

Kooperation mit den Eltern angestrebt

Auf Nachfrage zur praktischen Umsetzung eines solchen Smartphone-Verbots an Grundschulen, das unter anderem Fragen zur Haftung für eingesammelte Geräte aufwirft, berief sich Bentele ohne konkrete Angaben auf eine Zusammenarbeit mit der Elternschaft. So könne schon im Vorfeld dafür gesorgt werden, dass Kinder erst gar keine Smartphones mit in die Grundschule bringen.

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Als Werkzeug für digitale Bildung seien Smartphones laut Bentele ohnehin nicht sinnvoll, weil sie beispielsweise Eltern diskrimienieren würden, die gezielt auf deren Nutzung durch ihre Kinder achten: "Wir können darüber aufklären, was Mediennutzung und -konsum betrifft, ohne dass die Kinder Smartphones mitbringen müssen." Damit würden sonst jene Eltern hintergangen werden, die ihren Kindern ganz bewusst keine Smartphones mitgeben. "Diese sind ausgeschlossen, wenn Smartphones obligatorisch in den Unterricht integriert werden."

Kritik an generellem Smartphone-Verbot

Unter Eltern und Pädagogen gehen die Meinungen derweil auseinander. So zeigt sich der Berliner Elternsprecher Norman Heise gegenüber radioeins eher skeptisch, wenn es um ein Verbot geht. Er sähe keine Erfolge bei der Durchsetzung, nur weil etwas generell verboten wird. Einzelne Elternteile sind sich dagegen der Notwendigkeit digitaler Bildung durchaus bewusst, befürworten aber dennoch eine handyfreie Zeit während des Schulaufenthaltes. Sie müssten zwar den Umgang damit lernen, das Handy deswegen aber nicht in der Schule dabei haben.

Journalistin und Publizistin Brigitte Fehrle sieht dies ähnlich, machte bei radioeins aber auch Einschränkungen. Ihrer Ansicht nach sei es durchaus sinnvoll und richtig, Kinder ohne privates Gerät in die Schule zu schicken. Lehrern dürfe es nicht zugemutet werden, in ständiger Konkurrenz zu den Smartphones der Schüler unterrichten zu müssen.

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Andererseits halte aber auch sie ein generelles Verbot für falsch, da es immer nur so wirkungsvoll wäre wie seine Durchsetzung. Eine bessere Alternative würden Regelungen darstellen, die es Schulen erlauben in Absprache mit den Eltern zu bestimmen, wie oder ob Kinder Smartphones im Unterricht nutzen dürfen. Das Ziel müsse dabei klar sein: Schule und Unterricht haben Vorrang.

Berliner Politik nach französischem Vorbild?

In Frankreich kündigte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer bereits im Dezember 2017 ein landesweites Smartphone-Verbot an Schulen an. Dabei solle die bisher bereits eingeschränkte Nutzung während des Unterrichts auch auf die Pausenzeiten ausgedehnt werden. Auch in Deutschland ist das Thema nicht erst durch den Beschluss der Berliner CDU-Fraktion aktuell. Experten diskutieren hierzulande schon seit Jahren das Für und Wider.

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