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Wieder warnen Ärzte: Von euren Handys könnt ihr kurzsichtig werden

Auf das Smartphone zu starren, ist besonders für Kinder dauerhaft eine Gefahr.
Auf das Smartphone zu starren, ist besonders für Kinder dauerhaft eine Gefahr.
Foto: imago/PhotoAlto
Dass es Handys gibt, die Strahlung absondern, wissen wir bereits. Nun warnen Augenärzte auch noch vor Kurzsichtigkeit durch Smartphones.

Zu viel Starren aufs Handy kann das Sehvermögen beeinträchtigen, warnen Augenärzte wiederholt. Eine übermäßige Nutzung kann schon im Kindesalter zu mehr Kurzsichtigkeit führen.

Nicht nur Handy-Strahlung ist derzeit ein großes Thema unter Medizinern. Auch Kurzsichtigkeit kann durch Handys verursacht werden. "Studien zeigen, dass Kurzsichtigkeit zu rund 50 Prozent vom Lebensstil beeinflusst wird", sagte Bettina Wabbels am Donnerstag für die Gesellschaft für Augenheilkunde, wie der Tagesspiegel berichtete.

Unsere Handys machen uns immer kurzsichtiger

Die Augenärztin an einer Bonner Klinik brachte Belege aus vor allem asiatischen Ländern vor. Doch sie betonte: "Auf uns rollt diese jetzt auch zu". Bereits im April 2018 hatten Ärzte auf die rapide Ausbreitung starker Kurzsichtigkeit durch Smartphones hingewiesen. Die Gefahr wächst.

Video: Wie es sich anfühlt kurzsichtig zu sein

„Vor allem bei den Jüngeren sind die Ursachen bei den Umweltbedingungen und Lebensgewohnheiten zu suchen. Nicht nur das Lesen, auch die Arbeit am Computer oder die Zeit, die man mit dem Smartphone verbringt, wirken sich aus“, sagte damals Privatdozent Dr. Joachim Wachtlin, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde im Berliner St.-Gertrauden-Krankenhaus.

Wieso werden wir durch Handys kurzsichtig?

Augapfel wächst

Der Grund für die Verringerung der Sehfähigkeit sei bei Kindern unter drei Jahren das Wachstum des Augapfels. Das Auge werde durch die Nähe zu einem Bildschirm länger. Das heißt, es schrumpfe auch nicht mehr. "Ab zwölf Jahren sind die Weichen für die Augen gestellt", so Wabbels. Das stelle die Weichen für Kurzsichtigkeit im weiteren Leben.

Die Empfehlung der Augenärztin: Vier- bis Sechsjährige sollten pro Tag maximal eine halbe Stunde vor Computer- oder Smartphone-Bildschirmen verbringen, bis zum Alter von zehn Jahren maximal eine Stunde täglich. Fernseher sind demnach weniger schlimm für das Auge, weil sie weiter weg stehen. Deshalb leiden Kinderaugen vor allem darunter, wenn sie nahe vor einem Bildschirm Spiele spielen würden. Tablets seien auch nicht gut für die Augen, weil sie platt seien und dadurch die Entwicklung des räumlichen Denk- und Sehvermögens von Kindern geschwächt würde.

Schlafhormon gehemmt

Gereizte, müde oder trockene Augen kennen alle, die am Computer arbeiten oder lange auf ihr Smartphone starren. Auch das ist laut Augenärzten eine Gefahr. Wenn dann auch noch durch den Blaulichtanteil in Bildschirmen die notwendige Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin gehemmt wird, können Schlafstörungen die Folge der Technik sein, sagte auch Nicole Eter, Präsidentin der Gesellschaft für Augenheilkunde.

Denn viele Deutsche nehmen ihr Smartphone mit ins Bett. Für Kinder sowie Erwachsene sei es allerdings ratsam, ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen keinen Blick mehr auf einen Bildschirm zu werfen. Dessen ungeachtet können Smartphones aber auch bei Schlafstörungen helfen, wie futurezone bereits berichtete: Schließlich gibt es Schlaf-Apps, die euren Rhythmus tracken und euch gut durch die Nacht bringen.

Was kann man dagegen tun?

#1 Die richtige Dosis Smartphone

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl kurzsichtiger Menschen in Industrieländern nach Angaben der Gesellschaft für Augenheilkunde jedoch gewachsen. In Deutschland seien es unter jungen Erwachsenen inzwischen 50 Prozent. In asiatischen Ländern liege die Quote bereits bei 95 Prozent. "Die Zunahme ist vor allem auf sehr frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets zurückzuführen", sagte Eter.

Es gehe, das bestätigte auch Wabbels, vor allem um die tägliche Dosis: "Im Grunde ist das wie bei Süßigkeiten. Computer sind sehr verlockend für Kinder, aber man muss das begrenzen. Je jünger, desto weniger Nutzung."

Untersuchungen aus Asien zeigten, dass dort die Zahl der betroffenen Kinder extrem ansteigt, und dass sie vor starker Kurzsichtigkeit bewahrt werden können, wenn sie häufiger im Tageslicht unterwegs sind und immer wieder Abstand zum Bildschirm von Computer oder Smartphone nehmen.

#2 Aufklärungsarbeit ist wichtig

Bei einer Studie in China gab es bereits deutliche Effekte auf das Augenwachstum, wenn die Jungen und Mädchen nur für eine Stunde täglich zum Toben nach draußen geschickt wurden. Entsprechende Aufklärungsarbeit und Pilotprojekte in Schulen könnten Wachtlin zufolge die Entwicklung der krankhaften Kurzsichtigkeit ausbremsen.

#3 Regelmäßige Untersuchungen beim Arzt

Kurzsichtig ist ein Auge, wenn der Augapfel „zu lang“ oder der Brechwert der Linse zu hoch ist – das bedeutet, dass einfallende Lichtstrahlen sich bereits vor der Netzhaut bündeln. Das Ergebnis ist ein Abbildungsfehler, der weit entfernte Objekte unschärfer erscheinen lässt als nahe gelegene.

„Bei einer Kurzsichtigkeit von minus 6 Dioptrien [Maßeinheit für die Brechkraft, Anm. d. Red.] spricht man von einer krankhaften Myopie“, erklärte Privatdozent Wachtlin. In solchen Fällen steigt das Risiko von Augenerkrankungen: „Unter anderem wird das Auge dünnwandig und die Netzhaut anfällig für Schäden.“ Kurzsichtige Menschen sollten sich daher regelmäßig untersuchen lassen.

Grüner Star: Eine weitere Konsequenz der Kurzsichtigkeit

Neben der Myopie bleibt auch der grüne Star ein Problem, das Ärzte und Forscher der Augenheilkunde stark beschäftigt. Hinter dem harmlos klingenden Namen verbirgt sich eine unheimliche Krankheit, die in der Fachsprache Glaukom heißt, und von der in Deutschland mehr als eine Million Menschen betroffen sind.

Ein Glaukom bemerkt man erst, wenn die Folgen nicht mehr rückgängig gemacht werden können: Der Sehnerv wird nach und nach zerstört, das Gesichtsfeld schrumpft.

Wie entsteht grüner Star?

„Der Sehnerv lässt sich mit einem Datenkabel vergleichen, das das Auge mit dem Gehirn verbindet. Er ist etwa vier Millimeter dick und besteht aus rund einer Million Nervenfasern“, erläuterte Prof. Lutz E. Pillunat, Direktor der Universitäts-Augenklinik Dresden. Immer wieder werde ein zu hoher Augeninnendruck dafür verantwortlich gemacht, dass diese Nervenfasern absterben.

Doch es gibt auch das sogenannte „Normaldruckglaukom“. Das bedeutet, dass die Krankheit voranschreitet, obwohl kein erhöhter Augeninnendruck gemessen wird.

Auf die Frage, was bei solchen Patienten anders ist, gibt es Pillunat zufolge keine einheitliche Antwort. Eine Ursache könnte die Therapie mit Betablockern gegen zu hohen Blutdruck sein: Sie kann dafür sorgen, dass der Blutdruck vorübergehend stark sinkt und der Sehnervkopf nicht ausreichend durchblutet ist.

Geht zur Vorsorge – ab 40

Auch sogenannte Vasospasmen, bei denen sich Blutgefäße krampfartig verengen, könnten eine schlechte Durchblutung des Gewebes verursachen. „Die Möglichkeit, den Augeninnendruck zu senken, ist bei Patienten mit Normaldruckglaukom nur eingeschränkt gegeben. Bei ihnen zielt eine Therapie eher darauf ab, die Durchblutung am Augenhintergrund zu verbessern“, sagt Pillunat.

Damit Augenerkrankungen früh erkannt und behandelt werden, raten Augenärzte ab dem 40. Lebensjahr zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Diese werden allerdings in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, sondern schlagen meist mit rund 21 Euro zu Buche.

Dr. Ludger Wollring, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte, kritisiert dies: Ein Glaukom beispielsweise kann nach seinen Worten nur durch eine Augendruckmessung zusammen mit einer Untersuchung des Sehnervs in der Augenarztpraxis festgestellt werden. Der Sehtest beim Optiker sei kein Ersatz dafür.

Das deutsche Diagnose-Problem

Ausgebremst fühlt sich der Verband auch, was neue diagnostische Verfahren angeht: Dies betrifft etwa die optische Kohärenztomografie, kurz OCT, mit der Netzhautschichten sichtbar gemacht werden. Diese weltweit anerkannte Methode werde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland blockiert.

Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, hält weiter dagegen: „Die Aufgabe des Ausschusses ist, zum Schutze der Patienten nur auf Grundlage eindeutiger Nutzenbelege Untersuchungs- und Behandlungsmethoden – auch in der Augenheilkunde – als GKV-Leistung anzuerkennen.“ Die OCT werde derzeit zur Diagnostik und Therapiesteuerung verschiedener Erkrankungen überprüft.

Stiftung Warentest hält dagegen

Voraussichtlich noch in diesem Jahr werde ein Beschluss dazu gefasst. Was das Glaukom-Screening angehe, so ist Hecken zufolge in letzter Zeit weder von Ärzte-, Kassen- oder Patientenseite ein weiterer Antrag zur erneuten Bewertung gestellt worden. „Im Übrigen kann die Messung des Augeninnendrucks bei begründetem Verdacht zulasten der gesetzlichen Krankenkassen vorgenommen werden“, so Hecken.

Auch die Verbraucherschützer von Stiftung Warentest kommen nach einer aktuellen Auswertung wissenschaftlicher Übersichtsstudien zu einem differenzierten Urteil: Die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung sei zwar für Menschen mit Risiko­faktoren sinnvoll, als Reihen­unter­suchung für alle Gesunden habe sie aber sowohl für 40- als auch für 60-Jährige nur geringen Nutzen.

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